Schmerzen in Rücken und Knie Mythos Wetterfühligkeit

Wenn das Wetter umschlägt, klagen viele über Schmerzen. Australische Forscher präsentieren nun zwei Studien, die das Phänomen Wetterfühligkeit bei Problemen am Rücken und im Knie widerlegen.

Wetterfühligkeit: Dauerregen drückt auf die Stimmung - aber auch aufs Kreuz?
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Wetterfühligkeit: Dauerregen drückt auf die Stimmung - aber auch aufs Kreuz?

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Das wussten schon die Großeltern, ja sogar die alten Römer: Wetterumschwünge schlagen auf die Gesundheit. Nun stellen australische Forscher das jedoch infrage. Sie legen zwei Studien vor, in denen sie zum Schluss kommen: Weder Rückenschmerzen noch Beschwerden durch einen Gelenkverschleiß im Knie verschlimmern sich abhängig vom Wetter.

Für die Studien werteten australische Forscher Daten von knapp tausend Menschen mit Rückenschmerzen sowie rund 350 mit einer Kniearthrose aus. Die Teilnehmer gaben an, wann sich ihre Schmerzen verschlimmerten - beim Rückenschmerz griffen die Forscher auf Daten einer Studie zurück, in der die Wirksamkeit von Paracetamol überprüft wurde. Die Probanden wussten also nicht, dass es um mögliche Wetterfühligkeit ging.

Die Wissenschaftler überprüften anschließend, ob Zusammenhänge zwischen Temperatur, Windstärke, Windrichtung, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck sowie den Schmerzattacken erkennbar waren. Die Wind- und Regendaten stammten vom australischen Wetterdienst.

Laut den Auswertungen beeinflusst keines der Wetterparameter das Schmerzempfinden auf bedeutsame Weise, berichten die Forscher in den Fachblättern "Pain Medicine" sowie "Osteoarthritis and Cartilage".

Ein emotionales Thema

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Wissenschaftler mit der Wetterfühligkeit auseinandersetzen, bereits 2014 präsentierten sie ähnliche Daten. Diese hatten vor allem in den sozialen Medien heftige Reaktionen hervorgerufen.

"Wir waren nicht überrascht, dass Menschen das Ergebnis infrage stellten, aber über die Vehemenz mancher Antworten. Man hätte glauben können, wir hätten ihnen gesagt, ihr Baby sei hässlich", sagt Chris Maher vom The George Institute for Global Health in Sydney.

Die Forscher geben in ihrer aktuellen Studie einen Facebook-Post an, um diese Kritik zu belegen. "9 News Australia" hatte 2014 über die Arbeit berichtet, häufigste Reaktion in den Kommentaren: "What a load of crap" - "Was für 'ne Scheiße!"

"Die Menschen beharrten darauf, dass schlechtes Wetter ihre Symptome verschlimmert", sagt Maher. Also haben sie weitere Studien durchgeführt. "Die Ergebnisse sind fast identisch."

Manuela Ferreira, die die Studie zu den Knieschmerzen leitete, betont: Menschen, die an den untersuchten Beschwerden litten, sollten sich nicht auf das Wetter konzentrieren, da es keinen entscheidenden Einfluss auf ihre Schmerzen habe - und sie es ohnehin nicht ändern könnten.

Erinnern an das, was ins Weltbild passt

Maher und Kollegen nennen zwei mögliche Erklärungen dafür, warum viele Menschen davon überzeugt sind, dass das Wetter zum Beispiel ihren Rückenschmerz beeinflusst. Erstens neigten Menschen dazu, Muster zu suchen und zu erkennen - auch wenn es gar keine gibt. Zweitens komme hinzu, dass Menschen sich gut an Ereignisse erinnern, die ihr Weltbild stützen, aber die, die ihm nicht entsprechen, eher verdrängen.

