WHO-Bericht zur Weltbevölkerung Immer älter, immer kränker

Die Lebenserwartung der Menschen weltweit steigt - und damit auch die Zahl derer, die betreut und medizinisch versorgt werden müssen. Die WHO warnt in einem Bericht vor unzureichender Pflege.

Rentner im Seniorenheim: "Fünf oder mehr Krankheiten gleichzeitig"
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Rentner im Seniorenheim: "Fünf oder mehr Krankheiten gleichzeitig"


"Es gibt Dinge, die ich am Altern sehr genieße", sagte Hollywoodstar Dustin Hoffman (78) jüngst in einem Interview. Auch US-Bestsellerautorin Siri Hustvedt (60) äußert sich positiv über das Altern: "Es gibt viele Freuden - ich kann es nur empfehlen als Lebensabschnitt." Und Dänemarks Königin Margrethe II. (75) schwärmt: "Man hat ganz andere Erfahrungen als früher."

Viele ältere Menschen dürften das allerdings anders sehen. Am Mittwoch hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren ersten "Weltbericht über Altwerden und Gesundheit" veröffentlicht. Tatsächlich beginnt er mit einer erfreulichen Feststellung. "Zum ersten Mal in der Geschichte können die meisten Menschen erwarten, weit in die Sechziger und darüber hinaus zu leben", wird WHO-Generaldirektorin Margaret Chan zitiert.

Mehr und bessere Nahrung, die Entwicklung von Insulinlösungen und Antibiotika, weniger körperlich schwere Arbeit durch moderne Technik - viele Faktoren haben dazu geführt, dass Menschen deutlich länger leben als früher. Forscher sprechen gar von einem "geschenkten Jahrzehnt" an Lebenszeit. Doch es gibt einen Haken: Das längere Leben - so sehr manche auch in der Lage sein mögen, es zu genießen - wird scheinbar für immer mehr Ältere zum bloßen "längeren Überleben".

Mindestens fünf Krankheiten gleichzeitig

Zuletzt sammelten Wissenschaftler in der Global Burden of Disease Study Informationen zu 306 Krankheiten in 188 Ländern. Ihr Fazit: Länger leben bedeutet häufig auch länger leiden. Auch die WHO kommt zu dem Schluss: Nur zu oft geht ein langes Leben auch mit erheblichen Beeinträchtigungen durch mehrere nicht heilbare Leiden einher.

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Für Deutschland heißt das laut dem jetzt vorgelegten WHO-Bericht: "Nahezu ein Viertel aller 70- bis 85-Jährigen leidet an fünf oder mehr Krankheiten gleichzeitig."

Das allein bedeutet noch nicht, das ein solches Leben unerträglich sein muss. Viele der Krankheiten lassen sich in den Griff bekommen: Gegen Schwerhörigkeit gibt es Hörgeräte, gegen schwere Augenleiden relativ sichere Laseroperationen. Diabetes lässt sich über Jahre mit Medikamenten eindämmen, ebenso Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Allerdings muss sich jemand darum kümmern, dass der immer größer werdenden Gruppe der über 60-Jährigen diese Versorgung auch zur Verfügung steht. Das sei oft nicht der Fall, warnt die WHO, auch nicht in Deutschland.

Das Geld fließt in die teure Hochleistungsmedizin

"Schon jetzt macht allein der Anteil der über 60-jährigen Krankenhauspatienten 50 Prozent aus - obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung nur 27 Prozent beträgt", sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Das erfordere eher begleitende und lindernde Behandlung und Pflege als teure Hochleistungsmedizin. "Doch nur für die Spitzenmedizin steigen die Ausgaben. Diese Fehlentwicklung muss die Politik korrigieren."

Das deckt sich mit Forderungen des WHO-Berichts, der unter anderem ein Defizit bei pflegerischer Betreuung für Ältere kritisiert. Damit mehr ältere Menschen "die zusätzlichen Jahre" bei akzeptabler Gesundheit nutzen können, seien "radikale Veränderungen in den Gesundheitssystemen sowie in der Art und Weise nötig, wie Gesellschaften alte Menschen wahrnehmen".

So empfiehlt die WHO etwa, den Fokus nicht mehr auf die Behandlung einzelner Krankheiten zu legen. Nötig sei stattdessen eine "integrierte Fürsorge, die Menschen in die Lage versetzt, das höchstmögliche Maß an physischen und geistigen Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten".

