Weltweite Analyse Wo die größten Menschen leben

Niederländische Männer sind weltweit die größten, US-Amerikaner wurden im vergangenen Jahrhundert von vielen überholt. Das zeigt eine weltweite Analyse. Wo stehen die Deutschen?

Nicht nur die Gene bestimmen, wie groß jemand wird
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Nicht nur die Gene bestimmen, wie groß jemand wird


Niederländische Männer und lettische Frauen überragt so schnell niemand. In den beiden Ländern leben im Durchschnitt die größten Menschen, hat eine aktuelle Analyse ergeben. Während die Niederländer im Schnitt 1,82 Meter groß werden, erreichen die Lettinnen eine Größe von 1,70 Meter.

Für die weltweite Untersuchung hatte ein Team von 800 Mitarbeitern die Daten verschiedener Quellen zusammengetragen, unter anderem von Wehrpflicht-Untersuchungen, epidemiologischen Studien und Bevölkerungsbefragungen. Aus den Zahlen rekonstruierten die Forscher anschließend die Größe von 18-Jährigen von 1914 bis 2014.

Die größten Gewinner leben demnach bei den Männern in Iran und bei den Frauen in Südkorea: Iraner werden heute im Schnitt 16,5 Zentimeter größer als ein Jahrhundert zuvor. Südkoreanerinnen haben sogar 20,2 Zentimeter dazugewonnen, schreiben die Forscher in der Studie im Fachmagazin "eLife".

Wo die größten Männer leben

Land Größe 1914 Größe 2014
1. Niederlande 1,694 Meter 1,825 Meter
2. Belgien 1,672 Meter 1,817 Meter
3. Estland 1,709 Meter 1,816 Meter
4. Lettland 1,694 Meter 1,814 Meter
5. Dänemark 1,700 Meter 1,814 Meter
6. Bosnien Herzegowina 1,684 Meter 1,809 Meter
7. Kroatien 1,681 Meter 1,808 Meter
8. Serbien 1,674 Meter 1,806 Meter
9. Island 1,705 Meter 1,805 Meter
10. Tschechien 1,680 Meter 1,801 Meter
11. Deutschland 1,672 Meter 1,799 Meter

An den USA vorbei

Die Bewohner der USA hingegen wurden in den vergangenen Jahrzehnten von vielen Nationen überholt. Noch vor 100 Jahren belegten US-Männer den dritten und US-Frauen den vierten Rang der weltweiten Statistik, schreiben die Forscher. Bis 2014 seien sie auf Rang 37 und 42 abgerutscht.

Ein Grund dafür ist ein Trend, den die Wissenschaftler in einigen wohlhabenden Ländern beobachteten: Während es zu Beginn des untersuchten Jahrhunderts noch Sprünge gab, stagnierte das Größenwachstum irgendwann auf einem hohen Niveau. In den USA passierte dies in der untersuchten Zeit zuerst, dann folgten unter anderem Großbritannien, Finnland und Japan.

Währenddessen sei das Wachstum in anderen Ländern weitergegangen, so die Forscher. Darunter fielen Spanien, Italien und viele Nationen in Lateinamerika und Ostasien. In einigen afrikanischen Ländern sowie dem Mittleren Osten verloren die Menschen innerhalb der vergangenen drei bis vier Jahrzehnte jedoch auch an Größe.

Was das Größenwachstum der Menschen in Deutschland betrifft, verbesserten sich die Männer von Platz 34 im Jahr 1914 auf Platz 11 im Jahr 2014. Die Frauen standen 1914 noch auf dem 23. Platz der Länderliste, 2014 war es dann der 14. Hierzulande werden Männer demnach heute im Schnitt 1,80 Meter groß, Frauen 1,66 Meter. Damit sind die Männer noch rund zwei Zentimeter und die Frauen rund vier Zentimeter kleiner als in den größten Nationen.

