Vitamin D Gesunde Sonne

Vitamin D ist wichtig für den Knochenbau und wird vom Körper in der Sonne gebildet - doch was, wenn die Blutwerte selbst im Sommer zu niedrig sind? Frederik Jötten erlebt beim Arzt eine böse Überraschung.

Sonniger Frühherbst (Archivbild): Schnell die Vitamin-D-Speicher auffüllen
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Sonniger Frühherbst (Archivbild): Schnell die Vitamin-D-Speicher auffüllen


Mein Vitamin-D-Wert war ein Schock für mich, damals, Mitte Juni. Manche erinnern sich vielleicht, das war die Zeit, als schon mal kurz Sommer war. Ich hielt Arme und Gesicht in die Sonne. Ich las und schrieb im Freien. Mein Verhalten und meine Predigten an mein Umfeld, bloß genügend Sonnenstrahlen einzufangen, waren so penetrant, dass Freunde mir schon die Einheit der Sonnenbestrahlung widmeten. "Ich habe mir heute gut und gerne vier Fred gegeben", sagte Mabo grinsend, als ich ihn besuchte, und er von seiner Liege im Garten aufstand.

Ärzte empfehlen drei- bis fünfmal pro Woche halb so viel Sonnenstrahlung wie diejenige, bei der man sich einen Sonnenbrand holen würde, um genügend Vitamin D bilden zu können. Nach meiner Rechnung, hatte ich diese Dosis dicke erreicht. Außerdem hatte ich einmal in der Woche Fettfisch gegessen, das Lebensmittel, das am meisten Vitamin D enthält - und dann das. Ein Arzt kam auf die Idee, meinen Vitamin-D-Spiegel zu bestimmen. Ergebnis: Der Laborbogen zeigte, dass die gesunden Werte zwischen 30 und 100 Nanogramm pro Milliliter der Speicherform des Vitamin D lagen - und meiner lag bei 18!

Sommerzeit - Vitamin D-Zeit!

Ich bin täglich mindestens eine Stunde mittags im Freien - welcher andere berufstätige Mensch kann das - außer Bauarbeitern, Landwirten, Gärtnern? Wenn selbst ich einen Vitamin-D-Mangel habe - also ich weiß ich wirklich nicht, welcher im Büro Arbeitende dann keinen haben sollte. Das nicht im Winter, sondern im Sommer! Zwischen Juni und Anfang September steht die Sonne so so, dass ein großer Anteil an UV-B-Strahlung - der Bestandteil des Sonnenlichts, der die Synthese von Vitamin D bewirkt - bei uns auf die Erde trifft. Mehr bekommt man also nie hierzulande. Wie meine Werte erst im Winter aussehen, mag ich mir gar nicht vorstellen!

Vitamin D ist wichtig für den Knochenbau. Ein Flyer zum Thema vom Hamburger Lehrstuhl für Osteologie, der Lehre vom Skelettsystem: "Wenn einer oder mehrere der folgenden Punkte auf Sie zutreffen, ist eine Vitamin D-Bestimmung sinnvoll: […], häufige Erkältungen, wenig Aufenthalt unter freiem Himmel (Bürotätigkeit), dunkle Hautfarbe, Verwendung von starkem Sonnenschutz, mehr als zwei Knochenbrüche in den letzten 10 Jahren, Alter über 35 Jahre […]."

Wie wohl die meisten Menschen in Deutschland, erfülle ich eines der Kriterien - und das reicht anscheinend, um tatsächlich einen Vitamin-D-Mangel zu haben.

Oder ist das Ganze vielleicht gar kein Mangel? Wer legt die Grenzwerte fest? Können diese Experten wirklich wissen, wie viel Vitamin D mein Körper braucht? Steckt die Nahrungsergänzungsmittel-Industrie hinter den Werten?

Alarm zurück!

Ich konsultiere einen Osteologen. Er beruhigt mich etwas. "18 Nanogramm, das ist exakt der Durchschnittswert in der deutschen Bevölkerung", sagt er. "Unter 40 Jahren ist ein solcher Wert auch noch kein Problem für die Knochen - aber wenn sie noch 30 Jahre einen so niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben, dann werden sie definitiv schlechtere Knochen haben, als mit einem höheren Wert."

