Drohende Pandemie Was wurde eigentlich aus der Vogelgrippe?

Erst krankes Geflügel in Südostasien, dann steckten sich Menschen an und starben: Vor gut zehn Jahren war die Angst groß, das Vogelgrippevirus H5N1 könne eine Pandemie auslösen. Wie gefährlich ist der Erreger heute?

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Spaziergang in Shanghai, China (Archivbild von 2013): Die Vogelgrippe ist noch da
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Spaziergang in Shanghai, China (Archivbild von 2013): Die Vogelgrippe ist noch da


Die Recherche-Serie
Über viele Nachrichten und Menschen wird eine Zeit lang sehr ausführlich berichtet - dann verschwinden sie wieder aus den Schlagzeilen. Wie entwickeln sich die Themen weiter, was wurde aus den Personen? Das erklären wir in dieser Serie.
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Als das Vogelgrippevirus H5N1 plötzlich auftauchte, war die Sorge groß: Der Erreger verbreitete sich nicht nur unter Geflügel in Südostasien, immer wieder steckten sich auch Menschen an. Viele starben an den Folgen der Infektion.

Vor knapp zehn Jahren erreichte der Erreger auch Deutschland. Erst wurde er bei toten Wildvögeln nachgewiesen, dann bei Katzen und schließlich auch auf einem Geflügelhof.

Falls sich das Virus so verändert, dass es auch von Mensch zu Mensch springt, drohe eine verheerende Pandemie: So lautete damals die Befürchtung.

Dieses Schreckensszenario hat sich bis heute zum Glück nicht bewahrheitet. Und zumindest hierzulande ist es ruhig geworden um H5N1.

Verschwunden ist H5N1 keineswegs.

In Deutschland wurde der Erreger zuletzt 2009 bei einem Wildvogel entdeckt, in Europa gibt es noch Fälle. 2015 wurden die Viren in Bulgarien und Rumänien nachgewiesen, berichtet Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

In China, Indonesien, Vietnam, Bangladesch und Indien sind H5N1-Viren endemisch im Geflügel, das heißt, sie zirkulieren dort ständig. Aktuell sind sie zudem ein besonders großes Problem in Ägypten.

48 Todesfälle innerhalb weniger Monate

Zwischen November 2014 und Ende April 2015 starben in dem Land 48 Menschen an der Vogelgrippe, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet. 165 Krankheitsfälle wurden dokumentiert.

Seit Juni 2014 gab es laut einem aktuellen Report, an dem unter anderem die WHO und die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) mitgearbeitet haben, wieder vermehrt H5N1-Ausbrüche bei Geflügel in Ägypten. Allein von Dezember bis Februar wurden 333 Fälle bekannt - im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor waren es 44.

Die H5N1-Viren, über die wir heute sprechen, sind nicht mehr dieselben wie jene, die man erstmals 1996 beschrieben hat. Grippeviren verändern sich schnell. Glücklicherweise seien die Erreger aber nicht ansteckender für Menschen oder besser von Mensch zu Mensch übertragbar geworden, teilt die WHO auf Anfrage mit. Ungefährlicher sind sie jedoch auch nicht.

"Im vergangenen Jahr haben sich einige H5-Viren, die mit den in Asien zirkulierenden H5N1-Viren eng verwandt sind, in anderen Teilen der Welt ausgebreitet und sich dort mit lokalen Vogelgrippeviren vermischt, sodass neue Viren entstanden sind - etwa H5N2 sowie ein neues nordamerikanisches H5N1", heißt es seitens der WHO. Bei solchen Vermischungen können Viren entstehen, die das Potenzial haben, eine weltweite Grippewelle unter Menschen auszulösen. "Diese Vermischungen und ihre Folgen sind unvorhersehbar und besorgniserregend."

Risiko Geflügelmarkt

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die dabei helfen können, das Virus einzudämmen.

Einige der betroffenen Länder haben zeitweise Märkte, auf denen lebendes Geflügel gehandelt wird, eingeschränkt oder ganz ausgesetzt. Denn durch den Handel können die Erreger von einem Bestand zum nächsten gelangen.

Es ist möglich, Vögel gegen H5N1 zu impfen. Allerdings ist der Impfstoff nicht ideal, weil er nicht die Infektion an sich verhindert, sondern im Wesentlichen nur deren Stärke.

Mangelnde Hygiene und ein enges Zusammenleben von Mensch und Tier erhöhen das Risiko, dass der Erreger von infiziertem Geflügel auf Menschen übertragen wird. Bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen helfen also auch im Kampf gegen Vogelgrippeviren.

Die Erreger komplett wieder loszuwerden, ist jedoch extrem schwierig. "Enten zum Beispiel zeigen bei einer Infektion kaum noch Symptome, scheiden die Viren aber aus. Sie können dann auch Wildvögel infizieren, die den Erreger über weite Strecken tragen können. Ich bin skeptisch, ob man H5N1 vor diesem Hintergrund ausrotten kann", sagt Thomas Mettenleiter vom Loeffler-Institut.

Ist das Schreckensszenario eines sich verändernden H5N1, das besser von Mensch zu Mensch übertragbar ist, also nach wie vor aktuell? "Bei Influenza sollte man sich Prognosen sparen, da die Viren hoch variabel sind", sagt Mettenleiter.

