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Weltgesundheitsorganisation: Forscherin fordert härteren Kampf gegen Alkoholsucht

2,5 Millionen Tote im Jahr - das ist die Bilanz des Alkoholmissbrauchs weltweit. Eine Forscherin mahnt die Weltgesundheitsorganisation, mehr gegen die Sucht zu unternehmen. Beim Tabakkonsum hat die WHO tatsächlich eine klarere Haltung.

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DPA

Gefährliche Sucht: Bundesregierung will Alkoholsucht durch mehr Aufklärung bekämpfen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte nach Ansicht einer Wissenschaftlerin den Kampf gegen Alkoholmissbrauch entschiedener führen. Etwa 2,5 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen des Suchtmittels, schreibt Devi Sridhar von der University of Oxford in einem vom Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichten Kommentar. Damit führe der Alkoholmissbrauch zu mehr Todesfällen als HIV/Aids, Tuberkulose oder Malaria. Sridhar sieht die WHO in der Pflicht, ein rechtlich verbindliches Abkommen zu erlassen, ähnlich dem für die Kontrolle des Tabakkonsums.

WHO-Daten zufolge gehen 3,8 Prozent aller Todesfälle weltweit auf das Konto des Alkohols, heißt es in dem Kommentar. Dazu zählen unter anderem Todesfälle in Folge einer durch Alkoholkonsum verursachten Krankheit - etwa Leberzirrhose oder Krebs - und Todesopfer nach von Betrunkenen verursachten Autounfällen.

Alkoholmissbrauch sei der drittgrößte Risikofaktor für den Verlust von Lebensjahren durch Krankheit und Behinderung. In Ländern mit mittlerem Einkommen - die fast die Hälfte der Weltbevölkerung stellten - sei Alkohol sogar das größte Risiko.

"Die WHO ist das einzige Organ für globale Gesundheit, das rechtlich verbindliche Konventionen erlassen kann", schreibt Sridhar vom Department of Public Health des Wolfson Colleges in Oxford. Ein solches Abkommen könne Nationen dazu bringen, rechtliche Grundlagen gegen Alkoholmissbrauch zu schaffen und Gelder für den Kampf gegen Alkohol bereitzustellen. Darüber hinaus könnten Regierungen zur Verantwortung gezogen werden. Doch die WHO habe in 60 Jahren nur zwei große Abkommen erstellt. Eines widme sich Krankheitsausbrüchen, das andere dem Tabakkonsum. "Dies ist eine große verpasste Gelegenheit", schreibt Sridhar.

Bundesregierung will mehr Aufklärung und Suchtberatung

In Deutschland sind 1,3 Millionen Menschen von Alkohol abhängig, wie der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung vergangenes Jahr ergab. Insgesamt trinken 9,5 Millionen Menschen gefährlich viel. Mindestens 73.000 sterben jedes Jahr an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Jugendliche sind durch das berüchtigte Komasaufen gefährdet. Jeder fünfte 12- bis 17-Jährige trinkt sich laut Bericht mindestens einmal pro Monat in einen Rausch, bei den 18- bis 25-Jährigen war es sogar jeder zweite.

Die Bundesregierung setzt mit einer neuen Strategie auf Aufklärung und Beratung. Einem Kurs mit Werbeverboten, höheren Steuern auf Alkohol oder härteren Strafen für Schnapsverkauf an Jugendliche erteilte die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) dagegen eine Absage.

Neue Modellprojekte gebe es etwa für alkoholabhängige Senioren, für trinkende Schwangere, für Aufklärung in Betrieben und für Migranten mit Suchtproblemen. Insgesamt seien die Bundesmittel für Prävention und solche Projekte in den vergangenen Jahren leicht auf derzeit insgesamt 12,25 Millionen Euro gesunken. Dyckmans rief Kommunen und Länder auf, Modellprojekte später auch mit eigenen Mitteln umzusetzen.

wbr/dpa

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