Fleischproduzent: Mitarbeiter an offener Tuberkulose erkrankt

Im westfälischen Schöppingen ist ein Mitarbeiter eines Fleischproduzenten an offener Tuberkulose erkrankt. Bereits im Januar war die Krankheit bei einem Kollegen des Mannes festgestellt worden. Damals beschwichtigten die Behörden - jetzt wollen sie sich nicht äußern.

Hamburg - Sie gilt als eine der gefährlichsten Infektionserkrankungen der Welt: Jährlich tötet die Tuberkulose (Tbc) mehr als 1,4 Millionen Menschen weltweit. Wie jetzt bekannt wurde, ist im Münsterland ein Mitarbeiter eines fleischverarbeitenden Betriebes an Tbc erkrankt.

Wie die "Westfälischen Nachrichten" berichten, ist der Mann bereits der zweite Angestellte der Firma Westfleisch, der innerhalb weniger Wochen an einer sogenannten offenen Tbc leidet. Derzeit werde der Mann in einem Krankenhaus behandelt. Im Februar war demnach erstmals ein Tbc-Fall in dem Betrieb aufgetreten, ein Arbeitskollege hatte sich ebenfalls infiziert. Daraufhin wurden alle Mitarbeiter der Firma untersucht. Hinweise auf einen zweiten Krankheitsfall hatte es damals demnach nicht gegeben.

Wie die "Westfälischen Nachrichten" berichteten, sah das zuständige Kreis-Gesundheitsamt Borken seinerzeit keinen Grund zur Besorgnis, da es sich um einen Einzelfall gehandelt habe.

Gegenüber der Zeitung wollte sich der Pressesprecher des Landkreises Coesfeld zu dem zweiten Fall nicht in Einzelheiten äußern, heißt es in der Zeitung. Demnach ist bisher unbekannt, ob der zweite Mitarbeiter kurz vor seiner Erkrankung bei Westfleisch gearbeitet hat und ob er sich bei seinem Kollegen angesteckt haben könnte.

Für eine Stellungnahme gegenüber SPIEGEL ONLINE war der Landkreis am Mittwochabend nicht mehr zu erreichen. Ein Unternehmenssprecher des betroffenen Fleischproduzenten teilte den "Westfälischen Nachrichten" mit, dass voraussichtlich im April erneut alle Westfleisch-Mitarbeiter am betroffenen Standort erneut auf einen Infektionshinweis untersucht werden sollten.

Behörden warnen vor Ausbreitung in Deutschland

Kaum eine Infektionskrankheit bereitet deutschen Epidemiologen so viele Sorgen wie die Tuberkulose. Die früher als Schwindsucht bekannte Krankheit ist jungen Deutschen kaum noch ein Begriff - jahrzehntelang war sie allenfalls aus Romanen oder Erzählungen aus der Kriegszeit bekannt.

Doch seit einigen Jahren sinkt die Zahl der Tbc-Fälle insgesamt nicht mehr so deutlich wie in früheren Jahren, bei Kindern sind 2011 die Tbc-Infektionen sogar gestiegen. Gerade informiert das Robert Koch-Institut in einer Kampagne über die wachsende Tbc-Gefahr.

Auslöser der Krankheit sind Bakterien, die über die Atemwege in die Lunge geraten. Betroffene leiden zunächst an unspezifischen Symptomen wie Husten, Nachtschweiß oder einer leicht erhöhten Temperatur. Mitunter bemerken Infizierte jedoch keine Symptome. Dann war das Immunsystem in der Lage, den Erreger in Schach zu halten und erfolgreich zu bekämpfen - eine Ansteckungsgefahr für andere droht nicht. Ärzte sprechen dann von einer latenten tuberkulösen Infektion. Behandelt wird die Tbc mit Hilfe von Antibiotika.

Gefährlicher ist die sogenannte "offene" Tuberkulose: Von ihr spricht man, wenn die Bakterien beispielsweise als Auswurf abgehustet oder über Urin vom Körper ausgeschieden werden. Das geschieht, weil das Immunsystem nicht in der Lage war, die Entzündungsherde abzukapseln - die Ansteckungsgefahr steigt dadurch.

dba/cib

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Neue Armut
zufriedener_single 27.03.2013
Das wird noch unterhaltsam werden in Europa, wenn die Wirtschaft total kollabiert. Das Gesundheitssystem ist dann total überlastet und multiresistente Erreger werden sich ausbreiten. Vielleicht ist die Party hier noch schneller zuende als wir uns jetzt vorstellen können/wollen...
2. Wie neu...
fgranna 27.03.2013
2005 berichteten diverse Medien schon über Westfleisch. Damals wurden Billiglöhner aus Polen und Rumänien über Subunternehmer eingestellt. Dabei kam raus das diese gefälschte Gesundheitszeugnisse hatten. Tbc ist grad in Ländern des ehemaligen Ostblocks verbreiteter als man denkt. Ich würde mir wünschen das der Spiegel das ganze mal wieder aufkocht!
3.
balubaer 28.03.2013
Zitat von zufriedener_singleDas wird noch unterhaltsam werden in Europa, wenn die Wirtschaft total kollabiert. Das Gesundheitssystem ist dann total überlastet und multiresistente Erreger werden sich ausbreiten. Vielleicht ist die Party hier noch schneller zuende als wir uns jetzt vorstellen können/wollen...
Das ist wohl etwas übertrieben oder? Im Augenblick haben wir etwa 4500ungrad Neuerkrankungen mit Tuberkulose in Deutschland. Selbst wenn die Wirtschaft zusammenbricht macht das trotzdem nicht das Verständnis von Menschen zunichte. Man wird sich auch trotzdem weiter waschen und generall gegen Bakterien vorgehen. Und selbst wenn wir ins Mittelalter zurückfallen sollten, Europa hat mehr als eine Pest überstanden.
4. @1:
Muidem 28.03.2013
Bitte nennen Sie doch Ihre Quellen für derartige Behauptungen. Vorallem das Menschen aus diese Gebiete anders behandelt würden als andere. Andernfalls knicken Sie sich solche Sprüche! Obwohl Sie damit sicherlich zur Mehrheit der latent dummen Bevölkerung gehören würden. Sie verstehen?
5. Fleischimport aus Rumänien
steuerzahler24 28.03.2013
Dann müssen wir halt mehr Fleisch aus Rumänien importieren, dort wurde noch kein Tuberkulosefall bekannt. Keine Bange: Es gelten dort all die strengen EU-Regeln!
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