Elektronische Gesundheitsakte "Vivy" Diese App bekommen jetzt Millionen Versicherte

Mal schnell die Röntgenbilder an den Orthopäden schicken: 16 Krankenkassen bieten ihren Versicherten ab heute eine App an, mit der sie ihre Gesundheitsdaten selbst verwalten können. Was steckt dahinter?

Handybildschirm mit der App "Vivy"
DPA

Handybildschirm mit der App "Vivy"


Arztbefunde, Röntgenbilder oder Medikamente: Versicherte von 14 gesetzlichen und zwei privaten Krankenkassen können ab sofort ihre persönlichen Daten in einer elektronischen Gesundheitsakte speichern. Die kostenlose App "Vivy" steht insgesamt rund 13,5 Millionen Versicherten zur Verfügung, wie das gleichnamige Berliner Start-up am Montag mitteilte.

Was soll die App bringen?

Die App soll beispielsweise an Impftermine und Vorsorgeuntersuchungen erinnern sowie digital Überweisungen, U-Hefte und Mutterpass speichern. Darüber hinaus können Nutzer Gesundheitsdaten wie Befunde, Laborwerte und Röntgenbilder hochladen und mit verschiedenen behandelnden Ärzten teilen.

Zudem soll "Vivy" vor Wechselwirkungen von Medikamenten warnen. Wer mehrere Medikamente einnehme, müsse nur den Code auf der Packung oder dem Medikationsplan scannen. Anschließend werde er automatisch auf Wechselwirkungen hingewiesen, teilte die DAK-Gesundheit mit.

Auch Fitnesstracker können mit der App gekoppelt werden - also Geräte, die etwa die täglichen Schritte zählen oder den Puls oder Schlafdaten messen.

Welche Krankenkassen nehmen teil?

Neben der DAK-Gesundheit beteiligen sich bislang die Innungskrankenkassen IKK classic, IKK Nord, IKK Südwest sowie mehrere Betriebskrankenkassen. Auch die Allianz und die Barmenia bieten die App an, die Gothaer soll im Februar folgen. Die Krankenkassen wollen ihre Kunden ab diesem Montag informieren.

Wie kommen die Daten in die E-Akte?

Patienten können etwa Dokumente, die sie in Papierform zu Hause haben, einscannen. Mit ein paar Klicks in der App sollen sie außerdem Dokumente von Ärzten, Laboren und Kliniken anfordern können. Das versprechen zumindest die Anbieter.

Wie steht es um die Datensicherheit?

Die Daten der Nutzer seien sicher, sagen die Verantwortlichen. Nur die Nutzer würden über deren Verwendung entscheiden. Weder die beteiligten Kassen und Versicherungen noch Vivy oder andere Dritte sollen darauf zugreifen können. Bei Bedarf kann der Versicherte jedoch Informationen aus der App mit anderen Nutzern teilen - beispielsweise mit seinem behandelnden Arzt.

Vivy wurde unter anderem vom TÜV Rheinland als sichere Plattform zertifiziert und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als Medizinprodukt zugelassen.

Gibt es schon Kritik?

"Es wird mit der Zeit herauskommen, wie gut die Verschlüsselung wirklich ist", sagt Falk Garbsch, Sprecher des Chaos Computer Clubs. "Die Zahl der Angriffe auf Smartphones steigt immer weiter." Nach zwei Jahren gebe es bei den Geräten üblicherweise keine Sicherheits-Updates mehr.

Da Gesundheitsdaten nicht nur intim seien, sondern auch lukrativ sein könnten, könnte es sich lohnen, Viren und Trojaner zu entwickeln, um von unbefugter Seite heranzukommen, meint Garbsch. Es stelle sich auch die Frage, ob die Software in den Arztpraxen immer sicher sei.

Haben andere Krankenkassen ähnliche Angebote?

Die AOK hat mit Pilotprojekten in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ebenfalls eine elektronische Gesundheitsakte gestartet. Die Techniker Krankenkasse (TK) befindet sich mit inzwischen 30.000 Versicherten mit ihrer Digitalakte TK-Safe im Testbetrieb. Das aktuelle Projekt ist jedoch das erste, bei dem mehrere Kassen miteinander kooperieren.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will digitale Akten bis spätestens 2021 allen Versicherten zugänglich machen. "Versicherte sollen auch per Tablet und Smartphone auf ihre elektronische Patientenakte zugreifen können", sagte er kürzlich der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Mit der elektronischen Gesundheitskarte, die seit Jahren die Erwartungen nicht erfüllt, soll es trotzdem weitergehen.

