Weißer Hautkrebs: Gefahr durch häufigsten Tumor unterschätzt

Von Katrin Neubauer

Wenn die Haut sich rötet, schuppt oder juckt, sollte man zum Arzt gehen: Weißer Hautkrebs ist weniger bekannt als die schwarze Variante. Rechtzeitig erkannt, muss die häufigste Tumorart nicht tödlich enden.

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Heller Hautkrebs: Vor allem dort, wo die Sonnenstrahlung hinkommt

Guido Müller* war immer auf dem Wasser zu Hause. Den Hautarzt suchte der 62-Jährige Segler erst auf, als das Jucken auf seiner Kopfhaut nicht aufhörte und sich immer wieder Schorf bildete. Der Arzt stellte ein Basalzellkarzinom fest, den am häufigsten vorkommenden Hauttumor. Auch an anderen Körperstellen hatten sich bereits verschiedene bösartige Herde entwickelt.

"Ein früherer Gang zum Dermatologen hätte ihm mehrere schmerzhafte Operationen erspart", sagt Holger Petering, Hautarzt in Hildesheim. Das setzt allerdings voraus, Veränderungen der eigenen Haut auch wahrzunehmen und zwar nicht erst, wenn sie juckt. "Jede verdächtige Stelle, die nach sechs bis acht Wochen nicht zurückgegangen ist, sollte dem Hautarzt vorgestellt werden", rät Petering. Die meisten Hauttumoren machen im Anfangsstadium nicht durch Juckreiz auf sich aufmerksam, sondern beginnen eher unauffällig.

Am wichtigsten ist es, Veränderungen an der Haut selbst wahrzunehmen. "Das beginnt schon mit der Risikoeinschätzung: Wie oft bin ich der Sonne ausgesetzt? Welchen Hauttyp habe ich?", so der Dermatologe. Ein- bis zweimal pro Jahr sollte der gesamte Körper nach Knötchen, wiederkehrenden Verhornungen und veränderten Muttermalen oder Leberflecken untersucht werden. Auch Areale, die kaum der Sonne ausgesetzt sind, wie Nägel, die Haut zwischen Fingern und Zehen sowie der Genitalbereich gehören dazu.

Hautkrebsscreening alle zwei Jahre

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) rät, neben der Selbstinspektion alle zwei Jahre zum Hautkrebsscreening zu gehen. Dadurch könne Krebs wesentlich früher entdeckt und die Sterblichkeit gesenkt werden. Die Kosten für die ärztliche Untersuchung übernehmen ab dem 35. Lebensjahr die gesetzlichen Krankenkassen. Bisher mache erst gut jeder Dritte von diesem Angebot Gebrauch.

Hautkrebs ist die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Rund 140.000 Neuerkrankungen errechnete die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Gekid) für 2010. Davon entfallen knapp 20.000 auf das maligne Melanom, den schwarzen Hautkrebs, und etwa 120.000 auf das Basalzell- und Plattenepithelkarzinom, die Tumorarten des hellen Hautkrebses. Im Vergleich: Bei Brustkrebs, der zweithäufigsten Krebsart, liegt die Zahl der Neuerkrankungen bei jährlich rund 70.000.

Die tatsächliche Zahl der vom hellen Hautkrebs Betroffenen schätzen Experten aber wesentlich höher, denn im Gegensatz zum Melanom erfassen längst nicht alle Kliniken und erst recht nicht alle niedergelassenen Dermatologen diese Krebsart. "Wir gehen auf der Grundlage von Hochrechnungen in Schleswig-Holstein davon aus, dass rund 234.000 Neuerkrankungen pro Jahr realistisch sind", sagt Ron Pritzkuleit von der Gekid. Das norddeutsche Bundesland habe das 2008 bundesweit eingeführte Hautkrebsscreening zur Früherkennung flächendeckend umgesetzt und die Zahlen für hellen Hautkrebs am besten dokumentiert.

