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Verantwortung der Kassenärzte: Was ein Arzthelfer nicht tun darf

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Corbis

Übernahme von Aufgaben: Verantwortung bleibt beim Arzt

Was ein niedergelassener Arzt an seine Mitarbeiter abgeben darf, darüber gibt es jetzt eine eindeutige Vereinbarung. Bestimmte Aufgaben sind den Medizinern heilig: Nur sie selbst können Diagnosen stellen und über Behandlungen entscheiden.

Berlin - Blut nimmt die Sprechstundenhilfe ab, das Rezept bekommt der Patient ebenfalls von ihr, den Arzt sieht er nur wenige Minuten. Der Alltag eines niedergelassenen Arztes ist streng durchgetaktet, es ist nahezu undenkbar, dass der Mediziner selbst alle Aufgaben erledigt, die bei einem Patientenbesuch anfallen.

Doch immer wieder sorgt die Frage für Streit, welche Aufgaben Ärzte ihren Mitarbeitern überlassen dürfen. Um solche Diskussionen zu beenden, versuchen Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) jetzt zu klären, was zulässig ist und was nicht. Dazu haben sie eine Vereinbarung über die Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal bei Kassenärzten geschlossen.

"Die Verantwortung für Qualität und Angemessenheit einer delegierten Leistung darf nicht abgegeben werden, sondern muss in den Händen der niedergelassenen Ärzte liegen", erklärte der KBV-Vorsitzende Andreas Köhler. Die Vereinbarung tritt am 1. Oktober in Kraft, in ihr wird beispielhaft geregelt, was nichtärztliches Personal tun darf und welche Anforderungen dafür notwendig sind. Dabei gibt die Regelung nur allgemeine Grundsätze vor und schließt einige wenige Dinge aus, sie soll "der Orientierung der Handelnden" dienen.

"Aus dem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken"

Damit ein Mitarbeiter Aufgaben übernehmen darf, muss er mindestens über den Abschluss als Medizinische Fachangestellte oder eine vergleichbare medizinische oder heilberufliche Ausbildung verfügen.

Die Verantwortung dafür, wer die Tätigkeiten erledigt, trägt der Arzt. Er muss die Mitarbeiter nicht nur auswählen, sondern auch anleiten und überwachen. Je nachdem, welche Qualifikation seine Angestellten haben, darf er unterschiedlich schwierige Aufgaben an sie delegieren. Ausgenommen sind allerdings sogenannte höchstpersönliche Leistungen. Dazu gehören zum Beispiel das Gespräch über die medizinische Vorgeschichte des Patienten, die Anamnese, oder die Diagnose und Entscheidungen über die Behandlung.

"Besonders vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist die Vereinbarung das richtige Signal. Die Delegation ärztlicher Leistungen ist aus dem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass Medizinische Fachangestellte für uns Ärzte enorm wichtig sind. Sie kennen die Sorgen und Nöte der Patienten und nehmen uns eine Menge Arbeit ab", sagte KBV-Vorstandsmitglied Regina Feldmann.

Den Ärzten ist in der seit Jahren mit zunehmender Schärfe geführten Diskussion vor allem wichtig, dass sie weiterhin die Arbeit an ihre Angestellten delegieren. Sie wollen verhindern, dass Nichtärzte auch ohne Delegation das Recht haben, die Aufgaben von sich aus zu erledigen, was als Substitution bezeichnet wird. Ärztevertreter warnen vor Qualitätsschwierigkeiten und Unwirtschaftlichkeit im Falle der Substitution.

Mit dem im Januar 2012 eingeführten Versorgungsstrukturgesetz hatten KBV und GKV-Spitzenverband den Auftrag bekommen, die jetzt erarbeitete Vereinbarung (hier) zur Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal zu schließen.

Die gemeinsam von der KBV und der Bundesärztekammer (Bäk) erarbeitete Vereinbarung orientiert sich inhaltlich an der Stellungnahme der Bäk zu den Möglichkeiten und Grenzen der Delegation (hier).

Zuletzt hatte die Frage, was Ärzte von Nichtärzten erledigen lassen dürfen, im Zusammenhang mit dem Medizinstudium für Aufsehen gesorgt. Ein Münsteraner Medizinstudent war wegen fahrlässiger Tötung eines Babys verurteilt worden, weil er eine falsche Spritze gesetzt hatte. In der Diskussion über den Fall ging es unter anderem darum, ob eindeutig geregelt ist, welche Aufgaben Nichtärzte übernehmen dürfen.

