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Deutschlandkarte: Saarländer bekommen die meisten Antibiotika

Ob bei Blasenentzündung, Fieber oder einer einfachen Erkältung - Antibiotika sind oft das Mittel der ersten Wahl. Eine aktuelle Deutschlandkarte zeigt: Ärzte aus dem Saarland verschreiben sie am häufigsten, vor allem Kinder werden damit versorgt. Noch fahnden Forscher nach den Gründen für die Unterschiede.

Bei hartnäckigen Erkältungen verschreiben Ärzte auf Drängen des Patienten gerne Antibiotika, um das Übel zu bekämpfen. Dabei werden viele Infektionen der oberen Atemwege häufig nicht von Bakterien, sondern von Viren verursacht. Antibiotika können dagegen aber nichts ausrichten. Dennoch zählen diese Medikamente zu den häufigsten Arzneimittelverordnungen in Deutschland. Dabei mehrt sich die Kritik gegen den verbreiteten Einsatz. Mediziner warnen besonders davor, dass sich zunehmend Bakterien entwickeln können, die resistent gegen die Wirkstoffe sind.

Eine Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) zeigt jetzt im Detail, wie häufig Antibiotika verschrieben werden - und in welchen Regionen Deutschlands sie am meisten zum Einsatz kommen. Demnach erhielten 2010 etwa 22 Millionen Patienten, also knapp 32 Prozent aller gesetzlich Versicherten, vom Arzt ein Rezept für Antibiotika.

Wie die aktuelle Analyse zeigt, sind die Antibiotika-Verordnungsraten in der ältesten und jüngsten Patientengruppe am höchsten: 56 Prozent der über 90-Jährigen sowie 39 Prozent der bis 15-Jährigen wurden dem Report zufolge 2010 ambulant mit Antibiotika behandelt. Ebenso zeigt der Bericht, dass insbesondere Hausärzte die Medikamente verschreiben: Knapp 53 Prozent der Rezepte wurden von Allgemeinmedizinern ausgestellt. Danach folgen hausärztlich tätige Internisten und Kinder- sowie HNO-Ärzte (jeweils unter 10 Prozent).

Die Analyse basiert auf den bundesweiten Arzneiverordnungsdaten. Nach Angaben des ZI wurde für die Studie erstmals der Gesamtbestand patientenbezogen ausgewertet. Berücksichtigt wurden demnach alle Patienten, die im Jahr 2010 mindestens ein Antibiotika-Rezept erhalten hatten.

Saarländer sind Spitzenreiter

Der aktuelle Antibiotika-Atlas zeigt einige Auffälligkeiten: Besonders im Westen der Republik stellten Ärzte Rezepte für Antibiotika aus. 37 Prozent aller Saarländer bekamen 2010 ein Antibiotika-Rezept in die Hand. Der Spitzenreiter wird gefolgt von Rheinland-Pfalz und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (jeweils 35 Prozent). Ärzte im Osten waren dagegen zurückhaltender. Patienten aus Brandenburg (25 Prozent) und Sachsen (28 Prozent) wurde am wenigsten Antibiotika verordnet.

Überraschenderweise ändert sich das regionale Muster jedoch, wenn nur die Verordnungsdaten der unter 15-Jährigen herangezogen werden: Neben dem Saarland gehören Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zu den Spitzenreitern: Rund 50 Prozent der jungen Patienten wurden in diesen Bundesländern ambulant mit Antibiotika versorgt.

Wie es zu diesen regionalen Unterschieden kommt, erklärt der Verordnungsatlas jedoch nicht. "Wir vermuten, dass die Erwartungen der Patienten und die Einstellung der Ärzte zu einer Antibiotika-Therapie wesentliche Einflussfaktoren sind", sagt Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des ZI. Um weitere Gründe für regionale Unterschiede zu prüfen, plant das ZI, auch Daten zur Häufigkeit der Diagnosen auszuwerten.

cib

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insgesamt 3 Beiträge
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1.
Ingmar E. 26.09.2012
Auf Normalstationen dürfen Ärzte in unserem Klinikum kein Antibiotika ohne Rücksprache mit den Mikrobiologen mehr anordnen. Das kann nicht sein, dass Hausärzte (und Tierärzte) so dermaßen damit um sich werfen. Vllt. sollten Hausärzte mal wieder paar Monaten Praktikum auf ner Intensivstation machen, und erleben was das für Probleme macht, wenn Antibiotika nicht mehr wirken, und die Mikrobiologie mitteilt, dass die Bakterie schon 3/4 unserer Antibiotika als kleinen Frühstückssnack ansieht, und kein bißchen beeindruckt ist. Wenn das so weiter geht landen wir infektionsmäßig wieder im 19.ten Jahrhundert. Und Patienten sollten die Packungen bis zum Ende nehmen, auch wenn die Nebenwirkungen ätzend sind. Das ist nur im eigenen Interesse.
2. Hauptsache Anti
Mustermann 26.09.2012
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEOb bei Blasenentzündung, Fieber oder einer einfachen Erkältung - Antibiotika sind oft das Mittel der ersten Wahl. Eine aktuelle Deutschlandkarte zeigt: Ärzte aus dem Saarland verschreiben sie am häufigsten, vor allem Kinder werden damit versorgt. Noch fahnden Forscher nach den Gründen für die Unterschiede. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/verordnungsatlas-wo-am-meisten-antibiotika-verschrieben-werden-a-858035.html
Passt doch. Deutschland ist führend im Verbrauch von Antibiotika in der Tier'medizin', 17.000 Tonnen/Jahr. Aber das hat auch seine guten Seiten, schafft bestimmt Arbeitsplätze und die Leistungsträger können sich ja ein Biosteak kaufen.
3. Das liegt wohl
bbkingbaby 27.09.2012
an der Nähe zu Frankreich, dem europäischen Spitzenreiter in der Antibiotikaverschreibung...
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