Gebärmutterhalskrebs: So gut schützt die Impfung wirklich

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HPV-Impfung: Vor dem ersten Geschlechtsverkehr bietet die Impfung den höchsten Schutz

Frauen sollten sich in jungen Jahren für eine HPV-Impfung entscheiden - für sie zahlt die Krankenkasse, und die Schutzwirkung gegen Gebärmutterhalskrebs ist um ein Vielfaches besser. Dennoch ist die Maßnahme noch immer umstritten.

Viren können Gebärmutterhalskrebs auslösen. Dank der Erkenntnis des deutschen Medizinnobelpreisträgers Harald zur Hausen können sich Mädchen und junge Frauen mit einer Impfung vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Kritiker aber warnen: Die Impfung gaukle Sicherheit nur vor.

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt sie trotzdem. Impfen lassen sollten sich demnach junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren. In Deutschland haben das laut Schätzungen des RKI bisher 30 bis 45 Prozent der Zielgruppe umgesetzt. Doch die Impfung, landläufig auch als Krebsimpfung bezeichnet (obwohl sie vor einer Vireninfektion schützt), ist nicht so allumfassend, wie ihre Bezeichnung vermuten lässt.

Krebsimpfung mit eingeschränktem Schutz

Sie verhindert zwar mit großer Sicherheit, dass junge Frauen sich beim Geschlechtsverkehr mit den zwei häufigsten krebsauslösenden Humanen Papillomaviren (HPV) anstecken. Und doch bereitet die Impfung das Immunsystem nicht auf alle Viren aus der HPV-Gruppe vor: Es gibt mehr als hundert Subtypen - mindestens 13 sind krebserregend. Kritiker halten es deshalb für falsch, überhaupt von einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs zu sprechen.

70 Prozent der Tumoren im Gebärmutterhals werden von HPV 16 und HPV 18 ausgelöst. Die Impfung schützt vor einer Infektion mit beiden Erregertypen. Befallen die Viren bestimmte Zellen des Gebärmutterhalses, rufen sie zunächst sogenannte Krebsvorstufen hervor. Gemeint sind damit Gewebeveränderungen, aus denen bösartige Wucherungen entstehen können. Etwa 15 Jahre dauert es, bis aus einer HPV-Infektion möglicherweise ein Tumor wächst.

Drastische Nebenwirkungen sind selten

Die Nebenwirkungen der Impfung sind moderat: Am häufigsten kommen Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle vor. In seltenen Fällen beobachteten Ärzte auch geschwollene Lymphdrüsen, allergische Reaktionen und Ohnmachtsanfälle. Todesfälle, die im Anschluss an einige HPV-Impfungen gemeldet wurden, hängen nach aktuellem Kenntnisstand nicht mit der Impfung zusammen.

Auch in einer aktuellen Studie im Fachmagazin "Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine", die unter anderem vom Pharmakonzern Merck mitfinanziert wurde, dokumentierten Wissenschaftler Hautinfektionen und Bewusstlosigkeit als unmittelbare Folgen der Impfung. Bewusstlosigkeit trat meist am Tag der Impfung auf, war jedoch mit 23 Fällen sehr selten. Insgesamt hatten die Mediziner die Notfallbesuche und Krankenhausaufenthalte von knapp 190.000 Frauen in den USA ausgewertet, die seit der Zulassung im August 2006 bis zum März 2008 geimpft wurden. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die HPV-Impfung sicher ist.

Rechtzeitig ist entscheidend

Allen Probanden der Studie wurde der Vierfachimpfstoff Gardasil verabreicht. Dieser schützt zum einen vor den Hochrisikoviren HPV 16 und 18. Zum anderen verhindert er, dass sich junge Frauen mit den weniger riskanten Virentypen HPV 6 und 11 anstecken, die etwa Genitalwarzen hervorrufen. Einige Wissenschaftler fordern, dass der Impfstoff auch für Jungen zugelassen wird. Neben Gardasil ist in Europa der Impfstoff Cervarix verfügbar, ein Zweifachwirkstoff, der vor HPV 16 und 18 schützt.

