Volkskrankheiten: Deutschland startet Rekord-Gesundheitsstudie

Sie soll 200.000 Teilnehmer umfassen, mehr als 20 Jahre lang dauern und 210 Millionen Euro kosten: Forscher starten die bisher größte medizinische Langzeitstudie Deutschlands. Die Ergebnisse könnten große Schätze für eine bessere Gesundheitsvorsorge bergen.

Blutdruckmessung: Was begünstigt die Ausbreitung von Volkskrankheiten? Zur Großansicht
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Blutdruckmessung: Was begünstigt die Ausbreitung von Volkskrankheiten?

Berlin - Es ist ein ambitioniertes und aufwendiges Forschungsprojekt, auf das Mediziner große Hoffnungen setzen: Eine bisher einmalige Großstudie soll neue Erkenntnisse im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes, oder Demenz liefern - und helfen, die Vorbeugung sowie die Behandlung der Krankheiten zu verbessern. An der bisher größten medizinischen Langzeitstudie Deutschlands, so kündigte es Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Montag in Berlin an, sollen von 2014 an rund 200.000 Menschen im Alter zwischen 20 und 69 Jahren teilnehmen.

Mehr als 20 Jahre lang soll die Nationale Gesundheitsstudie laufen. Dabei werden Mediziner deutschlandweit unzählige Untersuchungen durchführen - sie alle sollen die Frage beantworten, welchen Einfluss Umweltbedingungen, Gene, Lebensstil und das soziale Umfeld auf die Entstehung von weit verbreiteten Krankheiten haben.

Das Forschungsprojekt biete "die große Chance, einen enormen Wissensschub im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Krebs zu erzielen", sagte Wanka. "Diese Chance auf eine bessere Prävention müssen wir nutzen."

Gut ein Viertel aller Todesfälle in Deutschland sind inzwischen auf Krebserkrankungen zurückzuführen. 2011 starben fast 221.600 Deutsche an Krebs. Noch mehr Menschen, rund 342.000, erlagen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei 4,6 Millionen Menschen wurde Diabetes diagnostiziert, 1,4 Millionen leiden an Demenz - mit steigender Tendenz.

Wodurch entstehen chronische Krankheiten? Durch welche Faktoren werden sie begünstigt? Erst vor Kurzem präsentierte das Robert Koch-Institut mit seiner Studie zu Erwachsenen in Deutschland (DEGS) einen riesigen Datenschatz, der diese Fragen beantworten soll. Es ist das bisher umfassendste derartige Werk und behandelt den Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten der 18- bis 79-Jährigen seit 1998. Für die DEGS hatten sich insgesamt 8152 Männer und Frauen zur Verfügung gestellt.

Unzählige medizinische Tests

Für die neue Megastudie, deren Kosten sich auf insgesamt 210 Millionen Euro belaufen sollen und die vom Bund, 14 Bundesländern und der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren finanziert wird, sollen die Teilnehmer in einem von bundesweit 18 Studienzentren medizinisch untersucht werden.

Die Ärzte analysieren dabei Parameter wie Blutdruck, Herzfrequenz und Blutzucker, Lungenfunktion, Zahngesundheit sowie geistige Fähigkeiten. Es gibt Augenuntersuchungen, Hörtests und Riechtests. Auch die Fitness und das Körpergewicht nehmen die Experten unter die Lupe. Geplant sind zudem Untersuchungen im Magnetresonanztomografen (MRT). Außerdem werden Blut-, Urin-, DNA- und Gewebeproben entnommen, um zum Beispiel Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung und Nahrung, Stoffwechselfaktoren wie Hormone oder genetische Varianten zu untersuchen.

Neben den medizinischen Tests müssen die Teilnehmer Fragen zu ihren Lebensumständen und Lebensgewohnheiten beantworten, angefangen bei Ernährung und körperlicher Aktivität bis hin zum Rauchen oder ihrem beruflichen Alltag. Nach etwa fünf Jahren werden alle Teilnehmer zu einer zweiten Untersuchung eingeladen und weiterhin beobachtet. Neben Bund, Ländern und Forschungszentren sind 13 deutsche Universitäten an dem Großprojekt beteiligt.