Hellen Hautkrebs nicht unterschätzen

Obwohl das maligne Melanom die weitaus gefährlichere Hautkrebsart ist, warnen Ärzte davor, den hellen Hautkrebs zu unterschätzen. Das Plattenepithelkarzinom etwa kann über die Lymphbahnen auch Metastasen setzen. 2010 starben nach Gekid-Angaben rund 600 Menschen an den Folgen des hellen Krebses. Im Vergleich zum schwarzen Krebs mit 2600 Toten erscheint dies zunächst wenig. "Wird heller Krebs aber früh genug erkannt, muss er überhaupt nicht tödlich enden", so Petering. Denn im Gegensatz zum Melanom streut weißer Krebs nur in etwa 1,5 bis 2,5 Prozent der Fälle.

Gefährlich ist allerdings die Gewebezerstörung. "Ein Basalzellenkarzinom wächst langsam, aber kontinuierlich. Wird es nicht behandelt, frisst es sich bis in die Schädeldecke hinein" erklärt der Dermatologe. Bei Befall von Nase oder Ohr bewahren oft nur noch Gewebe- oder Knorpeltransplantationen den Patienten vor Entstellungen.

Hautärzte empfehlen deshalb, auch scheinbar harmlose aktinische Keratosen behandeln zu lassen. Schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen leben mit diesen Verhornungsstörungen. In 10 bis 30 Prozent der Fälle entstehen aus ihnen Krebstumoren. Diese treten besonders an Hautarealen auf, die dem Sonnenlicht übermäßig ausgesetzt sind, wie Kopf, Ohren, Nase, Jochbein, Unterlippe oder Handrücken.

Auch bei Guido Müller bildeten 15 bis 20 Jahre alte Keratosen den Nährboden für hellen Krebs. "Wir haben mittlerweile drei Plattenepithelkarzinome und neun Basaliome entfernt", sagt Petering. Die Behandlung großflächiger Keratosen am Oberkörper steht noch aus.

Lesen Sie hier mehr über Hautkrebs: Schutz vor Sonnenbrand mit viel Creme +++ Streit um die Hautkrebs-Früherkennung +++ Hautkrebs durch Solarien

