Studie Wieso Feuerwehrleute ein starkes Herz brauchen

Brände löschen, Menschen retten: Feuerwehrleute müssen unter schwierigsten Bedingungen Höchstleistungen vollbringen. Eine aktuelle Studie zeigt, wie sehr die Einsätze das Herz belasten können.

Feuerwehreinsatz
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Dass Feuerwehrleute einen riskanten Job haben, ist klar: Wer löscht oder Menschen aus brennenden Gebäuden rettet, geht dabei selbst ein Risiko ein. Die größte Gefahr für die Brandschützer stellen jedoch nicht Unfälle dar, sondern der Stress, den die Extreme beim Einsatz aufs Herzkreislaufsystem ausüben.

Bei etwa 45 Prozent der Feuerwehrleute, die in den USA seit den Siebzigerjahren während der Arbeit starben, war die Ursache der plötzliche Herztod. Und das Risiko eines gefährlichen Herzproblems ist während eines Brandeinsatzes zehn- bis hundertmal höher als bei ruhigeren Tätigkeiten wie Inspektionen und Wartungsarbeiten, die Feuerwehrleute auch ausüben.

Stress, Hitze, Anstrengung

Wie genau sich körperliche Belastung, Hitze und Stress aufs Herzkreislaufsystem auswirken, hat nun ein Team von Forschern im schottischen Edinburgh genauer untersucht. Sie überwachten dafür zwar keine Feuerwehrleute bei einem echten Einsatz. Aber sie wählten eine möglichst ähnliche, wenn auch weniger stressige und gefährliche Situation: eine Übung auf einem Trainingsgelände mit echtem Feuer.

Unter anderem maßen die Wissenschaftler Körpertemperatur, Flüssigkeitsverlust, die Neigung zur Blutgerinnung, Blutdruck und Puls. 16 Männer und drei Frauen nahmen an der Studie teil. Sie absolvierten zum einen die rund 20-minütige Löschübung. Zum anderen maßen die Forscher die gleichen Werte an einem anderen Tag, an dem die Teilnehmer sich so verhalten konnten, wie sie dies während einer Schicht ohne Notfall tun. Diese Werte dienten als Vergleich.

Die Probanden waren zwischen 34 und 48 Jahren alt, arbeiteten bei der Feuerwehr, waren Nichtraucher und litten nicht an einer Herzkrankheit oder anderen schweren gesundheitlichen Problemen.

Während der Übung verloren die Teilnehmer rund einen halben Liter Flüssigkeit durch Schwitzen, ihre Kerntemperatur stieg um rund ein Grad Celsius.

Gefahr von Blutgerinnseln

Im Fachblatt "Circulation" berichten Nicholas Mills und seine Kollegen außerdem, dass die Blutplättchen aktiver wurden; diese Zellen verschließen Wunden, indem sie sich zusammenlagern. Zu Blutgerinnseln verklumpt können sie aber auch Gefäße verengen oder verschließen. Die Neigung zur Gerinnselbildung war nach dem Einsatz deutlich gesteigert.

Die Forscher vermuten, dass vor allem der Flüssigkeitsverlust und die gestiegene Körpertemperatur für die negativen Effekte aufs Herzkreislaufsystem verantwortlich sind. Ein schnelleres Abkühlen, Trinken und insgesamt kürzere Einsatzzeiten bei Bränden könnten dementsprechend das Risiko für Herzprobleme senken.

In einem begleitenden Artikel in "Circulation" merken zwei US-amerikanische Forscher an, dass es trotz des erhöhten Risikos von Feuerwehrleuten extrem selten vorkommt, dass ein zuvor gesunder, fitter Mitarbeiter eine Herzattacke hat. Die meisten hätten schon zuvor Herzprobleme gehabt oder hatten ein erhöhtes Risiko, etwa weil sie rauchten.

Probleme frühzeitig erkennen - und gegensteuern

Stefan Webendoerfer betreut als Arbeitsmediziner bei BASF die rund 180 Mitarbeiter der Werksfeuerwehr in Ludwigshafen. Er erklärt, warum sich die Daten aus den USA nicht auf Deutschland übertragen lassen: "Hierzulande werden Feuerwehrleute alle drei Jahre untersucht. Das ist vorgeschrieben, wenn man mit schwerem Atemschutz arbeiten soll." Unter anderem wird dabei ein Belastungs-EKG erstellt und die Lungenfunktion gemessen.

Gesundheitliche Probleme, nicht mehr ausreichende Fitness oder das Zusammenkommen mehrerer Infarkt-Risikofaktoren werden so frühzeitig vom Arzt erkannt - und man kann gegensteuern.

Die arbeitsmedizinische Vorsorge unterscheidet sich von Land zu Land, sodass man Erkenntnisse aus Studien nicht einfach 1:1 vergleichen könne, sagt Webendoerfer.