Dazu sei mehr Geld als bisher nötig, räumt die WHO ein. Doch sie verweist auch auf eine Studie in Großbritannien. Dabei wurden für das Jahr 2011 die Gesamtkosten für Pensionen und die medizinische sowie soziale Betreuung alter Menschen mit der Summe verrechnet, die sie durch Steuern, Ausgaben für den Konsum und andere wirtschaftlich nützliche Aktivitäten erbracht hatten.

Demnach ergab sich ein geschätzter Netto-Beitrag seitens der Alten in Höhe von 40 Milliarden Pfund (54 Milliarden Euro). Glaubt man dem Bericht, könnten sich Investitionen in die Gesundheit der Alten also auch aus wirtschaftlicher Sicht lohnen.

jme/dpa

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insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
mtk10 30.09.2015
1. Alle Menschen wollen
gesund möglichst Alt werden, nicht nur Großverdiener und die wachsende Anzahl Millionäre. Um dies in Deutschland breitflächig zu ermöglichen bedeutet dies: Eine Krankenkasse in die Alle! Bürger einzahlen. Keine Beitragsbemessungsgrenze (20% für Geringverdiener=20% für Großverdiener) Angemessene Solidarabgabe auf Vermögen größer als z.B 500000€. So in etwa sähe gerechte Medizin aus!
uetchen 30.09.2015
2. Als Krankenschwester schon viele Jahre in der Altenpflege
tätig, kann ich die Fakten dieses Artikels nur bestätigen. Ich wüsste keinen einzigen über Neunzigjährigen, von dem ich behaupten könnte, dieses Alter hat noch wirklich viel Gutes. Besonders schlimm aber sind die dementiellen Erkrankungen. Vielen alten Menschen nehmen sie die Würde und die Erinnerungen. Da bringt meht Geld im Gesundheitswesen nur bedingt etwas. Wie oft höre ich im Berufsalltag Stoßseufzer hochbetagter Patienten, dass sie das Leben satt haben. Natürlich begegnen mir dabei die rüstigen und fitten alten Leute nicht, die wohnen ja noch zu Hause und nicht im Altenheim. Ich selber strebe jedenfalls danach, hundert zu werden.
logabjörk 30.09.2015
3. wenn die Beamten mal von den Fleischtöpfen lassen könnten
dann sollten sie endlich für ihre eigene Rente einzahlen. Ein Witz, diese 2-Klassen-Gesellschaft im Jahre 2015. Dem ärmsten Aufstocker mutet man es zu aber die, dies dicke haben, werden verschont!!!
gerd.leineune 30.09.2015
4.
Zitat von mtk10gesund möglichst Alt werden, nicht nur Großverdiener und die wachsende Anzahl Millionäre. Um dies in Deutschland breitflächig zu ermöglichen bedeutet dies: Eine Krankenkasse in die Alle! Bürger einzahlen. Keine Beitragsbemessungsgrenze (20% für Geringverdiener=20% für Großverdiener) Angemessene Solidarabgabe auf Vermögen größer als z.B 500000€. So in etwa sähe gerechte Medizin aus!
Wäre ja schon viel geholfen, wenn sich das Prekariat nicht vorrangig im McDonalds ernähren würde und auch mal an der körperlichen und vor allem geistigen Fitness was täte... Gesunder Körper und gesunder Geist sind zumindest in Deutschland KEINE Frage des Geldbeutels, sondern der Einstellung zum Leben.
merapi22 01.10.2015
5. Ein JA zu Gen-Verbesserungen und Nano-Technologie!
Dank Gen-Verbesserungen wird bald jede Krankheit überwunden sein, wird es bald möglich sein, selbst die Alterung zu stoppen. Wichtig wäre es, jetzt die Weichen zu stellen, dass davon gleich am Anfang alle profitieren. Dazu ist die Umstellung auf eine Grundversorgung die Grundvoraussetzung = kostenfreie Krankenversicherung in die alle über Verbrauchssteuern einzahlen. Als Tipp: Wer unter Gelenkverschleiß leidet, der sollte in die Tropen abwandern, wo allein durch hohe Temperatur/Luftfeuchte das Blut verdünnt, die Gelenke natürlich geschmiert werden und die meisten dadurch Beschwerdefrei leben können.
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