Wir machen uns mal frei: Virenschleuder

Von Frederik Jötten

Krankenschwester mit Mundschutz: Die Angst vor Viren und einer Tröpfcheninfektion ist berechtigt - man kann es aber auch übertreiben Zur Großansicht
DPA

Krankenschwester mit Mundschutz: Die Angst vor Viren und einer Tröpfcheninfektion ist berechtigt - man kann es aber auch übertreiben

Im viel zu kühlen Sommer droht schnell eine Virusgrippe. Kolumnist Frederik Jötten fürchtet sich so sehr vor ansteckenden Erregern, dass er einem Freund übertriebene Sicherheitsmaßnahmen aufdrängt. Der Schutzversuch sorgt für erhöhte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

Als ich Daniels Stimme am Telefon hörte, wusste ich sofort, was mit ihm los war. Der Kerl hatte einen Mörder-Schnupfen - und ich hatte versprochen ihn mit dem Auto mitzunehmen: zwei Stunden Fahrt mit einer Virenschleuder! Am nächsten Tag war mein Geburtstag, ich erwartete Besuch von meinen besten Freunden - ich durfte mich auf keinen Fall anstecken.

"Was ist los mit dir?", fragte ich Daniel. "Och, ich hab ein bisschen Schnupfen." "Ein bisschen? Du hörst dich ziemlich übel an! Bist du überhaupt transportfähig?" Daniel erahnte meine Ängste nicht. "Danke der Nachfrage, ist schon in Ordnung. Holst du mich dann morgen um fünf ab?" Ich hätte am liebsten nein gesagt, aber ich murmelte: "Ja, klar." Es ist nicht wirklich gesellschaftlich akzeptiert, jemandem zu sagen: "Sorry, du bist mir zu krank, ich kann dich nicht mitnehmen."

Ich versuchte also den Spagat: Daniel nicht verprellen, gleichzeitig Ansteckung verhindern. Als ich Daniel abholte, gab ich ihm nicht die Hand, sondern reichte ihm eine giftgrüne Maske, so wie Chirurgen sie bei Operationen tragen. Er war sichtlich irritiert. "Was ist das?" "Könntest du bitte die bitte überziehen?", antwortete ich. "Ich will mich nicht anstecken. Ich ziehe auch eine an, sicher ist sicher."

Fuß aufs Gas und nichts wie weg!

Daniel schüttelt den Kopf und band sich das Ding um den Kopf, seine Mutter blickte uns an, als wären wir Außerirdische, als wir vom Hof fuhren. Ich drehte die Heizung auf - die Viren vermehren sich am besten in ausgekühlten Körpern - und chauffierte den Wagen auf die Autobahn. Ein Mercedes überholte uns: die blonde Frau am Steuer sah gelangweilt aus - bis sie uns sah. Sie starrte uns mit weit aufgerissenen Augen an, dann gab sie noch mehr Gas und rauschte davon.

Ein paar Minuten später tauchte hinter uns ein Streifenwagen auf. "Meinst du, die hat die Polizei gerufen?" fragte Daniel hinter seiner Maske. "Meinst du, wir verstoßen gegen das Vermummungsverbot?" fragte ich. Ich sah an Daniels Augen, dass er grinste, er freute sich sehr auf eine Polizeikontrolle. Aber die Beamten fuhren an uns vorbei, wahrscheinlich aus Angst vor den berüchtigten Autobahnvirenschleudern. Übrigens wurde ich nicht krank und an meinem Geburtstag feierte ich sogar ohne OP-Maske meine Party, obwohl Daniel auch kam. No risk no fun, zumindest einmal im Jahr.

Grippaler Infekt oder echte Grippe?
Viele verschiedene Viren lösen Erkältungen aus. Die verlaufen meist harmlos, nach drei bis fünf Tagen sind die Symptome wie Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Heiserkeit und Halsschmerzen überstanden. Kurzzeitig kann die Temperatur erhöht sein (über 37,0 °C) oder sogar Fieber dazukommen (über 38,0 °C).

Auch wenn Viren die Erkältungen auslösen, können Bakterien dazukommen. Das ist allerdings selten. Bei viralen Infekten helfen Antibiotika nicht, kommt eine bakterielle Infektion dazu, hingegen schon. Ansonsten bleibt nur eine Behandlung der Symptome, um die Beschwerden zu lindern. Die Dauer der Erkältung verkürzt diese symptomatische Therapie aber nicht.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 4 Beiträge
Tom Joad 10.08.2012
Herr Jötten, Sie haben die OP-Handschuhe vergessen ...
Herr Jötten, Sie haben die OP-Handschuhe vergessen ...
...und den 5l Kanister Braunol...
Zitat von Tom JoadHerr Jötten, Sie haben die OP-Handschuhe vergessen ...
...und den 5l Kanister Braunol...
DäKääl 11.08.2012
Der beste Schutz gegen eine Ansteckung ist immer noch ein Ganzkörperkondom. Habe es ausprobiert. Hilft tatsächlich. Man schwitzt auch die schon vorhandene Viren wieder aus.
Der beste Schutz gegen eine Ansteckung ist immer noch ein Ganzkörperkondom. Habe es ausprobiert. Hilft tatsächlich. Man schwitzt auch die schon vorhandene Viren wieder aus.
Trondesson 12.08.2012
Ja, nicht? Nur die Harten kommen in den Garten... ...unter die Erde.
Zitat von artusdanielhoerfeld...und den 5l Kanister Braunol...
Ja, nicht? Nur die Harten kommen in den Garten... ...unter die Erde.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
alles zum Thema Wir machen uns mal frei

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Freitag, 10.08.2012 – 13:28 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 4 Kommentare
Frederik Jötten






TOP



TOP