Außerdem testen Forscher gerade einen Impfstoff, der Gebärmutterhalskrebs bekämpfen soll, wenn er bereits ausgebrochen ist. Auch dieses Mittel wirkt gegen Wucherungen, die durch HPV 16 und 18 hervorgerufen werden. Ein klinischer Test mit 18 Frauen sei vielversprechend gewesen, berichten Forscher im Fachmagazin "Science Translational Medicine". Ob sich die therapeutische Impfung in größeren Studien bewährt, muss sich noch zeigen.

Die bislang zugelassenen klassischen HPV-Impfstoffe sind in Deutschland mit 480 Euro sehr teuer. Jungen Frauen bezahlt die Krankenkasse die Wirkstoffe. Wer in Betracht zieht, sich oder seine Kinder impfen zu lassen, sollte sich aber nicht nur aus Kostengründen rechtzeitig entscheiden: Die Impfung schützt nur sicher vor HPV 16 und 18, wenn sie vor dem ersten Sex gespritzt wird. Sobald das Immunsystem Kontakt mit HP-Viren hatte, nimmt die Wirksamkeit drastisch ab. Ob die Impfung aufgefrischt werden muss, weiß man noch nicht.

Gebärmutterhalskrebs kommt - auch dank guter Vorsorge - in Deutschland selten vor: Er macht etwa 2,2 Prozent aller Krebsneuerkrankungen bei Frauen aus. 65 Prozent der erkrankten überleben die nächsten fünf Jahre nach der Diagnose. Jedoch betrifft die Krankheit mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren vergleichsweise junge Frauen. Das Krebsdurchschnittsalter liegt insgesamt bei 69 Jahren.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) des RKI empfiehlt die HPV-Impfung jungen Frauen auch in ihren aktuellen Leitlinien. Sie sei sicher und wirkungsvoll bezogen auf die HP-Viren 16 und 18. Vergessen werden darf aber nicht: Einen hundertprozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bietet die Impfung nicht. Daher kann sie die Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt nicht ersetzen.

IMPFEN: DIE EMPFEHLUNGEN IM ÜBERBLICK
Impfen
Die Grundimmunisierung gegen Infektionskrankheiten beginnt bei Säuglingen bereits im zweiten Lebensmonat. Lebenslang sollten Eltern und Kinderarzt, später dann Patient und Hausarzt, darauf achten, dass der Impfschutz ausreicht. Impfungen schützen vor allem die Menschen, deren Immunsystem am wenigsten mit Infektionskrankheiten umgehen kann: Kleinkinder, Immungeschwächte und alte Menschen.
Mumps
Wer in Gesundheitsberufen, in Gemeinschaftseinrichtungen oder in Ausbildungseinrichtungen für junge Erwachsene arbeitet, nach 1970 geboren ist und nicht weiß, ob er gegen Mumps geimpft wurde oder nur einmal in der Kindheit geimpft worden ist, der sollte noch einmal geimpft werden. Außerdem jeder, der mit einem Mumpskranken Kontakt hatte und nicht oder nur einmal in der Kindheit geimpft wurde. Dann sollte es schnell gehen: Drei Tage nach dem Kontakt wäre eine Impfung wünschenswert.
Hirnhautentzündung
Zum Schutz vor einer sogenannten Meningitis wird gegen Meningokokken C-Bakterien geimpft. Dafür gibt es im zweiten Lebensjahr einmal eine Impfdosis. Fehlt diese, sollte sie bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Die Stiko empfiehlt außerdem, einen sogenannten viervalenten Impfstoff gegen bestimmte Meningokokken-Stämme (Typen A, C, W-135 und Y) bei Risikopatienten und Reisenden in Länder mit besonders hohem Infektionsrisiko anzuwenden. Der Impfstoff wird jetzt auch für Kinder ab einem Jahr empfohlen.
Windpocken
Auslöser der Windpocken sind Varizellen. Gegen sie gibt es zwischen dem elften und 14. Lebensmonat eine Impfung, entweder gemeinsam mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung oder frühestens vier Wochen danach.

Die Stiko empfiehlt, die gleichzeitige Impfung gegen Varizellen und Masern, Mumps und Röteln mit zwei verschiedenen Impfstoffen an verschiedenen Körperteilen vorzunehmen. Verwendet man einen Impfstoff, der alle vier Komponenten auf einmal enthält, steigt nämlich das Risiko für Fieberkrämpfe fünf bis zwölf Tage nach der Gabe leicht an.