irb/AFP/dpa



insgesamt 44 Beiträge
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kleinke 17.09.2018
1. Ein bisschen differenzierter wäre schön
Zitat: "Nach zwei Jahren gebe es bei den Geräten üblicherweise keine Sicherheits-Updates mehr." - ja, bei Android. Dass bei iPhone und iPads die Updates bis zu aktuell 5 Jahre nach Erstveröffentlichung bereitgestellt werden (so läuft das heute erscheinende iOS 12 auch auf einem iPhone 5S von 2013), wurde dabei leider nicht erwähnt.
vaikl 17.09.2018
2. "Dein Lebensstil tut dir richtig gut...
...und beeinflusst dein biologisches Alter richtig positiv" - Ist das schon die erste dieser chinesischen Gängel-Apps aus deutscher Hand? Übrigens macht es unheimlich viel Sinn, liebe Entwickler, wenn man in den jeweiligen Appstores keine Liste der teilnehmenden Kassen hinterlegt, auf dass man sich blind für eine solche App entscheiden muss. Wir haben 2018, das Jahr der DSGVO!!
Mancomb 17.09.2018
3. Hochladen???
Sonst noch was? So sensible Daten kommen mir auf keine Blockchain-gesicherte Cloud (oder mit was für Buzzwörtern dieser Schildbürgerstreich sonst gerade beworben wird). Allerhöchstens wird sowas passwortgeschützt lokal gespeichert. Die wichtigsten Diagnosen sollte eh jeder immer in Papierform im Geldbeutel dabeihaben (Diabetiker, Stents, etc). Für alles nicht lebenswichtige bin ich fit genug, das Passwort selbst einzugeben. Wo Daten sind, gibt es auch ein Missbrauchspotenzial, egal ob passwortgeschützt oder nicht. Nur ein einziger "Hack" (lies: irgendein Depp, der wieder Mal ein einfach zu knackendes Passwort verwendet hat) bringt u.U. die Daten von Millionen Patienten in Gefahr. Wäre nicht das erste Mal. Ne du. Auch wenn ich es als Arzt gerne sehen würde, dass Patienten ihre Krankheitsgeschichte besser kennen würden (viele wissen ja noch nicht Mal, welche Tabletten sie seit Jahrzehnten einnehmen), aber das öffnet Angreifern Tür und Tor. Lieber beim Hausarzt anrufen und die Befunde faxen lassen. Dauert zwar länger, aber die Daten liegen nicht auf einem zentralen, zum abschnorcheln einladenden Server.
Affenhauptmann 17.09.2018
4. Sicherheitsupdates
@Kleinke: Sicherheitsupdates gibt es auch bei Android deutlich länger als 2 Jahre.
moev 17.09.2018
5.
Zitat von MancombSonst noch was? So sensible Daten kommen mir auf keine Blockchain-gesicherte Cloud (oder mit was für Buzzwörtern dieser Schildbürgerstreich sonst gerade beworben wird). Allerhöchstens wird sowas passwortgeschützt lokal gespeichert. Die wichtigsten Diagnosen sollte eh jeder immer in Papierform im Geldbeutel dabeihaben (Diabetiker, Stents, etc). Für alles nicht lebenswichtige bin ich fit genug, das Passwort selbst einzugeben. Wo Daten sind, gibt es auch ein Missbrauchspotenzial, egal ob passwortgeschützt oder nicht. Nur ein einziger "Hack" (lies: irgendein Depp, der wieder Mal ein einfach zu knackendes Passwort verwendet hat) bringt u.U. die Daten von Millionen Patienten in Gefahr. Wäre nicht das erste Mal. Ne du. Auch wenn ich es als Arzt gerne sehen würde, dass Patienten ihre Krankheitsgeschichte besser kennen würden (viele wissen ja noch nicht Mal, welche Tabletten sie seit Jahrzehnten einnehmen), aber das öffnet Angreifern Tür und Tor. Lieber beim Hausarzt anrufen und die Befunde faxen lassen. Dauert zwar länger, aber die Daten liegen nicht auf einem zentralen, zum abschnorcheln einladenden Server.
Das Risiko ist es mir wert, eben aus genau diesem Grund. Ich musste vor einigen Monaten mal Samstags zur Zahnärztin, die grade Notdienst hatte. Konnte das halbe Formular nicht ausfüllen, weil ich nichts über meine eigenen Krankheiten und Allergien wusste (außer das ich ein paar habe). Schaffe es ja jedes mal kaum den Fragebogen bei der Blutspende auszufüllen.
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