*) Name von der Redaktion geändert

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Gefährliches Schönheitsideal
lscpilot 03.06.2013
Wer 50 Jahre gebräunt sein will wie ein Fischer darf sich nicht wundern, wenn er mit 50 aussieht wie ein Fischer! Leider betrifft es in aller Regel nicht nur das Aussehen, sondern auch die Hauttumoren, die durch solche Modetorheiten erst gebildet werden. Vornehme Blässe als Schönheitsziel ist sehr viel gesünder!
2. Abstruser Unsinn...
doc 123 03.06.2013
Zitat von lscpilotWer 50 Jahre gebräunt sein will wie ein Fischer darf sich nicht wundern, wenn er mit 50 aussieht wie ein Fischer! Leider betrifft es in aller Regel nicht nur das Aussehen, sondern auch die Hauttumoren, die durch solche Modetorheiten erst gebildet werden. Vornehme Blässe als Schönheitsziel ist sehr viel gesünder!
Die Masse des hellen Hautkrebses, insbesondere die aktinischen Keratosen, die Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms treten bei den Bevölkerungsgruppen auf, die überwiegend im Freien arbeiten bzw. über Jahrzehnte gearbeitet haben, insbesondere Menschen in der Landwirtschaft, Zimmerleute, Gärtner etc... Das Auftreten von hellem oder schwarzem Hautkrebs, zumindest in der Masse, z.B. mit dem Besuch von Solarien, verbinden zu wollen, ist allenfalls absurd und grotesk. Eine "gesunde" Bräune schützt jedenfalls vor Hautkrebs und vielen weiteren Krebsarten.
3. optional
Medienkenner 03.06.2013
Die Kassen bezahlen ja die "Untersuchung"=Sichtkontrolle der Haut durch den Dermatologen. Warum aber der Patient extra drauf bezahlen soll, wenn der Arzt zur Sichtkontrolle durch das Dermatoskop schaut, bleibt unverständlich. Ohne Dermatoskop (kleines Handlupe) ist diese Kontrolle jedoch nur "50prozentig" - wer finanzschwach ist, ist leider gezwungen mit dem Arzt zu verhandeln, oder er spart sich vonvornherein den Besuch bei demselbigen.
4. Nichts als Hokus-pokus und Verdummung...
doc 123 03.06.2013
Zitat von MedienkennerDie Kassen bezahlen ja die "Untersuchung"=Sichtkontrolle der Haut durch den Dermatologen. Warum aber der Patient extra drauf bezahlen soll, wenn der Arzt zur Sichtkontrolle durch das Dermatoskop schaut, bleibt unverständlich. Ohne Dermatoskop (kleines Handlupe) ist diese Kontrolle jedoch nur "50prozentig" - wer finanzschwach ist, ist leider gezwungen mit dem Arzt zu verhandeln, oder er spart sich vonvornherein den Besuch bei demselbigen.
Die Masse der Hautärzte erkennt auch mit dem Dermatoskop kein Melanom, würde ich einmal behaupten, sonst würden nicht derartige Zahlen, wie bei der Studie in Schleswig-Holstein belegt, zusammenkommen, dass von 50 Operationen gerade einmal ein EINZGES Hautexcisat bei der histologischen Aufarbeitung einen krankhaften Befund aufwies. Die Masse der Menschen, die in die Praxen gehen sind eh jung und gesund und auf ihren Bonusstempel aus und leiden ganz sicherlich weder an einem hellen noch an einem schwarzen Hautkrebs. Ältere Menschen so ab 70 und bei denen ist die Masse des hellen Hautkrebses, mit insbesondere den aktinischen Keratosen, der Präkanzerose des Plattenepithelkarzinoms, gehen eh nicht zur HKV. Und so kommen dann Zahlen zustande, dass bei 800 Menschen, die die HKV wahrnehmen, ein EINZIGER ein Melanom hat, die Wahrscheinlichkeit ist als eher ziemlich gering. Das abstruse Hautkrebsscreening und die daraus folgenden in der Regel vollständig unnötigen Operationen dienen ausschließlich zur Arbeitsbeschaffung von niedergelassenen Dermatologen und den entsprechenden Hautkliniken. Ohne diese vollständig unnötigen Unsinn könnten ca. 4 von 5 Hautarztpraxen geschlossen werden, da diese eh nur gesunde Menschen sehen, und die Gelder für tatsächlich kranken Patienten verwendet werden. Ach ja, man könnte den Menschen einfach erklären, dass es vollständig sicher ausreicht, wenn sich ein "neuer" Fleck innerhalb kurzer Zeit entsprechend verändert, die Praxis auszusuchen, sowohl beim schwarzen als auch beim insbesondere beim hellen Hautkrebs reicht diese Zeitspanne allenmal um eine "sichere" Heilung zu gewährleisten. Ein "relativ" schnelles Wachstum ist das aller-einzigste Krterium, wie man ein Malignes Melanom von einem unauffälligen Leberfleck unterscheiden kann und für diese Erkenntnis brauchts ganz sicherlich keinen Hautarztes!
5. Oh Gott, doc123 ....
spon-facebook-10000344807 03.06.2013
... hoffentlich steckt kein Mediziner hinter diesem Beitrag, der den vermeintlichen Unsinn anprangert und selber gefährlichen Unsinn verbreitet. Wenn man nach einer seltenen aber gefährlichen Erkrankung sucht (Früherkennung) darf man sich nicht wundern, wenn man nur wenige positive Fälle hat. Das ist der Erfolg der Maßnahme und nicht ihr Nachteil! Und dann gibt es da die dysplastischen Pigmentmale - wachsende, potentiell gefährliche Flecken. Diese werden operiert, obwohl sie formal noch kein Krebs sind. Das "verfälscht" die Statistik. Und der Rat, man solle selber auf jeden neuen Fleck achten, denn die sichere Heilung sei gewährleistet wenn man es nur rechtzeitig erkennt? Das hat die Praxis doch längst widerlegt. Viele Grüße von einem (sorgfältigen) Hautarzt.
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Zur Autorin
  • Katrin Neubauer
    Katrin Neubauer hat in Deutschland und den USA Lateinamerikanistik und Journalismus studiert. Sie arbeitet als freie Redakteurin in Berlin.

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