Hitze-Risiken Forscher, ran an die Ventilatoren!

Bei 35 Grad im Schatten hilft oft nur noch der Ventilator. Britische Wissenschaftler aber fürchten bei allzu sorglosem Einsatz der Lüfter Gefahren: Insbesondere ältere Menschen könnten dadurch überhitzen. Die Suche nach harten Fakten zu ihrer These ließ die Forscher allerdings verzweifeln.

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Ein Cochrane Review ist für Gesundheitsforscher das höchste der Gefühle. In einer solchen Übersichtsarbeit sammeln und bewerten die Autoren das gesamte verfügbare Wissen, um eine medizinische Frage beantworten zu können. Zum Beispiel: "Verlängert ein Brustkrebsmedikament die Überlebenszeit erkrankter Frauen?" Diese Analyse der Cochrane Collaboration wurde erst am Mittwoch vorgestellt.

Dagegen wirkt die am Donnerstag präsentierte Cochrane-Analyse britischer Forscher um Saurabh Gupta von der Health Protection Agency in London zunächst reichlich merkwürdig: Die Wissenschaftler untersuchten, ob Ventilatoren bei Hitzewellen für Abkühlung sorgen können. Wer schon einmal bei großer Hitze im Büro den Ventilator angeschaltet hat, für den ist die Antwort geradezu banal: Natürlich sorgen die Geräte für einen angenehm kühlen Luftzug!

Ganz so absurd, wie es sich anhört, ist die Studie aber nicht. Der Untersuchung liegt eine berechtigte Sorge zugrunde: Gerade bei sehr hohen Temperaturen über 35 Grad Celsius könnten ältere Menschen gefährdet sein, wenn sie wegen der Ventilatoren mehr schwitzen und nicht ausreichend Flüssigkeit bekommen, schreiben die Forscher. Ein Ventilator funktioniert, indem er kühlere Luft am Körper vorbeipustet. Dabei erleichtert er quasi das Schwitzen und die Wärmeabgabe an die Luft über die Haut.

Körpertemperatur
Was ist normal?
Der Körper hält seine Kerntemperatur in engen Grenzen zwischen 36,0 Grad Celsius und 37,5 Grad Celsius. Darüber sprechen Mediziner bis 38,0 Grad von erhöhter Temperatur. Alles über 38,0 Grad gilt als Fieber. Oberhalb von 40 Grad droht der Tod. Unterhalb von 33 Grad ist der Körper unterkühlt.
Regulation
Gesteuert wird die Körpertemperatur vom Hypothalamus im Gehirn. Diese Region steuert neben der Temperatur zum Beispiel auch den Blutdruck und den Schlaf. Die Kerntemperatur ändert sich je nach Tageszeit, Schlaf und Wachheit und bei Frauen im Rhythmus des Menstruationszyklus. Wärme produziert der Körper, indem er Energie verbrennt, zum Beispiel in der Muskulatur. Droht er auszukühlen, kann der Körper durch eine verminderte Durchblutung der Haut den Wärmeverlust bremsen.

Überschüssige Wärme gibt der Körper auf verschiedenen Wegen ab. Mittels Konvektion verliert der Körper Wärme an die ihn umströmende Luft. Der Körper strahlt Wärme nach außen ab (Radiation) und verliert schließlich Wärme durch die Verdunstung (Evaporation) von Wasser auf der Haut. Diese letzte Methode ist die effektivste: das Schwitzen. Mehr als zwei Liter Schweiß kann der menschliche Körper stündlich produzieren. Das birgt allerdings auch die Gefahr des Austrocknens und eines unausgeglichenen Elektrolythaushaltes, denn der Schweiß enthält neben Wasser große Mengen an Natrium und Kalium.
Fieber
Mit Fieber reagiert der Körper auf Infektionen oder Entzündungen. Dazu wird im Hypothalamus im Gehirn der Sollwert für die Körperkerntemperatur verstellt. Fieber ist also etwas anderes, als eine Überhitzung des Körpers. Während der überhitzte Körper versucht, die steigende Temperatur zu senken, ist die erhöhte Kerntemperatur beim Fieber gewollt.

Wie genau die Körperkerntemperatur verstellt wird, ist nicht vollständig bekannt. Im Hypothalamus sitzen Nervenzellen, die teilweise auf Wärme beziehungsweise Kälte reagieren. Bei Infektionen und Entzündungen werden im Körper Stoffe freigesetzt, sogenannte Pyrogene, die auf diese Nervenzellen wirken. Spritzt man gesunden Versuchspersonen diese Pyrogene, steigt ihre Körpertemperatur, bis sie Fieber haben. Normalerweise steigt die Temperatur nicht höher an als etwa 41 Grad. Wie der Körper das Fieber bremst, ist weitgehend unklar.
Hitzschlag und Sonnenstich
Beim Sonnenstich wird das Gehirn von der Hitze geschädigt. Die Überhitzung des Kopfes reizt die Hirnhäute, schlimmstenfalls schwillt das Gehirn an. Es kommt zu Übelkeit und Erbrechen, wobei der restliche Körper nicht überhitzt. Gefährdet sind vor allem Kleinkinder und Menschen mit Glatze.