Die Vorsichtsmaßnahme gilt aber nur für die erste Impfung, bei der zweiten im Alter von 15 bis 23 Monaten kann der Vierfachwirkstoff verwendet werden.

Sind Kinder oder Jugendliche nur einmal geimpft worden, sollten sie noch einmal geimpft werden.
FSME
Für die Menschen, die wegen beruflicher Risiken gegen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) geimpft werden sollten, ist 2012 ein neues Risikogebiet hinzugekommen, der Saar-Pfalz-Kreis im Saarland.
Nachholimpfungen
Erwachsene sollten nachgeimpft werden, wenn ihr Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung nicht ausreicht. Muss sowieso gegen Tetanus geimpft werden, etwa bei einer Verletzung, sollte gleich der Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten verwendet werden.

Wer nach 1970 geboren wurde und in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft worden ist oder nicht mehr weiß, ob er geimpft wurde, der sollte noch einmal geimpft werden - am besten gegen Masern, Mumps und Röteln gleichzeitig.
Impfkalender
Den Stiko-Impfkalender gibt es jetzt in 15 Sprachen, die Dokumente sind beim Robert Koch-Institut abrufbar.

Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) und Ständige Impfkommission beim RKI, Stand: 30. Juli 2012.

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insgesamt 109 Beiträge
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1. Wann...
alettoria 14.10.2012
hört dieser Impfwahn auf?!
2. Die NHS hier in England...
unwesen 14.10.2012
... bietet zwar vergleichesweise miserable Unterstuetzung bei Krankheitsfaellen im Vergleich zu dem Deutschen Gesundheitssystem. Allerdings kann sie eine Sache sehr, sehr gut: als landesweite, mit Steuergeldern finanzierte Institution ist sie fast schon inhuman gut darin, statistisch wirksame Entscheidungen zu treffen. Eins kann man sich daher sicher sein: wenn die NHS hier in England HPV-Impfungen einfuehrt (und das hat sie getan), dann sind die Impfungen garantiert nicht so teuer, wie die Krebsbehandlungen, die man damit einspart. Schuetzt die Impfung 100% vor Gebaermutterhalskrebs? Mit Sicherheit nicht. Spart man damit Gesundheitskosten ein? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Und nebenbei erspart man, wie der Artikel hervorstellt, bis zu 70 Prozent der Tumore am Gebaermutterhals. Ist doch beides eine Menge wert.
3. Schon komisch. Jedes Jahr werden wir von der Pharma-Industrie von Neuem erschreckt
IsaDellaBaviera 14.10.2012
Zitat von sysopFrauen sollten sich in jungen Jahren für eine HPV-Impfung entscheiden - für sie zahlt die Krankenkasse, und die Schutzwirkung gegen Gebärmutterhalskrebs ist um ein Vielfaches besser. Dennoch ist die Maßnahme noch immer umstritten. Vorsorge: Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bleibt umstritten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/vorsorge-impfung-gegen-gebaermutterhalskrebs-bleibt-umstritten-a-860367.html)
und wie ein dummes Schwein durchs Dorf direkt in die Impfpraxen von Ärzten oder in die Krankenhäuser getrieben: egal, ob per BSE, Hühnergrippe, Brust-, Prostata- oder Gebährmutterhalskrebs... Und deswegen gibts auch jedes verreckte Jahr eine neue MODEkrankheit...
4. Schwachsinn
spon-facebook-10000235779 14.10.2012
wurde schon mehrmals wissenschaftlich erwiesen, das die Impfung nichts bringt bzw. auch andere Impfungen, Ich bin gegen Impfungen, vorallem bei Säuglingen!
5. impfwahnsinn?
Kapuz 14.10.2012
@aletooria: Impfen ist die einzige mögliche Therapie, die es heute gibt, um komplett zu heilen, also gar nicht erst krank zu werden. Darüber sollte man mal nachdenken. Ich möchte nicht noch mal 1 Woche mit Masern im Bett liegen müssen und würde das meinen Kindern auch nciht zumuten.
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