SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

21. Februar 2013, 06:52 Uhr

Kariesprophylaxe

Stiftung Warentest lobt Billig-Zahnpasta

Zahnschmerzen kann man einfach vorbeugen - und das auch noch günstig. Die Stiftung Warentest hat 20 Zahnpasten untersucht und stellt fest: Gute Kariesprophylaxe muss nicht mehr als 2,40 Euro im Jahr kosten. Dreimal gab es ein "mangelhaft" für Zahnpasta ohne den Schutzstoff Fluorid.

Vor wenigen Dingen fürchten sich die Menschen in solcher Eintracht wie vor dem Zahnarzt. Bei manch einem reicht der Gedanke an den Bohrer, um kalte Schweißausbrüche zu provozieren. Richtig lässig bleibt auf dem Behandlungsstuhl kaum jemand, wenn sich ein vermummtes Gesicht ins Blickfeld beugt, merkwürdige Buchstaben-Zahlen-Kombinationen murmelt und die bedrohlich surrende Fräse näherkommt.

Ein Großteil dieser Schreckenserlebnisse ist vermeidbar, wenn man sich regelmäßig und mit der richtigen Technik die Zähne putzt. Die Kariesprophylaxe ist unschlagbar günstig, zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest: Die günstigste Paste, der die Tester ein "sehr gut" verliehen haben, kostet bei durchschnittlichem Verbrauch 2,40 Euro - im Jahr.

Die peniblen Tester veranschlagten pro Person und Tag einen Zahnpastaverbrauch von zwei Millilitern bei zweimal täglichem Putzen. In der Tube "Dentalux Complex 3 Mint Fresh" vom Discounter Lidl sind 125 Milliliter enthalten, macht bei 39 Cent pro Tube eben jene 2,40 Euro. Ähnlich gut schützen Markenprodukte von Colgate, Elmex oder Meridol, allerdings für bis zu 30 Euro jährlich. Angesichts der Folgekosten und drohenden Schmerzen bei Karies sollte selbst der Markenaufschlag keine abschreckende Wirkung entfalten.

Mangelhaft ohne Fluorid

Insgesamt testete die Stiftung 20 Zahnpasten, fünf erhielten die Bestnote "sehr gut", zwölf ein "gut", drei schnitten "mangelhaft" ab. Entscheidend für die Bewertung war vor allem, ob die Pasten ausreichend Fluorid enthalten. Das Mineral macht die Zähne widerstandsfähiger gegen Säuren und kann Bakterien auf Abstand halten.

Die verschiedenen Zahnpasten unterteilt die Stiftung Warentest noch einmal in solche mit hohem mittlerem oder niedrigem Abrieb. Wie gut eine Paste Verfärbungen der Zähne etwa durch Kaffee, Tee oder Nikotin entfernt, hängt unter anderem von der Aggressivität der Putzkörper in der Zahnpasta ab. Auf vielen Packungen findet man allerdings gar keinen Hinweis, wie abrasiv, so der Fachausdruck, eine Zahnpasta ist.

Pasten mit hoher Abrasivität können den Zahn bei freiliegenden Zahnhälsen oder Rillen und Furchen im Zahn beschädigen. Entscheidend ist die richtige Putztechnik: Am besten mit einem eigenen, immer gleichen System, so dass alle Zahnflächen gereinigt werden. Die Bürste wird schräg auf die Zähne aufgesetzt, etwa im 45-Grad-Winkel am Zahnfleischsaum entlang. Und dann mit rüttelnden Bewegungen von rot nach weiß fegen, empfehlen die Tester. Vermeiden sollte man zu starken Druck, durch den die Zähne beschädigt werden können.

Sehr gut putzen mit Discounter-Paste

Die mit "sehr gut" bewertete Lidl-Zahnpasta war die einzige Paste mit hohem Abrieb im Test. Diese Paste empfehlen die Tester aber nur Menschen mit makellosen Zähnen. Bei den Produkten mit mittlerer Abrasivität bekamen "Colgate Total Original", "Elmex Kariesschutz", "Meridol Zahnpasta" und "Rossmann/Perlodent Med" die Bestnote. Gut bewerteten die Tester "Dentagard Original", "Elkadent Aktiv 3", "Signal Sport Gel Extra Frisch" und "Dr. Best Multi Aktiv".

Solche Zahnpasten empfehlen die Tester Kunden, deren Zähne empfindlich sind oder kleine Defekte aufweisen. Unter den Pasten mit niedrigem oder sehr niedrigem Abrieb gab es für fast alle Produkte ein "gut": "Aldi (Nord) Eurodont Aktiv Fresh", "Blend-a-med complete plus extra frisch", "dm/Donto Dent Fluor Fresh", "Kaufland/K-Classic Dental Fresh", "Aldi (Süd)/Friscodent Multicare", "Aronal Zahnfleischschutz" und "Theramed Original".

Alle mit "gut" oder "sehr gut" bewerteten Zahnpasten enthielten mindestens 1450 ppm (Parts per Million = Teile von einer Million) Fluorid. Die einzige Zahnpasta im Test, die ein auf der Packung gegebenes Werbeversprechen zum Schutz vor Parodontitis durch einen unterstütztenden Wirkstoff einlöste, war "Colgate Total Original".

Am schlechtesten schnitten drei Produkte ab, die kein Fluorid enthalten und daher nach Meinung der Stiftung-Warentest-Prüfer auch nicht ausreichend vor Karies schützen können. "Lavera Neutral Zahngel", "Sante Dental med Zahncreme Myrrhe" und "Ajona Medizinisches Zahncremekonzentrat" fielen deswegen durch.

Über Fluorid kursieren Verschwörungstheorien, wonach das Mineral krebserregend sein soll. Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise. In einigen Ländern wird das Trinkwasser flouridiert, ohne dass ein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt worden wäre. In der Dosierung, in der Fluorid üblicherweise in den Körper gelangt, ist der Stoff auch nicht giftig - selbst wenn man die Zahnpasta versehentlich verschluckt.

Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Zähne durch den richtigen Einsatz von Zahnseide zusätzlich schützen können.

dba

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH