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HIV-Prävention: Diskriminierung erschwert Kampf gegen Aids

Frau im Rotlichtbezirk von Jakarta, Indonesien: Gerade Menschen mit hohem Infektionsrisiko muss man erreichen, um HIV zu bekämpfen Zur Großansicht
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Frau im Rotlichtbezirk von Jakarta, Indonesien: Gerade Menschen mit hohem Infektionsrisiko muss man erreichen, um HIV zu bekämpfen

Homo- und Transsexuelle, Drogenabhängige, Prostituierte und Gefängnisinsassen haben ein höheres Risiko, sich mit HIV anzustecken. In vielen Ländern werden sie diskriminiert - eine Hürde beim Eindämmen des Erregers.

Genf - Um der Ausbreitung von HIV entgegenzuwirken, müssen insbesondere jene Menschen erreicht werden, die ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben. Doch vielerorts haben sie erschwerten Zugang zu Gesundheitsversorgung und Präventionsmaßnahmen, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet. Die Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen, Drogenabhängigen, Prostituierten und Gefängnisinsassen behindert aus ihrer Sicht die HIV-Prävention. Die Organisation rief Regierungen dazu auf, rechtliche und soziale Hürden für diese Menschen abzubauen.

Die Bedürfnisse von Risikogruppen müssten zudem in die nationalen HIV-Strategien aufgenommen werden, betont die Organisation. Derzeit berücksichtigen demnach nur zwei Drittel der Länder in ihren Strategien die Situation von Schwulen oder Prostituierten. Auf Drogenabhängige gehen nur 40 Prozent der Länder ein, Transsexuelle haben kaum irgendwo eine Lobby.

Erstmals empfiehlt die WHOneben dem Gebrauch von Kondomen homosexuellen Männern auch die Einnahme von Medikamenten zur Vorsorge gegen eine HIV-Infektion. Eine solche Prophylaxe könne helfen, das Risiko zu verringern, heißt es in den neuen Richtlinien. Kürzlich hatten die US-Gesundheitsbehörden Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko diese sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe (Prep) empfohlen. Zu dieser Risikogruppe zählen neben Homosexuellen, die nicht in einer festen Partnerschaft leben, unter anderem auch Männer und Frauen, die mit einem HIV-positiven Partner zusammenleben.

Das Risiko einer HIV-Infektion ist für homosexuelle Männer nach den am Freitag vorgestellten Zahlen weltweit 19-mal größer als für die übrige Bevölkerung. Bei anderen Risikogruppen liegt die Infektionsquote sogar um bis zu 50-mal höher.

"Ein erreichbares Ziel"

Insgesamt spricht die WHO von einem guten Trend bei der Bekämpfung der Immunschwäche. "Aus der Vision des Siegs über das HI-Virus haben wir ein erreichbares Ziel gemacht", sagte der zuständige WHO-Direktor Gottfried Hirnschall. So habe sich die Zahl der Infizierten, die mit speziellen HIV-Medikamenten behandelt würden, im vergangenen Jahr um zwei Millionen auf 13 Millionen erhöht. "Aber der Fortschritt ist uneinheitlich: Diejenigen, die global die größten Infektionsrisiken und den schlechtesten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, werden zurückgelassen."

Weltweit sind mehr als 35 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, die meisten davon in Afrika südlich der Sahara. Die neuen Richtlinien sollen auf der 20. Internationalen Aidskonferenz (20.-25. Juli) in Melbourne in Australien verabschiedet werden.

wbr/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Kondome statt Medikamente
123_werk 11.07.2014
Die genannten Risikogruppen haben ein signifikant höheres Risiko, sich mit HIV zu infizieren, weil Sie entweder ungeschützen Analverkehr (erhöhte Gefahr sich durch offene Wunden zu infizieren) oder ungeschützen Verkehr mit einer sehr hohen Anzahl von Menschen haben. Die vernünftigste Lösung wäre der Einsatz von Kondomen. Die Benutzung sollte in jedem Falle propagiert und gefördert werden. Im Vergleich dazu sind Medikamente die vergleichsweise schlechteste Lösung. Sie können Nebenwirkungen haben und sind extrem teuer im Vergleich zu einem Präservativ.
2. Tja,
tgu 11.07.2014
hätte man damals in den USA nicht so herablassend auf die Homosexuellen geschaut ("Ach, Aids bekommen ja nur die Schwulen"), dann hätte sich Aids evt. nicht so schnell ausgebreitet, z.B. durch infizierten Blutkonserven, z.B. der Schriftstelle Isaac Asimov (1983 Infiziert 1992 verstorben).
3. Kondome UND Medikamente, vor allem aber Tests
HiroN 11.07.2014
muss die Lösung sein. Wenn die Positiven die Medikamente nehmen, sind sie faktisch nicht mehr infektiös. Dafür sind frisch infizierte sehr infektiös. Das ist auch der Grund, warum heute in Deutschland ca. 70% der Ansteckungen erfolgen von Menschen, die nicht wissen, dass Sie positiv sind. Da liegt heute die Gefahr. Deswegen sollten wir zusehen, dass wir die Leute zum Test bekommen und den positiv getesten anschliessend schnellstmöglich in die Therapie bringen. Damit würde ein Grossteil der Neuansteckungen verhindert und somit - um auf den Preisvergleich einzugehen - auch ein Grossteil der Kosten. Das diese Personen dann zusätzlich Kondome benutzen sollten, ist natürlich klar. Wird aber auch von einem sehr grossen Teil der HIV-Positiven praktiziert, sonst wäre die Rate der Weitergabe des Viruses von wissentlich positiven deutlich höher.
4. ...
Newspeak 14.07.2014
Die Sorge um HIV-Neuinfektionen ist Heuchelei solange nicht verfügbare Schnelltests endlich für jeden erhältlich freigegeben werden. Erwachsene Menschen können damit umgehen, schließlich sind auch Schwangerschaftstests frei verkäuflich, obwohl eine Schwangerschaft die betroffene Frau durchaus nicht immer froh stimmen muß und beinahe ebenso folgenreich ist.
5. Ein Blick nach Portugal gefällig?
ewert 14.07.2014
Dieses Land hat vor ca. 13 Jahren den Besitz nahezu ALLEr Drogen entkriminalisiert - natürlich nur in Konsum- (d.h. Kleinst-)mengen. Ergebnisse: Die Zahl der HIV-Neuinfektionen (auf intravenösem Weg) ging von 600 (1998) auf 88 (2010) zurück. Die Rückfallquote ehemals Süchtiger fiel auf unter 8%. Mit aktuell 5,1 Drogentote pro Million Einwohner liegt Portugal im europäischen Vergleich unter dem Wert von Deutschland (16,2), dem Nachbarstaat Spanien (11,8) und dem EU Durchschnitt (14,9). Meines Wissens sind in Portugal die Prävalenzzahlen seit dem gefallen und nicht gestiegen und haben sich Richtung "weiche Drogen" verschoben. Mehr in den Berichten der EMCDDA und dem Blog alternative drogenpolitik.
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HIV/Aids - Die Fakten
Die HIV-Infektion
Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Außer ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.
Die Krankheit Aids
Das HI-Virus zerstört allmählich das Immunsystem, indem es die Zahl der T-Helferzellen im Blut drastisch senkt. Während in den ersten Wochen nach der Infektion grippeähnliche Symptome auftreten können (aber nicht müssen), folgen der Ansteckung mit HIV meist mehrere Jahre ohne körperliche Anzeichen. Währenddessen vermehrt sich das Virus im Körper. Mit dem Beginn der ARC-Phase (Aids Related Complex) treten erneut Beschwerden wie nach der Infektion auf. Wenn die eigentliche Krankheit beginnt, spricht man von der Diagnose Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome).

Aids wird durch verschiedene Erkrankungen definiert. Sogenannte opportunistische oder Sekundär-Infektionen und Tumoren nutzen die schwache Immunabwehr aus. Trotz einer Behandlung stirbt der Patient an einer der Folgeerkrankungen. Zusätzlich können schon im Vorfeld virenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Beide Maßnahmen verlängern die Lebenserwartung und steigern die Lebensqualität der Betroffenen.

Das Virus
Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Diese Erreger sind in der Lage, ihren genetischen Code in das Erbgut des Wirtskörpers, in diesem Falle des Menschen, einzubauen. Deshalb kann das Virus nach einer Infektion nicht wieder vollständig aus dem Körper entfernt werden.

Das Virus kommt in zwei Stämmen vor. HIV-1 ist weltweit verbreitet. Mikrobiologen unterscheiden Subtypen mit den Buchstaben A bis I und O. Der zweite Stamm, HIV-2, ist vorwiegend in Westafrika verbreitet. Ansteckungs- und Krankheitsverlauf sind in beiden Fällen ähnlich.

Die weltweite Verbreitung
Laut UNAIDS sind weltweit schätzungsweise 35 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Mit mehr als zwei Drittel der Infizierten bilden die Länder des südlichen Afrikas ein Zentrum der Epidemie.

Bis Ende 2008 erhielten rund vier Millionen HIV-positive Menschen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine antiretrovirale Therapie - im Vergleich zu drei Millionen Patienten im Jahr 2007 und lediglich 400.000 in 2003.
Die Verbreitung in Deutschland
In Deutschland nach einer Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) derzeit etwa 70.000 Menschen mit HIV/Aids. 2013 wurden dem Institut 3263 gesicherte HIV-Neuinfektionen gemeldet - etwa zehn Prozent mehr als 2012. 550 Menschen starben demnach 2012 an den Folgen von Aids. Zum Vergleich: Mitte der neunziger Jahre starben in Deutschland bis zu 2500 Menschen pro Jahr an der Krankheit. Am häufigsten (53 Prozent) steckten sich homosexuelle Männer neu mit HIV. In 18 Prozent der Fälle erfolgte die Ansteckung nach heterosexuellem Kontakt, in 3 Prozent durch Spritzen von Drogen.
Chronik
1981: Vor allem in Kalifornien und New York sterben junge Männer an einer Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC erstmals über die auffällige Zunahme seltener Krebs- und Lungenentzündungsformen bei jungen Homosexuellen.

1982: In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die ersten Fälle diagnostiziert. Die erworbene Immunschwächekrankheit wird Aids (Aquired Immunodeficiency Syndrome) genannt.

1983: Die Forschungsgruppen von Robert Gallo (USA) und Luc Montagnier (Frankreich) identifizieren das Virus, das die Krankheit auslöst. Später erhält es den Namen HIV (Human Immunodeficiency Virus).

1984: Der erste HIV-Antikörpertest wird vorgestellt.

1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. Durch den Aidstod des US-Schauspielers Rock Hudson wird die Krankheit einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Deutschland dürfen ab Herbst keine Blutpräparate mehr ohne vorherigen HIV-Test verkauft werden. Über 2300 Menschen - darunter mehr als 1800 Bluter - hatten sich zuvor infiziert.

1986: Aus Afrika werden die ersten Aidsfälle gemeldet.

1987: AZT, das erste Medikament, das den Verlauf der Krankheit verlangsamen kann, erhält eine Zulassung.

1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein.

1991: Die rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids.

1995: Sogenannte Protease-Hemmer kommen als neues Aidsmedikament auf den Markt.

1996: Die Vereinten Nationen gründen UNAIDS, eine Unterorganisation der Uno für den Kampf gegen die Krankheit.

1999: Wissenschaftler finden Belege dafür, dass das HI-1-Virus von einer Schimpansen-Unterart stammt, die nur im westlichen Zentralafrika vorkommt.

2003: Der erste Fusionshemmer kommt als vierte Klasse von Aidsmedikamenten in den USA auf den Markt.

2004: Die WHO startet die Initiative "3 by 5". Danach sollen 2005 drei Millionen Infizierte mit Medikamenten versorgt werden.

2005: Nach Angaben der UNAIDS sind über 40 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert - ein neuer Höchststand. Das Berliner Robert Koch-Institut geht von 2600 Neuinfizierten in Deutschland aus. In Deutschland leben insgesamt 49.000 HIV-Positive.

2006: Der jüngste Welt-Aids-Bericht von UNAIDS meldet, dass die Rate der Neuinfektionen sich erstmals seit dem Ausbruch der Seuche verlangsamt. Immer noch erhalten viele Infizierte und Erkrankte in der Dritten Welt keine Versorgung, besonders HIV-positive Kinder.

2008: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon legt einen Bericht vor, nach dem im Dezember 2007 weltweit schätzungsweise 33,2 Millionen Menschen mit HIV infiziert waren.

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