Wer also überzeugt davon ist, dass die Gelenke bei kaltem, regnerischem Wetter stärker schmerzen, wird an einem Tag mit größerer Pein und dem anscheinend passenden Wetter aufmerken und sich bestätigt fühlen. Aber die These nicht anzweifeln, wenn an einem schönen Sommertag der Schmerz aufflammt.

Und hören, dass man möglicherweise falsch liegt: Das gefällt den wenigsten.

Über andere mögliche Formen der Wetterfühligkeit - schmerzende Narben, Migräne oder Schwindel - sagen die Studien nichts aus. In Deutschland gab bei einer Umfrage des Wetterdienstes DWD die Hälfte der Befragten an wetterfühlig zu sein. Die am häufigsten genannten Beschwerden waren Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen und Schlafstörungen.



insgesamt 46 Beiträge
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widower+2 12.01.2017
1. Nichts als Hypochonder
Sehr viele sind Hypochonder, aber niemand will einer sein. Die fallen in die gleiche Kategorie wie Leute, die bei Vollmond angeblich nicht schlafen können.
elkemeis 12.01.2017
2. Psyche
Ich stelle nur eine Frage in den Raum: Wie häufig und wie stark wechselt denn in Australien das Wetter? Bei uns in Deutschland, wo wir häufig alle 2 bis 3 Tage heftige Wetterwechsel haben, kann das Ergebnis durchaus anders aussehen. Außerdem kann dieses Achterbahnwetter die Psyche stark beeinträchtigen. Nicht bei allen, aber bei manchen Menschen.
stern1961 12.01.2017
3. Ich glaube auch nicht an Wettereinfluss:
Statt Verantwortung dem Wetter und ähnlichen Phänomenen zu geben, sollte man lieber Eigenverantwortung über nehmen. Es ist doch bekannt dass bei solchen Schmerzen oft die Ursache die falsche Ernährung ist. Deswegen, ehrlich sein und sich fragen: wieviel Zucker (auch Milchzucker) und Weissmehl ist in mein Körper, ohne Selbstkontrolle, gelandet. Ein Beispiel: eine Kollegin klagt über dem Schulterschmerz. Ich rate ihr eine Vitamin B kompleks Tablette und C Vitamin, höher dosiert. Am nächsten Tag sind Schmerzen fast verschwunden. Normalerweise, sagte sie, kommt die Erkältung danach. Dieses mal nicht. Und, sie hat sich verraten: vor dem Schmerz hat sie sieben Joghuretten aufgegessen. Liebe Grüsse, bleiben sie gesund!
cindy2009 12.01.2017
4. @elkemeis
Es spielt keine Rolle, wie oft und wie stark sich das Wetter in Australien ändert. Denn auch in Australien gibt es ja das "Phänomen ".
Celegorm 12.01.2017
5.
Zitat von elkemeisIch stelle nur eine Frage in den Raum: Wie häufig und wie stark wechselt denn in Australien das Wetter? Bei uns in Deutschland, wo wir häufig alle 2 bis 3 Tage heftige Wetterwechsel haben, kann das Ergebnis durchaus anders aussehen. Außerdem kann dieses Achterbahnwetter die Psyche stark beeinträchtigen. Nicht bei allen, aber bei manchen Menschen.
Ziemlich obskure Frage. Australien ist ein ganzer Kontinent mit grösserer klimatischen Spannbreite als Europa. Und was "Wetterwechsel" überhaupt sein sollen, ist auch nicht ganz klar. Aber mal einfach gesagt: Gerade Victoria und Tasmanien sind berüchtigt für Wetterumschwünge, aufgrund welchen man des öfteren quasi vier Jahreszeiten in einem Tag erleben kann. So oder so übersehen Sie den springenden Punkt: Gäbe es keine Fluktuationen im Wetter, könnten sich ja auch niemand davon verursachte Beschwerden einbilden. Da dies dort aber so verbreitet zu sein scheint, wie anderswo, und offenbar überaus gehässig verteidigt wird, muss es ja entsprechende "Ursachen" im Wetter geben. Insofern ist die Studie allemal legitim und lässt sich natürlich auch auf Deutschland übertragen..
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