dba

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Arzt-Termine am Telefon vergeben Laien!
bismodo 23.09.2013
Kaum ein Termin kommt in Deutschland über den Arzt zustande. Fast immer befinden Nichtfachleute, die "Sprechstundenhilfen" (was für eine Berufsbezeichnung!) darüber, ob sie einen Termin für dringlich halten oder nicht. Die Frage, ob die betreffende Person überhaupt fachlich geeignet ist, über so etwas zu entscheiden, prallt an den Angestellten - und fast an allen Ärzten folgenlos ab. Mir hat eine verschleppte Magenspiegelung, für die ich trotz meines Einspruchs erst 4 Monate später einen Termin bekam, die Folge eingebracht, dass eine schwere Krankheit zu spät behandelt wurde und in der Wartezeit verheerend für mich geworden war! (Seither suche ich mir ALLE Ärzte genau aus: ich konfrontiere sie mit meinen Erfahrungen und meide diejenigen, die darauf nicht angemessen eingehen) In Frankreich, zum Beispiel, vergibt der Arzt selbst seine Termine.
2. oh weh
medi15 23.09.2013
Zitat von bismodoKaum ein Termin kommt in Deutschland über den Arzt zustande. Fast immer befinden Nichtfachleute, die "Sprechstundenhilfen" (was für eine Berufsbezeichnung!) darüber, ob sie einen Termin für dringlich halten oder nicht. Die Frage, ob die betreffende Person überhaupt fachlich geeignet ist, über so etwas zu entscheiden, prallt an den Angestellten - und fast an allen Ärzten folgenlos ab. Mir hat eine verschleppte Magenspiegelung, für die ich trotz meines Einspruchs erst 4 Monate später einen Termin bekam, die Folge eingebracht, dass eine schwere Krankheit zu spät behandelt wurde und in der Wartezeit verheerend für mich geworden war! (Seither suche ich mir ALLE Ärzte genau aus: ich konfrontiere sie mit meinen Erfahrungen und meide diejenigen, die darauf nicht angemessen eingehen) In Frankreich, zum Beispiel, vergibt der Arzt selbst seine Termine.
Ein Arzt stellt eine Arzthelferin ein..... die sind zumindest fachlich alle qualifiziert durch die Ausbildung, ob sie alle wirklich gute Arzthelferinnen sind, ist eine andere Sache Sie möchten , so wie ich das lese, auch noch die Terminvergabe durch die Ärzte haben? Dann stellen Sie sich auf noch häufigere Unterbrechungen des Arzt- Patientengesprächs ein, als es sowieso schon der Fall ist. Ob dann ein Arzt- Patienten Gespräch noch so abläuft, wie Sie es für sich erwarten :"ich konfrontiere sie mit meinen Erfahrungen und meide diejenigen, die darauf nicht angemessen eingehen" stelle ich dann mal einfach in den Raum, ich bezweifle es bei x telefonischen Unterbrechungen
3.
abcxyz987 23.09.2013
Die Berufsbezeichnung lautet "Medizinische Fachangestellte", eine Sprechstundenhilfe ist das, was so ignorante Menschen, wie Sie, von ihr halten! Und es ist wohl eher der Ärztemangel (7 Jahre Wartezeit auf einen Studienplatz sind nicht selten) wegen dem Sie 4 Monate auf einen Termin warten, als die Entscheidung der Arzthelferin. Auch ein Terminkalender hat seine Kapazität, irgendwann sind die Grenzen erreicht! Und subjektiv hat jeder Kranke das Bedürfnis unmittelbar behandelt zu werden, da er sich für kranker als ein anderer hält.
4. In vielen Arztpraxen
leser-fan 23.09.2013
führen Arzthelferinnen Impfungen durch, Blutentnahmen, Spritzen ...und wenn noch nicht als MTA Ausgebildete EKG schreiben lassen u. falsch anlegen, wurde so manche Gefahr übersehen.
5. Wär ja noch schöner
auweia 23.09.2013
Zitat von bismodoKaum ein Termin kommt in Deutschland über den Arzt zustande. Fast immer befinden Nichtfachleute, die "Sprechstundenhilfen" (was für eine Berufsbezeichnung!) darüber, ob sie einen Termin für dringlich halten oder nicht. Die Frage, ob die betreffende Person überhaupt fachlich geeignet ist, über so etwas zu entscheiden, prallt an den Angestellten - und fast an allen Ärzten folgenlos ab. Mir hat eine verschleppte Magenspiegelung, für die ich trotz meines Einspruchs erst 4 Monate später einen Termin bekam, die Folge eingebracht, dass eine schwere Krankheit zu spät behandelt wurde und in der Wartezeit verheerend für mich geworden war! (Seither suche ich mir ALLE Ärzte genau aus: ich konfrontiere sie mit meinen Erfahrungen und meide diejenigen, die darauf nicht angemessen eingehen) In Frankreich, zum Beispiel, vergibt der Arzt selbst seine Termine.
"... konfrontiere sie mit meinen Erfahrungen..." Solche hypertrophen Patienten liebt jeder Arzt. Wenn Sie wenigstens Privatpatient wären - das lässt über einige menschliche Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Was mich zu Ihrem französischen Beispiel bringt - gut möglich, da es dort viel mehr Einmann/fraupraxen gibt. Allerdings bekommen Sie in F eine Rechnung (signifikant über deutschem Niveau) und dürfen alles erstmal selber zahlen.
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