Welt-Aids-Tag Die wichtigsten Daten zu HIV in Deutschland

Etwa einer von 1000 Menschen in Deutschland lebt mit HIV. Allerdings wissen längst nicht alle von ihrem Schicksal. Die wichtigsten Daten und Grafiken anlässlich des Welt-Aids-Tages.

Studenten halten in China Aids-Schleifen in der Hand
REUTERS

Studenten halten in China Aids-Schleifen in der Hand


"Sie haben HIV." Dieser Satz ist schon lange kein Todesurteil mehr. Heilen können Ärzte die Infektion zwar nach wie vor nicht. Mit modernen Medikamenten lassen sich die Viren im Körper jedoch so weit zurückdrängen, dass sie bei einem HIV-Test nicht mehr nachweisbar sind.

Wird HIV rechtzeitig behandelt, ist trotz der Infektion ein langes Leben möglich. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der weltweiten Zahl der Infizierten wider. Laut Unaids lebten 2016 etwa 36,7 Millionen Menschen auf der Erde mit einer HIV-Infektion. 1990 gab es 8,9 Millionen Betroffene.

Ein Problem im Hinblick auf HIV ist nach wie vor, dass zu wenige Menschen von ihrer Infektion wissen. Je später Ärzte etwas gegen das Virus unternehmen, desto höher ist das Risiko, dass die Immunschwächekrankheit Aids ausbricht. Hinzu kommt die erhöhte Gefahr, andere Menschen anzustecken. Selbst in Deutschland trugen im Jahr 2016 schätzungsweise rund 14,5 Prozent der Infizierten das Virus in ihrem Körper, ohne dass es diagnostiziert war.

Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern, wie die folgenden Grafiken zeigen (die zweite Grafik öffnet sich nach Klicken auf den Button "Prozent Nicht-Diagnostizierte").



Im Vergleich der Bundesländer stechen bei der Anzahl der Infizierten alle Stadtstaaten (Hamburg, Berlin und Bremen) heraus. Berlin hat eine Initiative gestartet, um das Problem anzugehen: Ziel der Stadt ist, bis 2020 mindestens 90 Prozent der HIV-Infizierten eine Therapie zu ermöglichen. Außerdem soll die Zahl der Neuinfektionen gesenkt werden.

Ebenfalls auffällig ist die Rolle Brandenburgs, das zweimal Extreme unter den Bundesländern darstellt. Mit nur 0,2 Infizierten auf 1000 Bewohner ist es das Bundesland mit den wenigsten Betroffenen. Gleichzeitig wissen dort jedoch auch mehr als 70 Prozent der Infizierten nichts von ihrer Krankheit. Über einen möglichen Grund berichtet aktuell die "Märkische Allgemeine Zeitung": Im ganzen Bundesland gibt es nur eine HIV-Schwerpunktpraxis.

Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland im Laufe der Jahrzehnte:

Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland im Laufe der Jahrzehnte
SPIEGEL ONLINE

Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland im Laufe der Jahrzehnte

Was die Grafiken noch nicht zeigen: Ein Großteil der HIV-Infizierten in Deutschland - mehr als 80 Prozent - sind Männer, viele davon haben Sex mit anderen Männern. Auf diese Gruppe ging laut RKI auch im vergangenen Jahr ein Großteil der Neuinfektionen zurück:

  • 2100 Menschen infizierten sich beim Sex zwischen Männern.
  • 750 Menschen bei heterosexuellen Kontakten.
  • 240 Menschen im Zusammenhang mit Drogengebrauch.
  • Weniger als zehn Ansteckungen ereigneten sich durch eine Übertragung von der Mutter aufs Kind.

Vor allem das Risiko einer Übertragung von Mutter auf Kind kann heutzutage mithilfe von Medikamenten auf ein Minimum reduziert werden - wenn die Infektion bekannt ist. Allen Schwangeren sollte aus diesem Grund ein HIV-Test angeboten werden. Doch auch außerhalb einer Schwangerschaft hat jeder die Möglichkeit, sich kostenlos und anonym testen zu lassen. Das ist unter anderem in den Gesundheitsämtern möglich.

irb/ply

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.