Experten-Interview: Was Sie über Zahnbleaching wissen sollten

Hans-Werner Bertelsen ist Zahnarzt in Bremen und Referent bei der Internationalen Fortbildungsgesellschaft für Zahnärzte. Hier beantwortet er die wichtigsten Fragen zum Thema Zahnbleaching.

Welche Zahnbleaching-Methoden gibt es?

Neben den unwirksamen und überflüssigen Werbetricks aus der Apotheke oder dem Drogerieregal gibt es die wirksamen Methoden. Hierbei können wir die "Zuhause-Methode" von der Methode im Zahnarztstuhl unterscheiden. Bei Strips wird ebenso mit Carbamid-Peroxid gearbeitet, aber mit einer geringeren Konzentration. Die hohe Wirkstoffkonzentration der Zahnarztstuhl-Methode erlaubt keinen unkontrollierten Einsatz, weil die Schleimhäute und besonders die Augen Schaden nehmen können, wenn das Mittel nicht exakt platziert wird oder in Kinderhände gerät.

Gibt es Qualitätsunterschiede?

Und ob. Das Bleichmittel muss frisch sein. Wenn das Mittel eine zu lange Lagerung hinter sich hat oder ungekühlt gelagert wurde, kann es an Wirksamkeit verlieren oder auch völlig unwirksam werden.

Zähne aufhellen beim Zahnarzt ist sehr viel teurer als Bleaching-Strips oder -Gele für die Heimanwendung. Warum?

Weil die Betriebskosten einer Praxis, also Heizung, Miete, Personal, dazu kommen. Die liegen grob geschätzt zwischen 100 Euro für eine kleine Praxis und 300 Euro pro Stunde für eine große Praxis. Die freiverkäuflichen Strips und Pasten sind aber für den gewünschten Zweck extrem teuer, weil viele Produkte wirkungslos sind.

Worauf muss man beim Bleaching achten?

Zwei Dinge: Ratsamkeit und Wirksamkeit. Als Patient müssen Sie sich vorher erkundigen, ob ein Bleichen überhaupt ratsam ist, oder ob eine einfache professionelle Zahnreinigung hier nicht schon den gewünschten Aufhelleffekt bewirkt. Sie müssen sich ebenso vorher erkundigen, ob ein Bleichen überhaupt wirksam ist, weil vorhandene Keramikkonstruktionen durch den Bleichvorgang nicht beeinflusst werden. Beides klärt die Untersuchung beim Zahnarzt.

Wer darf ein Bleaching machen?

Jeder, der die unterschiedlichen Zahnsubstanzarten voneinander unterscheiden kann und die Verantwortung trägt, wenn etwas schief geht. Selbsternannte Beauty- Fachleute, die keinen zahnmedizinischen Background besitzen, dürfen kein Bleaching machen, weil im Schadensfall niemand belangt werden kann.

Wie oft darf man Zahnbleaching machen?

Das hängt sowohl von medizinischen und nicht-medizinischen Faktoren ab: 1. Ausgangsfarbe, Reaktionslage, Intensitätsgrad der Nebenwirkungen 2. Zeit, die zur Verfügung steht, mein Geldbeutel, meine Leidensfähigkeit

Wird der Zahnschmelz dabei angegriffen?

Keine Aktion ohne Reaktion. So auch hier. Der Zahnschmelz wird nicht widerstandsfähiger, sondern das Gegenteil ist der Fall. Durch die chemische Prozedur wird der Zahnschmelz leicht anfälliger gegenüber Säuren. Dieser Effekt kann aber in der Regel durch eine nachfolgende lokale Fluoridierung gepuffert werden.

Ist Leuten mit empfindlichen Zähnen vom Bleaching abzuraten?

Im Prinzip schon. Der Grund: eine erhöhte Sensibilität wird häufig von freiliegenden Zahnhälsen verursacht. Diese kann durch ein Bleaching verstärkt werden. Das ist individuell und sollte daher von einem Fachmann vorher untersucht worden sein.

Tut Bleaching weh?

Nach dem Bleachen kann es zu einer Überempfindlichkeit der Zahnhälse kommen. Diese Überempfindlichkeit vergeht in der Regel nach ein oder zwei Tagen wieder. Sollten die Beschwerden anhalten, ist dies kein Grund zur Panik. Überempfindlichkeiten der Zahnhälse können gut desensibilisiert werden.

Sind allergische Reaktionen bekannt?

Nein. Aber die Substanz sollte auch nicht in großen Mengen verschluckt werden, weil ansonsten Verletzungen der Schleimhäute und Verschiebungen des Speiseröhren- und des Magenmillieus nicht ausgeschlossen werden können.

Was macht die Zähne dunkel? Was sollte man meiden?

Zunächst die Verdunkelung von innen:

1. Biologische Faktoren: Abbauprodukte aus dem Hämoglobin, dem Blutfarbstoff, werden in der Zahnsubstanz eingelagert. Mit zunehmendem Alter werden die Zähne dunkler

2. Medikamentöse, chemische Faktoren: Nachgewiesen ist, dass viele Antibiotika auf chemischen Wege für ein sogenanntes dental-dimming, also für eine Verdunkelung der Zähne sorgen. Weil die meisten Zusatzstoffe aus der industriellen Nahrung bezüglich ihres Eingriffs in den menschlichen Stoffwechsel nicht untersucht sind, müssen wir davon ausgehen, dass es noch viel mehr Stoffe gibt, die für ein dental-dimming verantwortlich sind. Daher sehen Sie in der Zahnpastareklame entweder Angehörige von Naturvölkern oder computerkolorierte Fotokompositionen, die mit der Realität so viel zu tun haben, wie der strahlend blaue Himmel auf der Bayern-Postkarte.

Die Schuldigen, die für eine Verdunkelung von außen sorgen:

1. Ernährungsrelevante Pflanzenfarbstoffe: Schwarzer Tee ist der Klassiker. Daneben können viele andere Gemüsesorten für harmlose Verfärbungen sorgen. Diese sind allesamt durch eine professionelle Zahnreinigung gut zu entfernen

2. Suchtrelevante Stoffe wie Tabak. Asphaltierte Zähne sind oftmals nur mit härtesten professionellen Mitteln von der schwarzen Teer-Pest zu befreien. Das ist enorm zeitaufwendig und dementsprechend teuer. Aber Raucher sind ja allesamt enorm finanzstark und auch tolerant.

Das Interview führte Jens Lubbadeh

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