Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam Experte warnt vor "Krise historischen Ausmaßes"

Die Zahl von HIV-Neuinfektionen nimmt in einigen Ländern dramatisch zu, die finanzielle Unterstützung geht zurück: Experten und Aktivisten fürchten Rückschläge im Kampf gegen Aids.

Aids-Schleife (Archiv)
DPA

Aids-Schleife (Archiv)


Vor der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam haben Experten vor einer dramatischen weltweiten Ausweitung der Immunschwächekrankheit gewarnt. Eine alarmierende Zunahme der Zahl von Neuinfektionen gekoppelt mit dem Wachstum junger Bevölkerungsschichten in besonders betroffenen Ländern könnten zu einer "Krise historischen Ausmaßes" führen, sagte der US-Aids-Experte Mark Dybul.

Er forderte mehr Geld für die Bekämpfung der Krankheit. Die Welt sei gegenwärtig "vermutlich so gefährdet wie nie zuvor, die Kontrolle über die Epidemie" zu verlieren, sagte der Diplomat. Das liege an der demografischen Entwicklung und dem Umstand, dass Staaten dem Kampf gegen HIV und Aids heute nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenkten wie früher - oder dies in bestimmten Fällen niemals getan hätten.

Auch andere Experten und Aktivisten warnten vor einer dramatischen Unterfinanzierung der weltweiten Anstrengungen zur Eindämmung der HIV-Epidemie. Spenden und staatliche finanziellen Hilfen gingen zurück. Nach Angaben des Direktors des Anti-Aids-Programms der Uno (UNAIDS), Michel Sidibe, fehlen bereits sieben Milliarden Euro Hilfsgeld. "Wenn wir jetzt nicht zahlen, werden wir später mehr und mehr ausgeben müssen."

Konferenz mit 18.000 Teilnehmern

Es gebe besorgniserregende Rückschläge bei der Bekämpfung, warnte auch die Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft, Linda Gail-Bekker. Die Vereinten Nationen hatten sich kürzlich alarmiert gezeigt. In etlichen Ländern vor allem in Osteuropa und Asien nehme die Zahl der Neuinfektionen stark zu. Die Uno hatte sich das Ende der Epidemie bis zum Jahr 2030 als Ziel gesetzt. 2017 hatten sich 1,8 Millionen Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert.

Den Fachleuten zufolge trägt auch eine wachsende Konzentration auf lebensrettende sogenannte antiretrovirale Medikamente zur Behandlung von Aids-Kranken dazu bei, dass die Basiskampagnen zur Eindämmung der Krankheit zunehmend unterfinanziert seien. Die Mittel etwa für Kondomverteilungsaktionen seien stark zurückgegangen, hieß es. Der Zugang zu Medikamenten ohne gleichzeitige Präventionsmaßnahmen werde Aids nicht besiegen.

Insgesamt sind mehr als 36 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, die meisten leben in Afrika. Jedes Jahr sterben knapp eine Million Menschen an Aids.

In Amsterdam beraten von Montag an etwa 18.000 Wissenschaftler, Aktivisten und Politiker über Wege zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit. Das weltweit größte Experten-Treffen zu HIV und Aids steht unter dem Motto "Barrieren durchbrechen - Brücken bauen" und dauert bis zum Freitag. Zu den prominenten Rednern auf der Konferenz gehören der britische Prinz Harry, Poplegende Sir Elton John und der frühere US-Präsident Bill Clinton.

Video: HIV positiv - Mein Leben mit dem Virus

dbate.de

wit/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.