Ende August mache ich einen zweiten Test, 32 Euro kostet das. Obwohl es in diesem Monat, anders als im Juni, keinen einzigen Tag gab, an dem man hätte ins Schwimmbad gehen können, liegt mein Wert für die Vitamin-D-Speicherform jetzt bei 26 Nanogramm pro Milliliter - also immer noch ein Mangel, aber weniger schlimm. Der Osteologe sagt, durch meine Sonnenexposition und den Konsum von fettem Fisch, sei mein Vitamin-D-Akku wohl langsam wieder aufgefüllt worden. "Aber wenn sie denn Winter nicht auf den Malediven verbringen, ist das jetzt der Höhepunkt ihres diesjährigen Vitamin D-Spiegels." Was meine Krankenversicherung wohl sagt, wenn ich ihr mitteile, dass ich eine sechsmonatige Kur in der Südsee brauche? Wohl besser, ich besorge mir schon mal eine Großpackung Vitamin-D-Tabletten für den Herbst. Aber jetzt gehe ich erst mal nach draußen - die letzten Sonnenstrahlen einfangen, die meinen Vitamin-D-Akku noch füllen können.

VITAMIN D-MANGEL - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

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damocles_ 05.09.2014
1. Durchschnittwerte
Wenn der Durchschnittswert der deutschen Bevölkerung bei 18 liegt, und das wiederum unter dem Mindestwert von 30 liegt, sollte man auf VitaminD tabletten verzichten, denn auch wenn es gesünder währe, man spielt den bösen Unternehmen "da oben" in die Hände. Das Thema Vitamin D sollte wirklich stärker Beachtung finden. Wir leben nunmal in einer recht dunklen Umgebung, und sind wesentlich seltener draussen als zu Zeiten der feudalen Landwirtschaft.
StefanXX 05.09.2014
2. Exklusive Ansicht ...
Zitat von damocles_Wenn der Durchschnittswert der deutschen Bevölkerung bei 18 liegt, und das wiederum unter dem Mindestwert von 30 liegt, sollte man auf VitaminD tabletten verzichten, denn auch wenn es gesünder währe, man spielt den bösen Unternehmen "da oben" in die Hände. Das Thema Vitamin D sollte wirklich stärker Beachtung finden. Wir leben nunmal in einer recht dunklen Umgebung, und sind wesentlich seltener draussen als zu Zeiten der feudalen Landwirtschaft.
Also Sie sind der Meinung selbst wenn Nahrungsergänzung mit Vitamin D gesunder wäre (wohlgemerkt WÄRE, bevor gleich wieder die ganzen Nahrungsergänzungskritiker auf der Matte stehen), sollte man darauf verzichten weil man den "bösen Unternehmen da oben" in die Hände spielt? Na das dürfte aber eine sehr exklusive Ansicht sein ...
kugelsicher, 05.09.2014
3.
Zudem Vitamin D3 Pillen guter Qualität sehr günstig sind. 100 Stück für 5€. Sollte jeder der nicht kontraindiziert ist Herbst, Winter und Frühling nehmen. Und selbst im Sommer sind 1000IE voll ok.
hopilein 05.09.2014
4. Und Vitamin K1 nicht vergessen
sonst hat D3 keinen Sinn!!
alfredjosef 08.09.2014
5. Lebertran
Tablette, Sonnenbad, nahrungsergänzung - alles Unsinn! Einfach, wie früher, jeden Wintertag ein Löffelchen Lebertran. Die Flasche kostet 14 Euro (Apotheke) und reicht mehr als einen Winter. Und schmeckt grauenvoll, natürlich, das sind diese vielen ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die man noch extra mitkriegt. Ich hatte übrigens 77 ng/ml Vit D - im März. Wirkung: keine Sonnenbläschen mehr an hellen April/Maitagen; an grauen, düsteren, dunklen Wintertagen keine Melancholie mehr. Insgesamt sehr gut! :-) aj
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