In Deutschland laufen derzeit bereits einige sogenannte Kohortenstudien mit bis zu rund 100.000 Studienteilnehmern insgesamt. Allerdings wurden die Studien laut Ministerium unabhängig voneinander geplant, weshalb eine Zusammenführung der gesammelten Daten nur teilweise möglich ist. Zudem sind die Teilnehmer im Schnitt meist schon über 50 Jahre alt. Die Nationale Gesundheitsstudie soll nun weitaus umfassendere und einheitlichere Daten liefern. Die Teilnehmer werden per Zufallsprinzip ausgewählt - ihre Teilnahme ist freiwillig.

cib/AFP

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insgesamt 13 Beiträge
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1. optional
dr.haus 01.07.2013
20 mio für 200tsd Probanden über 20 Jahre,das sind 5 Euro /Proband/Jahr . Kollegen ,meldet Euch, mit den 5 Euro /Jahr rettet Ihr Eure Praxis aus der Verlustzone--selten so gelacht- die deutsche Gesundheitspolitik --nach den 6 Euro für Prävention-- hält die Ärzte eben für geistig/wirtschaftlich minderbemittelt , deshalb bin ich im Ausland tätig.
2. Rechnen...
smartinus 01.07.2013
Zitat von dr.haus20 mio für 200tsd Probanden über 20 Jahre,das sind 5 Euro /Proband/Jahr . Kollegen ,meldet Euch, mit den 5 Euro /Jahr rettet Ihr Eure Praxis aus der Verlustzone--selten so gelacht- die deutsche Gesundheitspolitik --nach den 6 Euro für Prävention-- hält die Ärzte eben für geistig/wirtschaftlich minderbemittelt , deshalb bin ich im Ausland tätig.
Es sind 220 Millionen Euro und demnach gut 50 Euro pro Jahr und Proband, nicht 5 Euro! Außerdem soll diese Studie nicht als Erweiterung des Einkommens von niedergelassenen Ärzten dienen. Wie im Artikel beschrieben findet die Studie in 18 Studienzentren (meist an Unis oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen) deutschlandweit statt, nicht in Arztpraxen.
3. Gesundheit VOR
jemandjemand 01.07.2013
Ich finde es sinnvoll, wenn flächendeckend untersucht wird, wie man die Volksgesundheit verbessern kann. Hoffentlich haben danach auch die gefundenen Ergebnisse einen Einfluss auf die Versorgung und Gesetzgebung und nicht trotzdem wieder die Lobby.
4. Solche Studien sind besonders sinnvoll,
tjivi 01.07.2013
wenn wegen Geldmangels die medizinische Versorgung sowieso nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Oder dient sie den Krankenversicherungen als Grundlage, einen Maßstab für potentiell neue Tarife zu finden. Menschen mit hohen Krankheitsrisiken könen sich die Krankenversicherung dann wohl gar nicht mehr leisten. Besser wäre das Geld in die Sicherstellung der Versorgung z.B. mittels besserer Konditionen für Mediziner und damit zum Nutzen des Patienten eingesetzt.
5. Viel Koservierungsstoffe - viele Krebserkrankungen
fragel 01.07.2013
Das Geld kann man sich sparen. Es ist doch bekannt , das Konservierungsstoffe gesundheitsschädigent sind. Ebenso braucht man, womit wir unbemerkt immer mehr verseucht werden, nur mal unter Kerosin nachschauen , wie gefährlich das Zeug ist. Zahnpasta mit Fluor ist ebenfalls Gift(http://www.nirakara.de/Fluor.htm). Ich könnte da noch viele Sachen anführen , der wer wirklich wissen möchte , was schädlich für die Menschen ist, kann sich diese Sachen im Internet heraussuchen.
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