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Infektionswelle in den USA: Ist Elizabethkingia ein Killer?

Untersuchung von Bakterien im Labor Zur Großansicht
DPA

Untersuchung von Bakterien im Labor

Eine rätselhafte Infektionswelle irritiert die US-Gesundheitsbehörden: Seit Anfang November erkrankten 44 Menschen an einem vermeintlich harmlosen Bakterium, 18 starben. Jetzt beginnt die Suche nach den Ursachen.

Im November 2015 begann im US-Staat Wisconsin eine ungewöhnliche Infektionswelle: 44 Menschen, die meisten in fortgeschrittenem Alter, erkrankten möglicherweise durch ein Bakterium, das man eigentlich für weitgehend harmlos hält. Das ist eine sehr geringe Fallzahl, aber 18 von ihnen starben. Das wäre eine erschreckend hohe Quote.

Elizabethkingia anophelis ist die möglicherweise durch Mücken übertragbare Variante des Elizabethkingia-Bakteriums. Das ist in der Natur so gut wie allgegenwärtig, man findet es im Boden, in Fischen und Pflanzen, und nirgendwo scheint es große Schäden zu verursachen. Als potenziell gefährlichen Krankheitserreger kennt man die Variante Elizabethkingia meningoseptica, die bei Frühchen und Neugeborenen in seltenen Fällen eine Gehirnhautentzündung verursachen kann.

Anophelis aber kannte man in den USA bisher nur als seltenen Verursacher von Infektionen, die mit Fieber und Atemnot einhergehen. In der Regel werden in den gesamten USA jährlich höchstens 500 Fälle von "Elizabethkingia"-Infektionen registriert.

Jetzt aber steht das Bakterium im Verdacht, Menschen ernsthaft krank gemacht zu haben. Und zwar in 45 Prozent der Fälle tödlich - die Ebola-Epidemie von 2014 brachte es auf eine Todesrate von 39,5 Prozent.

Ein kommender Krankenhauskeim?

Allerdings müssen die Todesfälle nicht zwingend auf die Bakterien zurückgehen, hieß es nun in ersten Stellungnahmen: Untypisch ist schon, dass die meisten Patienten über 65 Jahre alt waren. Auffällig sei auch, dass die meisten von ihnen schon zuvor an mindestens einer schweren Krankheit litten, hieß es.

Was genau die Infektionswelle auslöste, ist also noch unklar. Gemeinsam haben die Fälle, dass eben auch ein Befall mit Elizabethkingia anophelis vorlag. Mittlerweile unterstützt die Nationale Gesundheitsbehörde CDC die Behörden vor Ort bei der Suche nach der genauen Ursache.

Die wird wissen, dass Elizabethkingia anophelis im Jahr 2013 zweimal als Verursacher von Infektionswellen benannt wurde: Einmal in einer Intensivstation in Singapur und einmal in einem Krankenhaus in Zentralafrika. In beiden Fällen erwiesen sich die betreffenden Bakterienstämme als multiresistent gegen verschiedene Antibiotika, Elizabethkingia anophelis gilt seitdem als potenzieller Krankenhauskeim - eine möglicherweise wachsende Gefahr.

Bisher sind die Infektionen in den USA auf Wisconsin beschränkt, Fälle aus anderen Bundesstaaten sind nicht bekannt. Unbekannt ist auch der Verbreitungsweg von Anopheles, trotz der Mücke, die das Bakterium in seinem lateinischen Namen trägt.

Und vielfältig waren offenbar auch die Erkrankungen: "Wir konnten noch keine Gemeinsamkeit zwischen den Fällen feststellen", sagte die zuständige Amtsärztin Karen McKeown dem "Wisconsin State Journal". Für eine Übertragung von Mensch zu Mensch gebe es aber bisher keine Hinweise.

dpa/pat

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