Zur Autorin
  • Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

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stanislaus01 10.10.2015
1. Angstschüren ist Aufgabe der Medien
Jedes Jahr wird ein Virus durch die Blätter gejagt, wie früher die Sau durch´s Dorf. Einige leitende Bediensteten der WHO freuen sich über die Nebeneinnahmen von den Pharma-Herstellern. Angstmache ist das halbe Geschäft bei denen. Und bei den Medien. Man schaue sich einfach mal diesen Unsinn mit der Grippeschutzimpfung an, die immer nur dem Virus des vergangenen Jahres gelten können und so keine Wirksamkeit haben, da die Virenstämme sich ständig ändern. Ausser natürlich der Wirkung, dass sie die empfindlicheren Patienten nach der Impfung für 3 Tage ausser Gefecht setzen, also körperverletzend wirken. Wie k.o.-Tropfen. Die Patienten erkranken -wenn eine Infektion mit dem aktuellen Virus erfolgt- trotzdem. Während der alte Virus (gegen den geimpft wurde) schon längst nicht mehr virulent ist. Übrigens sterben in Deutschland jedes Jahr ca. 30.000 Menschen an Grippe. Die sich oft in Krankenhäuser oder Arztpraxen angesteckten*. Die 3-fache Zahl wie in Westafrika an der Virus-Sau der Presse namens Ebola. *Ich würde jedem geschwächten Patienten in der Grippezeit empfehlen, es sich zweimal zu überlegen, ob er einen Arztbesuch unternimmt.
grünmantel 10.10.2015
2. Risiko WHO
Die Vogelgrippe war ein auf dem Menschen schmarotzendes Gehirnvirus, das durch die WHO und Substrukturen (RKI) verbreitet wurde. Nachdem die primären Urheber mit den Impfstoffen genügend Kasse gemacht hatten, verschwand sie wieder.
joppop 10.10.2015
3. Phrma
Einige der WHO ""topleuten"" haben sehr viel aktien der pharmaindustrie inne!! Kein unsinn, in den Niederlande ist einer (der sogar die regierung berat) aufgeflogen. Nebenbei, es hat keine anklage oder etwas anderes nach sich gezogen.
nageleisen 10.10.2015
4. Der Leser hat es satt
Und was das schlimme an den gleichgeschalteten Medien ist, dass egal welche Zeitung man aufgeschlagen hat, steht überall das gleiche drin. Egal zu welchem Thema. Wie bei den Parteien auch Also Gefälligkeits- und Auftragsschreiberei, wo man hinsieht. Wie kann es sein, dass in der gesamten Medienlandschaft ÜBERHAUPT keine Recherche stattfand. Stattdessen wurde, wie heute üblich, immer und überall von den Politikern und Medizin-Funktionären das Gesülze 1:1 + Hysterieaufschlag und + Weltuntergangsszenario und + Lügenaufschlag abgedruckt. Liest einfachmal die Berichte: Focus spricht von Feldzug. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/vogelgrippe/chronik/2006/vogelgrippe_aid_26624.html Junge Menschen werden getötet. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/vogelgrippe/chronik/2006/vogelgrippe_aid_26624.html Katze auf Rügen infiziert. Also bescheuerter geht es nicht mehr. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/vogelgrippe-katze-auf-ruegen-mit-h5n1-infiziert-a-403640.html http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/vogelgrippe-erster-fall-in-niedersachsen-bestaetigt-a-404381.html http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tote-schwaene-auf-ruegen-vogelgrippe-erreicht-deutschland-a-400972.html www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/china-erster-vogelgrippe-toter-starb-schon-2003-a-430629.html Hat nur noch gefehlt, dass man die „Vogelgrippe“ Putin in die Schuhe schiebt. Es gibt noch unzählige andere Artikel. Allesamt von der Qualität der Daten und Fakten für die Mülltonne bestimmt. Vogelgrippe, derzeit größte gesundheitliche Gefahr. http://www.heise.de/tp/artikel/19/19522/1.html Und dann noch der Höhepunkt der Albernheit: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/maeuse-vogelgrippe-kann-parkinson-und-alzheimer-ausloesen-a-641599.html Die Journaliten wissen den Grund warum sie unter die dummen Artikel nicht ihren Namen setzen. Meist steht dort irgendeine Agentur. Ja werden die Artikel nicht von einem Menschen geschrieben. Wundert euch nicht, dass der Leser von solchen Schmarn die Schnauze voll hat. Am Schlimmsten finde ich die Scientologen der Medizin, wie Heike le Ker oder Nina Weber, die absolut keinen Willen oder Fähigkeit besitzen den Sachen auf den Grund zu gehen und Dreck oder auch Mist von Information zu unterscheiden. Alles was der Medizin Welt kommt wird als Wahrheit verpackt. Erst „berichtet man, von der angeblichen Ebola-Heilung, obwohl es dafür GAR KEINE Medikamente gibt. Und dann das. http://www.n-tv.de/panorama/Ebola-Patientin-ist-wieder-im-Krankenhaus-article16108731.html Die Medien ticken nicht mehr richtig. Ich glaube sie kommen von einem anderen Planeten. Auf jeden Fall haben sie den Bezug zur Realität verloren.
Rheintochter 10.10.2015
5. Diente doch eh nur den Grünen
Die sind doch Weltmeister im Krisenherbeireden egal ob Waldsterben, Schweinepest oder was auch immer. Hauptsache es bringt ein paar Wählerstimmen der Helikoptergeneration. Nur die wirklichen Bedrohungen, die sehen die Grünen nicht, da wird auch hingenommen, dass ihre "Schwestern" zugrunde gehen.
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