Erste Hilfe-Tipps für Silvester Was tun bei Verbrennungen und Knalltrauma?

Die Rakete startet aus der Hand, das Ohr ist nach einem Knall plötzlich taub: So schön Feuerwerk an Silvester ist, so gefährlich sind vor allem illegale Böller. Erste-Hilfe-Tipps für vier häufige Verletzungen.

Silvesterknaller: Viele Verletzungen zum Jahreswechsel
DPA

Silvesterknaller: Viele Verletzungen zum Jahreswechsel


Böller und Raketen sind laut, hübsch und gefährlich. Was tun, wenn die Knallerei schief geht? Bei schweren Verletzungen gilt immer eine Regel: So schnell wie möglich die 112 wählen. Für die Erste Hilfe und bei leichteren Verletzungen können außerdem die folgenden Tipps helfen.

1. Verbrennungen

Explodiert ein Böller zu früh oder bleiben Feuerwerkskörper zu lange in der Hand, kommt es schnell zu Verbrennungen. Was dann zu tun ist, hängt vor allem von der Größe der betroffenen Hautfläche ab.

Ist die Verbrennung kleiner als die Hand des Betroffenen, kann Kühlen die Schmerzen zumindest kurzzeitig lindern. Dabei ist Eile geboten. Nur wenn die Stelle schnell unter fließendes Wasser kommt, kann das Prozedere überhaupt helfen. Die Geschwindigkeit sei wichtiger als die Wassertemperatur, schreibt das DRK. Die beste Kühlhilfe ist fließendes Leitungswasser. Es senkt etwa im Vergleich zu einem feuchten Handtuch das Risiko, dass Krankheitserreger in die Wunde gelangen.

Deutlich kritischer ist die Situation, wenn die Fläche der Verbrennung größer ist als die Hand des Betroffenen. Dann sollte auf keinen Fall gekühlt werden, da der Körper ohnehin an Wärme verliert. Mit der Haut fehlt ihm an der Wunde eine wichtige Schutzschicht. Wer kühlt, verstärkt diesen Effekt. Die dann drohende Unterkühlung gefährdet den Kreislauf - und kann schwerer zu behandeln sein als die Verbrennung an sich, schreibt das DRK. Besser ist, den Betroffenen mit einer Rettungsdecke, Jacken oder Decken zu wärmen, bis der Notarzt kommt.

Weitere Faustregeln: Brandblasen nicht öffnen. Kleidung, die mit der Haut verkrustet ist, nicht selbst entfernen. Und nach einer Verbrennung die Stelle vor Sonnenlicht schützen.


2. Knalltrauma

Ein Knall, dann ist es wieder still. Der Lärm von Böllern verstummt nach Millisekunden, trotzdem ist er für Ohren gefährlicher als Dauerlärm. Ein Grund dafür: Wir empfinden die kurzen Impulse im Vergleich zu andauerndem Lärm als weniger störend und merken gar nicht, wie sie dem Ohr schaden. Deshalb zählt beim Knalltrauma vor allem die Vorbeugung. Am besten schützt, ausschließlich mit geprüften Böllern zu knallen (zu erkennen am CE-Zeichen mit einer Registrierungsnummer).

Leidet das Ohr unter einem Knall, machen sich die Folgen in der Regel sofort bemerkbar. Es kann sich anfühlen, als hätte man Watte im Ohr. Tinnitus und ein schlechteres Gehör sind weitere Anzeichen, ebenso wie ein schmerzendes Ohr. Die Betroffenen sollten auf jeden Fall zu einem Arzt gehen. Helfen können dann unter anderem Medikamente, die die Durchblutung im geschädigten Innenohr wieder verbessern.

Wie häufig Knallschäden an Silvester sind, zeigte übrigens eine Untersuchung aus dem Millenium-Silvester-Jahr 1999/2000. Sie kam zu dem Ergebnis, dass sich in Deutschland jedes Jahr in der Silvesternacht mehr als 8000 Menschen am Innenohr verletzen, berichtete das "Deutsche Ärzteblatt". Männer waren dreimal häufiger betroffen als Frauen, mehr als die Hälfte war jünger als 25 Jahre.


3. Abgerissene Finger

Vor allem nicht zugelassene Böller bergen die Gefahr, auch Erwachsenen Finger wegzusprengen: Illegale Knallkörper seien nicht mit Schwarzpulver, sondern mit einem viel stärker reagierenden Knallsatz gefüllt, sagt Heidrun Fink, Prüfleiterin bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -Prüfung (BAM) laut einer Mitteilung. "Deshalb kann man schwere Verletzungen erleiden und durchaus einige Finger verlieren". Bei einem geprüften Knallkörper, der versehentlich in der Hand angezündet wird, komme es hingegen nur zu leichten Verbrennungen.