Heizt sich dagegen der gesamte Körper auf, kommt es schlimmstenfalls zum Hitzschlag, bei dem letztendlich auch das Gehirn anschwillt. Vorstufen sind der hitzebedingte Kreislaufzusammenbruch und der durch die Hitze ausgelöste Krampfanfall.
Die Autoren der Studie fürchten einerseits, dass Senioren durch das Verfahren innerlich austrocknen könnten, wenn sie nicht genügend trinken. Andererseits stoße das Luftzugprinzip bei großer Hitze jenseits von 35 Grad an seine Grenzen: Dann sei die durch den Ventilator zugeführte Luft gar nicht mehr kühler als die Umgebungsluft des Menschen - und er könnte sogar überhitzen.

"Wir haben keine Studien gefunden"

Bei der Auswertung des dazu verfügbaren Wissens bekam der Forscher-Elan von Gupta und seinen Kollegen allerdings einen ordentlichen Dämpfer: "Wir haben keine geeigneten Studien gefunden, trotz ausgiebiger Suche und Korrespondenz mit verschiedenen Experten auf dem Gebiet", lautet das resignierte Ergebnis der versuchten Metaanalyse. Gewünscht hatten die Wissenschaftler sich Studien, in denen zum Beispiel verglichen wird, wie es Menschen geht, die während einer Hitzewelle einen Ventilator nutzen im Vergleich mit anderen, die in der Hitze schmoren müssen. Nur solche hochwertigen Studien dürfen die Cochrane-Autoren verwenden.

Bei der Frage nach den Vor- und Nachteilen von Ventilatoren gehe es nicht nur darum, ob einzelne Menschen sich ein solches Gerät zulegen sollten, sagt Gupta. Viel bedeutender sei die Entscheidung, "ob man Ventilatoren während Hitzewellen an viele Menschen verteilt", sagt Gupta. "Besonders wichtig ist das bei Menschen, die Hitze gegenüber anfälliger sind, zum Beispiel ältere Menschen, die schlechter Wärme durch Schwitzen abgeben können."

Angesichts großer Hitzeperioden mit vielen tausend hitzebedingten Todesfällen wie etwa im August 2003 in Europa sehen die Cochrane-Forscher die Wissenschaft in der Pflicht, die Frage der Ventilatoren zu untersuchen. Die insgesamt wenig aussagekräftigen Untersuchungen, die Gupta und seine Kollegen finden konnten, kamen auch noch zu widersprüchlichen Ergebnissen: In einer kleinen Analyse fanden die Autoren Hinweise auf ein reduziertes Risiko zu sterben, wenn Ventilatoren eingesetzt wurden. Andere Forscher warnten vor den möglichen Gefahren durch Flüssigkeitsmangel beim Lüftergebrauch.

Ventilatoren sind kein Problem für alte Menschen

Bis es die qualitativ hochwertigen Vergleichsstudien endlich gibt, muss jeder für sich selbst entscheiden, ob der Ventilator für ihn das Richtige ist. Bei älteren Menschen sieht Ralf-Joachim Schulz, Lehrstuhlinhaber für Geriatrie an der Universität Köln, aber keine akuten Probleme durch die ungelöste Ventilatoren-Frage: "Man muss nur bei Patienten vorsichtig sein, die sich nicht dazu äußern können, wie sie die Hitze empfinden", sagt Schulz. "Patienten, die in der Lage sind, sich über ihr Empfinden zu äußern, kann man einen Ventilator anbieten."

Im Alter kommen laut Schulz zwei Dinge zusammen: das gestörte Temperaturempfinden und eine gestörte Regulation des Flüssigkeitshaushaltes. Von daher sei die Frage nach dem Ventilatoreinsatz durchaus berechtigt. Allerdings würde in Kliniken und Pflegeeinrichtungen vor allem auf etwas anderes geachtet, nämlich auf die ausreichende Flüssigkeitsversorgung der Patienten. Wer bei Hitze nicht selbständig täglich einen halben bis einen Liter mehr als üblich trinken könne, bekomme die Flüssigkeit als Infusion unter die Haut, von wo sie der Körper dann umverteilen kann.

Während die Cochrane-Forscher noch darüber rätseln, wie sinnvoll Ventilatoren sind, treibt am anderen Ende der Welt die Angst vor ihnen absurde Blüten: In Korea ist der Glaube verbreitet, wer nachts bei laufenden Rotoren in geschlossenen Räumen schlafe, den ereile der Ventilator-Tod: Flüssigkeitsverlust, Unterkühlung und eine steigende CO2-Konzentration seien verantwortlich für rätselhafte Todesfälle. Deshalb werden dort Ventilatoren mit Zeitschaltuhren verkauft. Eine Erklärung, warum das Phänomen außerhalb Koreas noch niemandem aufgefallen ist, gibt es nicht. Genug Stoff für neue Studien.

