Unter den Besuchern des Yosemite-Nationalparks in Kalifornien, die sich mit dem gefährlichen Hantavirus angesteckt haben, hat es ein drittes Todesopfer gegeben. Es handle sich um einen weiteren US-Bürger, der in dem Park übernachtet habe, teilte die Parkverwaltung am Donnerstag (Ortszeit) mit. Die Gesundheitsbehörden hätten zudem zwei neue Ansteckungen mit dem Hantavirus gemeldet, womit die Zahl der infizierten Parkbesucher auf insgesamt acht gestiegen sei. Die fünf noch lebenden Infizierten seien auf dem Weg der Besserung.
Alle Infizierten seien US-Bürger und hätten seit Juni mindestens eine Nacht im Yosemite-Park verbracht, hieß es weiter. Geschlafen hatten die Betroffenen im beliebten Curry Village, einem Campingplatz im Park, in fest installierten Zelthütten. Am Donnerstag warnte die US-Gesundheitsaufsicht: Mindestens 12.000 Besucher des Parks könnten sich in Gefahr befinden und mit dem Hantavirus in Kontakt gekommen sein. Zuvor waren die Behörden noch von 10.000 gefährdeten Besuchern ausgegangen.
Menschen können sich durch den Kontakt mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Nager anstecken. Laut einer Studie des kalifornischen Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2008 trägt jede fünfte Hirschmaus im Yosemite-Park das Virus in sich.
Übertragen wird das Hantavirus auf die Mund-, Nasen- und Rachenschleimhaut. Wie sich die Infektion im Organismus ausbreitet ist noch nicht vollständig erforscht. Typische Anzeichen einer Infektion sind hohes Fieber, Schmerzen (häufig am Rücken) oder Blut im Urin. Oft treten auch Sehstörungen auf. In der Regel verläuft die Erkrankung mild, in schweren Fällen, wie jetzt auch in den USA, kann es zu schweren Komplikationen mit Nierenversagen kommen. Dann ist eine Behandlung mit Dialyse notwendig. Auch die Lungen können betroffen sein. Ist die kritische Phase überstanden, heilt die Krankheit meist ohne weitere Folgen aus.
Um eine Infektion mit Hantaviren zu diagnostizieren, müssen Ärzte spezielle Labortests durchführen, die Antikörper gegen die Viren im Blut nachweisen. Einen zugelassenen Impfstoff gegen den Erreger gibt es bisher nicht.
Deutschland: Allein dieses Jahr mehr als 2000 Hantafälle
Auch hierzulande breitet sich das Hantavirus aus: Während Hantavirus-Erkrankungen noch vor wenigen Jahren in Deutschland fast unbekannt waren, gehören sie mittlerweile zu den fünf häufigsten meldepflichtigen Viruserkrankungen. 2012 verzeichnete das Robert Koch-Institut (RKI) bisher 2298 Krankheitsfälle - so viele, wie nie zuvor, heißt es. Der in Deutschland am häufigsten beobachtete Virustyp (das Puumala-Virus) führt allerdings in der Regel nur zu vergleichsweise milden Krankheitsverläufen, die Sterblichkeit liegt bei deutlich unter einem Prozent.
Inzwischen ist es Wissenschaftlern an der Berliner Charité gelungen, die molekulare Signatur der Hantaviren aufzuklären, die in Deutschland zu immer größeren Ausbrüchen von Hantavirus-Erkrankungen führen. Die Forschungsergebnisse ermöglichten es, die Erbinformation des jeweiligen Virusstamms einzelner Patienten mit einem neu geschaffenen Register der kursierenden Hantaviren zu vergleichen, berichten die Wissenschaftler.
"So können wir den Virusstamm eines Patienten genau einem bestimmten Risikogebiet in Deutschland zuordnen, in dem die Infektion erfolgt ist", erklärt der Virologe Detlev Krüger, Direktor des Instituts für Medizinische Virologie an der Charité. Ausführlich wird die Forschungsarbeit in der Septemberausgabe des Fachjournals "Emerging Infectious Diseases" dargestellt.
In Deutschland ist vor allem die Rötelmaus ein Wirt der Hantaviren. Über deren Ausscheidungen werden die Erreger auf den Menschen übertragen.
cib/dapd/Reuters
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