Übersetzung medizinischer Befunde Was der Arzt wirklich sagen will

"Diskreter DS über der Patella": Ärztliche Befunde bestehen fast ausschließlich aus Fachbegriffen, mit denen Patienten wenig anfangen können. Inzwischen gibt es ehrenamtliche Übersetzer.

Arzt-Patienten-Gespräch
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Arzt-Patienten-Gespräch


Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten verbessern. Zwischen 9 und 15 Milliarden Euro gingen schätzungsweise jährlich verloren, weil die Kommunikation zwischen beiden Seiten nicht ausreichend funktioniere, so Gröhe.

Das Gesundheitsministerium fördert deshalb einen Internetdienst, der die ärztliche Fachsprache für Patienten verständlicher machen will.

Auf der Plattform washabich.de können sich Patienten mit ihrem ärztlichen Befund melden und erhalten kostenlos eine Übersetzung der Aufzeichnungen in eine verständliche Sprache. Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Übersetzung des Befundes können allerdings ein paar Tage, manchmal auch einige Wochen verstreichen.

Anja Kersten, die zum Gründungsteam von washabich.de gehört, sagte SPIEGEL ONLINE, sie wurde von einer Freundin gebeten, einen Befund zu übersetzen - und fragte sich dann: "Was machen eigentlich Menschen, die keinen Mediziner im Freundeskreis haben?" So entstand die Idee für das Dolmetscher-Angebot.

Inzwischen seien 28.000 Befunde übersetzt worden, sagt Geschäftsführer Ansgar Jonietz.

"Jetzt weiß ich endlich, was ich meinen Arzt fragen kann."

"Jetzt passe ich mehr auf, was ich esse."

"Jetzt nehme ich meine Tabletten regelmäßig."

Das seien Reaktionen von Patienten, die eine Übersetzung in einer patientenfreundlichen Sprache bekommen hätten, berichtet Jonietz. Auch die Ärzte reagierten grundsätzlich positiv, sagt er.

Die Arbeit bei washabich.de leisten Medizinstudenten ab dem achten Fachsemester, praktizierende Ärzte sowie Ärzte, die schon im Ruhestand sind. Sie alle arbeiten auf ehrenamtlicher Basis.

Seit Kurzem bietet die Plattform auch an, Entlassbriefe aus dem Krankenhaus zu übersetzen und gibt Kommunikationskurse für Medizinstudenten. Zudem denken die Macher darüber nach, Übersetzungshilfen in anderen Sprachen anzubieten, etwa in Türkisch.

Bereits gestartet ist ein gemeinsames Projekt mit der Bertelsmann Stiftung: Den Befunddolmetscher können Patienten durchforsten, die sich schnell informieren wollen.

Dort ist auch zu erfahren, was "diskreter DS über der Patella" bedeutet, die Aussage findet sich in einem beispielhaften Befund zur Untersuchung eines gesunden Knies. DS steht für Druckschmerz. Wenn man auf die Kniescheibe (Patella) drückt, tut's also ein wenig weh.

wbr/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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JanGosch 18.08.2016
1. Kann doch nicht wahr sein
Braucht es hier wirklich ehrenamtliche Übersetzer? Wieso kann der Arzt gegenüber dem Patienten nicht einfach verständlich ausdrücken? Weil er es nicht will? Frei nach dem Motto: Ich habe schließlich studiert und das zeige ich auch und normale verständliche Sprache ist unter meinem Niveau. Unfassbar, na ja die streiten sich ja auch über kurze Ärmel weil sie dann ja nicht mehr zweifelsfrei als Ärzte zu identifizerien wären.
masirosen 18.08.2016
2. Fragen trauen!
Es reicht auch ein einfaches "Was heißt das?" beim Arzt direkt. Ich habe den Eindruck, viele Leute würden sich schämen, genauer nachzufragen. Man könnte ja für dumm gehalten werden...
dr.u. 18.08.2016
3. Jeder Patient
Jeder Patient hat das Recht, sein Untersuchungsergebnis / seine Diagnose verständlich mitgeteilt zu bekommen.
apestuipe 18.08.2016
4. Sommerloch?
Dem Patienten muss der Arzt ja wohl kaum erklären, dass er Aua Knie hat. Arztbefunde, Krankenhausbriefe usw.werden hingegen nicht für Patienten geschrieben und erfordern daher korrekte medizinische Termini. Wenn man es nicht schafft, seinen Arzt um Erklärung zu bitten und zu viel Geld hat, ist es einem ja unbenommen, einen Übersetzer zu engagieren. Ich stelle mich gerne zur Verfügung;-)
1965 18.08.2016
5. Herr Gröhe
kann dann ja auch gleich dafür sorgen, dass z._B. Behördenschreiben und Briefe im Rechtswesen dieses Landes für den Laien verständlich formuliert werden.
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