Illegale Böller (beschlagnahmt im Dezember in Sachsen): Die Wucht kann Finger abreißen
DPA

Illegale Böller (beschlagnahmt im Dezember in Sachsen): Die Wucht kann Finger abreißen

Um den Finger zu retten, sollte das Umfeld schnell handeln. Wichtig ist, nicht selbst zu versuchen, den Finger zu säubern oder abzuwaschen. Stattdessen sollte er laut DRK in ein trockenes, möglichst steriles Tuch gewickelt werden. Wer keinen Erste Hilfe-Koffer zur Hand hat, kann auch ein frisch gewaschenes Stoffstück nutzen.

Anschließend sollte der Finger möglichst in einen sauberen, wasserdichten Plastikbeutel gesteckt werden, der dicht verschlossen in einen weiteren Plastikbeutel mit Eiswasser kommt. So bleibt er kühl, ohne zu unterkühlen. Wichtig ist, abgetrennte Körperteile nie direkt auf Eis oder in Eiswasser zu lagern. Gefrieren sie, können sie in der Regel nicht mehr transplantiert werden.

Bis zum Eintreffen des Rettungswagens sollten die Ersthelfer außerdem die Wunde versorgen, wenn sie dazu die Möglichkeit haben. Ein Druckverband kann Blutungen am besten stoppen, bis der Rettungsdienst kommt. Ebenfalls möglich ist, die Schlagader am Oberarm abzudrücken und die Blutung dadurch aufzuhalten.


4. Splitter im Auge

Die Erste Hilfe-Möglichkeiten bei Augenverletzungen sind begrenzt: Das DRK rät dazu, sofort den Notruf zu wählen und selbst die Hände von der Verletzung fernzuhalten. Das gilt auch für Verbrennungen des Auges.

irb



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
transparenz_&_Anti-Korrup 31.12.2015
1. Angst vor Terror
aber 3 Tage lang schwarpulver ohne Mengen Beschränkung verkaufen. Dieses Land ist schon komisch
Frank Zi. 31.12.2015
2.
Zitat von transparenz_&_Anti-Korrupaber 3 Tage lang schwarpulver ohne Mengen Beschränkung verkaufen. Dieses Land ist schon komisch
Ich glaube die fiesen Unholde können sich mit "besserem" Zeug eindecken als mit Schwarzpulver. Kunstdünger vom Bauernhof zum Beispiel.
damp2012 31.12.2015
3. Tipp:
Alle rauslaufen lassen, selber gelassen im Sessel bleiben, ein Glas Sekt trinken und auf sich selber und das neue Jahr anstoßen! Klappt ohne Verletzungen!
bj68 31.12.2015
4.
Ähm.....JEDER Böller (Okay außer die mit Reibkopf, die man an der Zündholzschachtel anzündet) sollte auf den Boden gelegt werden und die Zündschnur seitlich stehend (Gesicht und Oberkörper nicht darüber) angezündet werden....steht wenn ich mich richtig erinnere auch in der Gebrauchsanweisung drin.....denn es besteht immer die Möglichkeit, dass die Zündschnur "durchschlägt" und das Teil ohne Verzögerung losgeht..... Wird das gemacht, dann sind auch die Teile mit BKS (die bei uns nicht zugelassen sind) so ziemlich sicher.....und die Finger bleiben dran...dass man da auch nicht Besoffen herangeht, sollte man nicht extra erwähnen müssen....und sich bei Batterien tunlichst an die Gebrauchsanweisungen halten sollte auch....und vor allem bei den Teilen, diese RICHTIG aufstellen und wenn es "römische Lichter" sind, diese auch gegen Umfallen sichern (gilt auch bei Batterien, nur haben die meist eh einen sicheren Stand). Bj68 der auch schon mal mit Klasse IV zu tun hatte....
basecape-man 31.12.2015
5. allein schon diese hinweise ,,,
dazu kommen noch unzälige feuerwehreinsätze u.s.w sollten uns doch ernsthafter über die frage des abschaffens dieser unseeligen ballerei nachdenken lassen.in jeder grossen stadt ein zentrales feuerwerk und das wars.in den niederlanden funktioniert das seit 3 jahren recht gut.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.