Angeblich neuer Impfstoff Putin will Ebola besiegt haben

Mehr als 11.000 Menschen kostete Ebola zuletzt das Leben. Nun behauptet Wladimir Putin, russische Forscher hätten einen wirksamen Impfstoff entwickelt. Zweifel sind angebracht.

Wladimir Putin: Russland will einen Impfstoff gegen Ebola entwickelt haben, der effektiver ist als alle bisher bekannten
AFP

Wladimir Putin: Russland will einen Impfstoff gegen Ebola entwickelt haben, der effektiver ist als alle bisher bekannten


Die Geschichte klingt zu schön: Der russische Präsident Wladimir Putin hat verkündet, dass Forscher aus seinem Land einen Impfstoff gegen Ebola entwickelt haben. Allerdings erwähnte der Staatschef weder den Namen des Medikaments noch Details zu notwendigen klinischen Studien. Belege bleibt er gänzlich schuldig.

Dennoch feierte Putin den angeblichen Erfolg russischer Forscher: "Wir haben gute Neuigkeiten", sagte er laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti. "Wir haben ein Medikament gegen Ebola, das sich bei Tests als effektiver als alle anderen herausgestellt hat", zitiert der "Guardian" den Politiker.

Die russische Gesundheitsministerin Weronika Skwortsowa ergänzte, dass das Mittel in seiner Zusammensetzung weltweit einzigartig sei und nicht mit anderen zu vergleichen. Bereits im Oktober 2014, während der schlimmsten Phase der Ebola-Epidemie in Westafrika, hatte Skwortsowa angekündigt, innerhalb der kommenden sechs Monate drei verschiedene Impfungen entwickeln zu wollen.

Impfstudien laufen noch

Bisher gibt es weder eine wirksame Therapie noch marktfähige Impfstoffe gegen Ebola. Einige Medikamente befinden sich aber in der Erprobungsphase. Eine Feldstudie mit dem Impfstoff VSV-ZEBOV hatte in Westafrika Mitte des vergangenen Jahres gute Ergebnisse erzielt.

Von den mehr als 2000 Menschen, die in Guinea geimpft wurden, hatte sich ab einem Zeitraum von zehn Tagen nach der Impfung keiner mehr mit der tödlichen Krankheit infiziert. Die Probanden waren alle mit einer Person in Kontakt, die schon mit Ebola infiziert war. Noch ist nicht sicher, inwieweit sich das Mittel für einen breiten Einsatz eignet - die Tests laufen weiter.

Liberia ist am Donnerstag von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als letztes der vom Virusausbruch betroffenen Länder für Ebola-frei erklärt worden. Damit wäre die Epidemie, der seit Dezember 2013 mehr als 11.300 Menschen zum Opfer fielen, überwunden. Die benachbarten Länder Sierra Leone und Guinea sind bereits für Ebola-frei erklärt worden.

Ein Land gilt nach der WHO dann als Ebola-frei, wenn es mindestens 42 Tage lang nach dem Tod oder der Erholung des letzten Opfers keine neuen Fälle gegeben hat. Diese Periode entspricht einer doppelten Inkubationszeit von je 21 Tagen.

joe

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