Bei seiner praktischen Arbeit sehe er bei den Feuerwehrmännern Herzkreislauferkrankungen nicht besonders häufig. "Rücken- und Gelenkbeschwerden oder Bandscheibenvorfälle sind ein viel größeres Problem."



insgesamt 6 Beiträge
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konzernMA 07.04.2017
1. ...und hier wird nur auf Berufsfeuerwehrmänner/frauen abgestellt
Die Belastungen eines Einsatzes sind hoch, deshalb wird auch soviel geübt und trainiert. Die freiwilligen Wehren, die außerhalb der Städte über 100000 Einwohner den Brandschutz sicherstellen, rekrutieren sich in der überwiegenden Regel aus Freiwilligen, die ihre Freizeit (und Gesundheit) für das Gemeinwohl investieren. Und obwohl nahezu jeder im Notfall nach Hilfe schreit und diese umgehend erwartet, ist die Bereitschaft, diese Hilfeleistung durch entsprechendes eigenes Engagement mit sicherzustellen signifikant rückläufig. Die Kameraden der freiwilligen Wehren erhalten keine Entlohnung oder Entschädigung. Ein bisschen Respekt und ein ehrliches "Danke" reichen in der Regel aus - das sollte aber auch erwartet werden dürfen. Und jeder, der für sich selber Hilfe im Notfall erwartet, sollte sich überlegen, in die Wehr an seinem Wohnort einzutreten und einfach mitzumachen.
Laemat 07.04.2017
2. auch die FFW
muss zur G26.3 Untersuchung, das Ehrenamt wird im Allgemeinen kaum noch gewürdigt, da ist der Pendler 9h auf Arbeit und pendelt 2 h hin und her, hat zu Hause Kind und Kegel...wann soll er da noch Belastungstraining (Ausdauer und Kraft) FFW-Übungen, Lehrgänge und Einsätze unterbringen? Die Wenigsten der Atemschutzgeräteträger der FFW dürften die G26.3 ohne kontinuierliches Training schaffen, das Belastungs-EKG stellt hohe Ansprüche an die Physis.
bambushaus 07.04.2017
3. Werkfeuerwehren
Leider wird hier nichts über lange Arbeitszeiten geschrieben. Ein wesentlicher Faktor für psychische Erkrankung, und somit auch der körperlichen Unversehrtheit, ist die soziale Verarmung. Das soziale Leben spielt sich in der Regel an den Wochenenden ab, die wir "WF'ler" leider mit Diensten gefüllt sind. Eine Arbeitszeit mit 72Std (in manchen Wochen sogar 96Std!) im Schnitt lässt nichts anderes zu. Und wer denkt, wir sitzen 24Std. rum und warten auf Einsätze, dem sei gesagt: in den 24 std sind 11(!) Std Regelarbeitszeit enthalten. Diese werden durch Wartungen, Schulungen, externen Ausbildungen, Pfortenbesetzungen und vielen anderen Tätigkeiten ausgefüllt. Das europäische AZG sagt zwar, das Bereitschaftszeiten zur Arbeitszeit gehört, das wird aber durch die so genannte "Opt-Out Regel" schön umgangen. Diese ist zwar freiwillig zu Unterschreiben, aber die Konsequenzen der Verweigerung sind wahrscheinlich Versetzung an andere Arbeitsplätze. Unsere jungen Kollegen erkennen diese Gefahr -wie ich damals leide auch- nicht und nehmen das so hin.
Mullersun 07.04.2017
4.
Oh welche Überraschung, eine starke körperliche, wie auch psychisch Belastung schädigt das Herz. Nicht gerade sonderlich überraschend. Jedoch zeigt es welch hohes Risiko tausende zumeist ehrenamtliche Feuerwehrleute eingehen um ihren Mitbürgern zu helfen. Die Würdigung dieser Tätigkeit ist jedoch immer noch erschreckend gering, die Bereitschaft mitzumachen rückläufig. Traurig!
murksdoc 08.04.2017
5. Stress
"Stress" erzeugt eine "Fight-or-Flight"-Reaktion des Körpers, das heisst, Herz, Kreislauf, Muskulatur und Organsystem werden auf eine Kampf- oder Fluchtsituation vorbereitet. Unterbleibt eine irgendwie geartete körperliche Reaktion, die auch in Sport oder anderer körperlicher Tätigkeit bestehen kann, macht das auf Dauer krank. Unterbleibt sie nicht, hat Stress einen Trainingseffekt. Das sieht man beim Fussballtraining. "Fussballtraining" ist eine absichtliche,. dosierte Stresssituation. Man nennt das "Eustress". Der Gegensatz dazu wird "Distress" genannt. "Distress" ist entweder eine dauerhafte Überlastung, oder psychischer Stress wird in keiner Weise körperlich abgearbeitet. Dann "brennt er sich ein", erzeugt Bluthochdruck, Übergewicht und Herzinfarkt. Die Bedingungen für Feuerwehrleute sind deshalb eher besser als für Sekretärinnen und nicht notwendig schädlich. Was einen negativen Einfluss haben kann, sind die langen Arbeitszeiten, durch die der Wechsel zwischen hoher Aktivierung und Entspannung nicht mehr gegeben ist. Sogenannte "Aufmerksamkeitsbereitschaft" ist nämlich genauso stressig, wie eine belastende Tätigkeit selbst und wenn dann kein Rhythmus zwischen Aktivität und Ruhe gegeben ist, verbleibt man auf diesem hohen Aktivierungsniveau. Das macht auf Dauer ebenfalls krank.
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