Gesundheitsgefahr YouTube geht gegen Impfgegner vor

Impfskeptiker nutzen Social-Media-Kanäle, um falsche Theorien zu verbreiten. YouTube entzieht ihnen jetzt die Werbeeinahmen, auch Pinterest reagiert.

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Es ist längst belegt, dass Impfungen keinen Autismus auslösen. Trotzdem behaupten das manche Impfgegner immer noch - zum Beispiel in YouTube-Videos. Soziale Netzwerke planen jetzt, verstärkt gegen solche Falschinformationen vorzugehen.

YouTube will künftig keine Werbung mehr vor Videos schalten, die vor Impfungen warnen. Impfkritische Kanäle können dadurch kein Geld mehr auf der Videoplattform verdienen. "Jede Falschinformation über medizinische Themen ist bedenklich", zitiert die BBC aus einem Statement von YouTube. Demnach sei auch geplant, dass Videos von Impfgegnern nicht mehr in Empfehlungslisten erscheinen. Außerdem will die Plattform solche Videos mit Informationskästen versehen, die über die Risiken aufklären und unter anderem auf Wikipedia-Einträge verlinken.

Werbepartner drohten abzuspringen

Die Entscheidung von YouTube erfolgte nicht ganz freiwillig. Die Videoplattform war unter anderem durch einen Artikel von "Buzzfeed" unter Druck geraten. Mehrere Unternehmen hätten sich demnach beschwert, dass ihre Spots vor impfkritische Videos geschaltet wurden. Angeblich drohten sie, die Zusammenarbeit mit YouTube zu beenden, sollte sich daran nichts ändern.

Die Onlineplattform Pinterest will gar keine Suchergebnisse mehr zum Thema Impfen anzeigen, egal ob die Informationen von Impfbefürwortern oder -gegnern kommen. Die Inhalte blieben jedoch weiterhin online erreichbar. Pinterest sei dabei, bessere Strategien zu entwickeln, wie sich einzelne Inhalte gezielter herausfiltern lassen, teilte das Unternehmen mit.

Facebook hat ähnliche Schritte angekündigt, um gegen Falschinformationen vorzugehen.

Diskussion um Impfpflicht

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Vermeidung oder Verzögerung von Impfungen kürzlich zu einer von zehn großen Bedrohungen für die Gesundheit weltweit erklärt. Damit steht sie auf einer Liste mit Ebola, Antibiotikaresistenzen und Luftverschmutzung.

Auch in Deutschland wird seit Längerem heftig über das Impfen und eine mögliche Impfpflicht diskutiert, besonders seit die Zahl der Masernfälle in Europa im Jahr 2017 deutlich zugenommen hatte, obwohl die Krankheit durch konsequentes Impfen ausgerottet werden könnte. Um Ausbrüche zu verhindern, müssten 95 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein. Doch die Quote wird nicht in allen Altersgruppen erfüllt - auch nicht in Deutschland.

Gegner, die ihre Kinder auf keinen Fall impfen lassen wollen, sind selten, aber etwa ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland gilt als unentschlossen. Auch, weil impfkritische Seiten verzerrt über das Thema berichten. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

koe

insgesamt 90 Beiträge
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Seite 1
tom2strong 25.02.2019
1. Impfpflicht
Europaweit gibt es unterschiedliche Empfehlungen wann, wie oft und was geimpft werden soll. Mich würde interessieren warum die Impfkommissionen in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Empfehlungen kommen (siehe speziell Österreich und Frankreich, ggü Deutschland). An die Impfempfehlung auf die sich die Impfkommissionen einigen können möchte ich mich gerne halten. Ansonsten ist man schon etwas verwirrt, wenn man zeitweise in unterschiedlichen Ländern lebt.
der_unbekannte 25.02.2019
2. Polio-Impfstoff über Jahrzehnte verseucht
Bei solchen Meldungen kann ich die Angst von Impfkritikern durchaus verstehen. Und es wurde viel vertuscht von offiziellen Stellen. Ich sehe bei Impfungen aber dennoch einen größeren Nutzen. Aber sind falsche Theorien strafbar? Ich halte diese Art von Informationskrieg für bedenklich. Nachzulesen hier bei SPON: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/krebsrisiko-polio-impfstoff-ueber-jahrzehnte-verseucht-a-307721.html
alexnoe 25.02.2019
3. Nicht strafbar
Zitat von der_unbekannteBei solchen Meldungen kann ich die Angst von Impfkritikern durchaus verstehen. Und es wurde viel vertuscht von offiziellen Stellen. Ich sehe bei Impfungen aber dennoch einen größeren Nutzen. Aber sind falsche Theorien strafbar? Ich halte diese Art von Informationskrieg für bedenklich. Nachzulesen hier bei SPON: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/krebsrisiko-polio-impfstoff-ueber-jahrzehnte-verseucht-a-307721.html
Nein, falsche Theorien sind erstmal natürlich nicht strafbar. Strafbar ist, was laut Stgb mit Strafe bedroht ist. Als zahlender Werbetreibender kann man aber verlangen, nicht mit bestimmten Inhalten in Verbindung gebracht zu werden und andernfalls die Geschäftsbeziehung zu beenden.
LunaticLuke 25.02.2019
4. Falschinformationen
Schön wie hier mal wieder automatisch Impfkritik mit Falschinformationen gleichgesetzt wird. Deutscher Qualitätsjournalismus. Es gibt viele Gründe, das Impfen kritisch zu sehen. Dadurch ist man nicht automatisch Impfgegner oder gar Verbreiter von Falschinformationen.
John.Moredread 25.02.2019
5.
Zitat von der_unbekannteBei solchen Meldungen kann ich die Angst von Impfkritikern durchaus verstehen. Und es wurde viel vertuscht von offiziellen Stellen. Ich sehe bei Impfungen aber dennoch einen größeren Nutzen. Aber sind falsche Theorien strafbar? Ich halte diese Art von Informationskrieg für bedenklich. Nachzulesen hier bei SPON: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/krebsrisiko-polio-impfstoff-ueber-jahrzehnte-verseucht-a-307721.html
Seltsam, ich kann bei der Meldung nichts entdecken, was mich Impfkritiker verstehen ließe. Das ganze ist wie lange her? 40 Jahre? 50? Und spielte in der Sowjetunion, da war man ganz fit beim Unterdrücken von Informationen... inwiefern das wissenschaftlich unhaltbare Aussagen verständlicher macht, ist mir unverständlich. Haben die Impfkritiker diesen Missstand aufgedeckt? Oder können diese Impfkritiker erklären, wieso es sinnvoll ist, wenn die Herdenimmunität nicht mehr gegeben ist? Und nein, falsche Theorien sind nicht strafbar. Aber davon war ja hier auch gar nicht die Rede. Wie kommen Sie jetzt darauf?
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