Wo die großen Frauen leben

Land Größe 1914 Größe 2014
1. Lettland 1,555 Meter 1,698 Meter
2. Niederlande 1,548 Meter 1,687 Meter
3. Estland 1,595 Meter 1,687 Meter
4. Tschechien 1,528 Meter 1,685 Meter
5. Serbien 1,520 Meter 1,677 Meter
6. Slowakei 1,556 Meter 1,675 Meter
7. Dänemark 1,556 Meter 1,675 Meter
8. Litauen 1,541 Meter 1,666 Meter
9. Weißrussland 1,541 Meter 1,666 Meter
10. Ukraine 1,540 Meter 1,663 Meter
14. Deutschland 1,560 Meter 1,659 Meter

Männer überragen Frauen um zwölf Zentimeter

Wie groß ein Mensch wird, hängt unter anderem von den Genen ab. Das erklärt zumindest zum Teil, warum australische Männer 2014 die einzige nichteuropäische Nationalität innerhalb der Top 25 waren. Daneben spielen beim Größenwachstum aber auch die Ernährung und andere Umweltfaktoren eine große Rolle.

So werden Kinder und Jugendliche, die wohlernährt sind und in einer wohlhabenden Umgebung aufwachsen, tendenziell größer. Hinzu kommen Hinweise darauf, dass während der Schwangerschaft die Gesundheit und Ernährung der Mutter einen Einfluss darauf hat, wie groß das Kind einmal wird.

Weltweit am kleinsten waren 2014 die Männer aus Osttimor, einem Inselstaat in Südostasien. Dort werden die Bewohner im Schnitt nur 1,60 Meter groß. Bei den Frauen bilden die Bewohnerinnen von Guatemala das Schlusslicht - im Schnitt mit 1,49 Metern.

Was die Größenunterschiede zwischen Männern und Frauen angeht, änderte sich innerhalb der vergangenen 100 Jahre kaum etwas. Während sich beide Geschlechter 1914 um elf Zentimeter unterschieden, war es 2014 mit 12 Zentimetern gerade mal einer mehr (eine detaillierte Übersicht mit allen Ländern weltweit finden Sie auf dieser externen Seite).

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irb/Reuters

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
gruebi01 27.07.2016
1. Kroatien
Im Sommerurlaub in Kroatien machte ich (1,91 m) eine seltene Erfahrung: In einer Schlange an der Kasse in einem Supermarkt war ich der kleinste Kunde - und in dieser Schlange standen auch zwei Frauen.
WitBro 27.07.2016
2. Nicht alle Erklärungen sind plausibel,
z. B. die, warum die US-Amerikaner überholt wurden. Hier ist wohl die Verschiebung der Bevölkerungsstruktur fürs "Schrumpfen" verantwortlich. Bildeten 1914 die weißen Amerikaner die Mehrheit, sind jetzt viele Latinos hinzugekommen, die im Schnitt kleiner sind (s. die kleinsten Frauen kommen aus Guatemala). Und was die Niederlande betrifft: Wir leben ca. 20 km Luftlinie von der NL-Grenze entfernt, sind sehr oft dort und beobachten, dass junge Frauen heutzutage viel kleiner sind, als die Jahrgänge früher. Liegt es vielleicht daran, dass wegen der guten Lebensumstände die Pubertät früher eintritt und das Wachstum aufhört? Das könnte ein Faktor sein, der die Tendenz zu immer größer werdenden Bevölkerungen in wohlhabenderen Ländern stoppen und sogar umkehren könnte.
fatherted98 27.07.2016
3. Große Menschen...
...große Probleme....ich bin froh unter 180 zu sein...finde immer was zum anziehen, Bett paßt, im Flieger hab ich gerade noch so Platz...alles im grünen Bereich....andere die 190 und Größer sind, leiden regelmäßig unter schlechten Bedingungen.
fridericus1 27.07.2016
4. Für die Niederländer ...
... gibt es aufgrund der geografischen Lage (große Teile des Landes unter dem Meeresspiegel) zwei evolutionäre Optionen: Kiemen oder Längenwachstum.
Luxinsilvae 27.07.2016
5. Unwissenschaftlich, ...
... weil auf political correctness getrimmt. Der relative Rückgang der US-amerikanischen Durchschnittsgröße resultiert vor allem aus der starken Zuwanderung von Hispanics in den letzten 100 Jahren. That´s it.
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