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tafkat 13.07.2012
1. Sofern die rel. Luftfeuchte
der Raumluft unter 100 % liegt, sollte die Kühlwirkung des Ventilators infolge verringerten Wasserdampfpartialdrucks am Schwitzenden doch auch bei temperaturen oberhalb der Körperkerntemperatur intakt sein? Oder nicht? Wegen Elektrolytmangel/Austrocknen: Oma/Opa zwischendurch nassmachen!
kurznachgedacht 13.07.2012
2. Setzen: 6
"Ein Ventilator funktioniert, indem er kühlere Luft am Körper vorbeipustet." "Andererseits stoße das Luftzugprinzip bei großer Hitze jenseits von 35 Grad an seine Grenzen: Dann sei die durch den Ventilator zugeführte Luft gar nicht mehr kühler als die Umgebungsluft". Schwitzen funktioniert, weil das Wasser der Haut (Schweiß) verdampft und dabei die Verdunstungskälte die Wärme aus dem Körper abführt. Von der Außentemperatur ist die Wärmeabgabe mittels Schwitzen unabhängig, vielmehr hängt es von der Luftfeuchtigkeit ab. Mit diesem Wissen hätte man die Studie gar nicht machen brauchen. Weiß aber auch nicht jeder: Physik 9. Klasse, "Wärmelehre". Kann ja keine Vorsaussetzung sein.
zazzel 13.07.2012
3.
Zitat von kurznachgedacht"Ein Ventilator funktioniert, indem er kühlere Luft am Körper vorbeipustet." "Andererseits stoße das Luftzugprinzip bei großer Hitze jenseits von 35 Grad an seine Grenzen: Dann sei die durch den Ventilator zugeführte Luft gar nicht mehr kühler als die Umgebungsluft". Schwitzen funktioniert, weil das Wasser der Haut (Schweiß) verdampft und dabei die Verdunstungskälte die Wärme aus dem Körper abführt. Von der Außentemperatur ist die Wärmeabgabe mittels Schwitzen unabhängig, vielmehr hängt es von der Luftfeuchtigkeit ab. Mit diesem Wissen hätte man die Studie gar nicht machen brauchen. Weiß aber auch nicht jeder: Physik 9. Klasse, "Wärmelehre". Kann ja keine Vorsaussetzung sein.
:-) Wobei es natürlich immer gut möglich ist, dass der SpiegelOnline-Autor hier einfach nur die Studie nicht richtig zusammengefasst hat. Ich bin sowieso bei Hitze eher der Klimaanlagen-Fan: Die bringen auch herzkranken Menschen Linderung. Dafür reicht der Entfeuchtungsbetrieb, die müssen nicht einmal die Raumlufttemperatur weit senken. Hauptsache, es ist kein Monoblock-Gerät - dass DIE nicht verboten sind, ist mir ein Rätsel. Und da stehen sogar noch "Effizienzklassen" drauf, obwohl diese aufgrund der Funktionsweise nur "Z" lauten kann :-)
CMDR 13.07.2012
4. Physik
Wenn schon wissenschaftliche Artikel, dann bitte fundiert! Wie soll ein Ventilator für kühlere Luft sorgen? Und warum soll das angeblich ab der magischen Grenze von 35°C nicht mehr funktionieren? Es funktioniert nämlich auch unterhalb von 35°C nicht! Im Gegenteil, durch die Abwärme des Elektromotors ist die zugeführte Luft evtl. sogar etwas wärmer. Aber es geht beim Ventilator auch gar nicht um evtl. Temperaturunterschiede, sondern um die Bewegung der Luft.
Irek 13.07.2012
5.
Zitat von sysopREUTERSBei 35 Grad im Schatten hilft oft nur noch der Ventilator. Britische Wissenschaftler aber fürchten bei allzu sorglosem Einsatz der Lüfter Gefahren: Insbesondere ältere Menschen könnten dadurch überhitzen. Die Suche nach harten Fakten zu ihrer These ließ die Forscher allerdings verzweifeln. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,843974,00.html
Die Angst der Koreaner vor Ventiltoren ist gar nicht so unbegründet. Gemäß meiner Theorie besteht die Materie nicht aus Elementarteilchen sondern aus oszillierenden Elementareinheiten des Raumes. Diese Einheiten generieren aber nicht gleichmäßig unseren Raum sondern verändern leich den absoluten Volumen des bei einer Oszillation entstandenes Raumes. Durch Bewegung einer Raumvakuole erhöht sich die Frequenz der Oszillationen aud verringert sich automatisch dadurch generierte Raumvolumen. Anders gesagt in einem geschlossenem Zimmer und rotierendem Ventilator muss sich der Luftdruck verringern. Es ist also nicht ausgeschlossen dass bei empfindlichen Personen zu dem Exitus kommen kann. Über die Ursachen der Erdbeben. Teil V – Gletscherbeben und der Tunguska- Ereignis | READERS EDITION (http://www.readers-edition.de/2012/05/06/uber-die-ursachen-der-erdbeben-teil-v-gletscherbeben-und-der-tunguska-ereignis/)
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