Kariesprophylaxe: Stiftung Warentest lobt Billig-Zahnpasta

Zahnschmerzen kann man einfach vorbeugen - und das auch noch günstig. Die Stiftung Warentest hat 20 Zahnpasten untersucht und stellt fest: Gute Kariesprophylaxe muss nicht mehr als 2,40 Euro im Jahr kosten. Dreimal gab es ein "mangelhaft" für Zahnpasta ohne den Schutzstoff Fluorid.

Zahnpasta: Beim Einkaufen den Abrieb beachten - wenn er auf der Packung steht Zur Großansicht
dapd

Zahnpasta: Beim Einkaufen den Abrieb beachten - wenn er auf der Packung steht

Vor wenigen Dingen fürchten sich die Menschen in solcher Eintracht wie vor dem Zahnarzt. Bei manch einem reicht der Gedanke an den Bohrer, um kalte Schweißausbrüche zu provozieren. Richtig lässig bleibt auf dem Behandlungsstuhl kaum jemand, wenn sich ein vermummtes Gesicht ins Blickfeld beugt, merkwürdige Buchstaben-Zahlen-Kombinationen murmelt und die bedrohlich surrende Fräse näherkommt.

Ein Großteil dieser Schreckenserlebnisse ist vermeidbar, wenn man sich regelmäßig und mit der richtigen Technik die Zähne putzt. Die Kariesprophylaxe ist unschlagbar günstig, zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest: Die günstigste Paste, der die Tester ein "sehr gut" verliehen haben, kostet bei durchschnittlichem Verbrauch 2,40 Euro - im Jahr.

Die peniblen Tester veranschlagten pro Person und Tag einen Zahnpastaverbrauch von zwei Millilitern bei zweimal täglichem Putzen. In der Tube "Dentalux Complex 3 Mint Fresh" vom Discounter Lidl sind 125 Milliliter enthalten, macht bei 39 Cent pro Tube eben jene 2,40 Euro. Ähnlich gut schützen Markenprodukte von Colgate, Elmex oder Meridol, allerdings für bis zu 30 Euro jährlich. Angesichts der Folgekosten und drohenden Schmerzen bei Karies sollte selbst der Markenaufschlag keine abschreckende Wirkung entfalten.

Mangelhaft ohne Fluorid

Insgesamt testete die Stiftung 20 Zahnpasten, fünf erhielten die Bestnote "sehr gut", zwölf ein "gut", drei schnitten "mangelhaft" ab. Entscheidend für die Bewertung war vor allem, ob die Pasten ausreichend Fluorid enthalten. Das Mineral macht die Zähne widerstandsfähiger gegen Säuren und kann Bakterien auf Abstand halten.

Die verschiedenen Zahnpasten unterteilt die Stiftung Warentest noch einmal in solche mit hohem mittlerem oder niedrigem Abrieb. Wie gut eine Paste Verfärbungen der Zähne etwa durch Kaffee, Tee oder Nikotin entfernt, hängt unter anderem von der Aggressivität der Putzkörper in der Zahnpasta ab. Auf vielen Packungen findet man allerdings gar keinen Hinweis, wie abrasiv, so der Fachausdruck, eine Zahnpasta ist.

Pasten mit hoher Abrasivität können den Zahn bei freiliegenden Zahnhälsen oder Rillen und Furchen im Zahn beschädigen. Entscheidend ist die richtige Putztechnik: Am besten mit einem eigenen, immer gleichen System, so dass alle Zahnflächen gereinigt werden. Die Bürste wird schräg auf die Zähne aufgesetzt, etwa im 45-Grad-Winkel am Zahnfleischsaum entlang. Und dann mit rüttelnden Bewegungen von rot nach weiß fegen, empfehlen die Tester. Vermeiden sollte man zu starken Druck, durch den die Zähne beschädigt werden können.

Sehr gut putzen mit Discounter-Paste

Die mit "sehr gut" bewertete Lidl-Zahnpasta war die einzige Paste mit hohem Abrieb im Test. Diese Paste empfehlen die Tester aber nur Menschen mit makellosen Zähnen. Bei den Produkten mit mittlerer Abrasivität bekamen "Colgate Total Original", "Elmex Kariesschutz", "Meridol Zahnpasta" und "Rossmann/Perlodent Med" die Bestnote. Gut bewerteten die Tester "Dentagard Original", "Elkadent Aktiv 3", "Signal Sport Gel Extra Frisch" und "Dr. Best Multi Aktiv".

Solche Zahnpasten empfehlen die Tester Kunden, deren Zähne empfindlich sind oder kleine Defekte aufweisen. Unter den Pasten mit niedrigem oder sehr niedrigem Abrieb gab es für fast alle Produkte ein "gut": "Aldi (Nord) Eurodont Aktiv Fresh", "Blend-a-med complete plus extra frisch", "dm/Donto Dent Fluor Fresh", "Kaufland/K-Classic Dental Fresh", "Aldi (Süd)/Friscodent Multicare", "Aronal Zahnfleischschutz" und "Theramed Original".

Alle mit "gut" oder "sehr gut" bewerteten Zahnpasten enthielten mindestens 1450 ppm (Parts per Million = Teile von einer Million) Fluorid. Die einzige Zahnpasta im Test, die ein auf der Packung gegebenes Werbeversprechen zum Schutz vor Parodontitis durch einen unterstütztenden Wirkstoff einlöste, war "Colgate Total Original".

Am schlechtesten schnitten drei Produkte ab, die kein Fluorid enthalten und daher nach Meinung der Stiftung-Warentest-Prüfer auch nicht ausreichend vor Karies schützen können. "Lavera Neutral Zahngel", "Sante Dental med Zahncreme Myrrhe" und "Ajona Medizinisches Zahncremekonzentrat" fielen deswegen durch.

Über Fluorid kursieren Verschwörungstheorien, wonach das Mineral krebserregend sein soll. Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise. In einigen Ländern wird das Trinkwasser flouridiert, ohne dass ein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt worden wäre. In der Dosierung, in der Fluorid üblicherweise in den Körper gelangt, ist der Stoff auch nicht giftig - selbst wenn man die Zahnpasta versehentlich verschluckt.

Schützen Sie Ihre Zähne mit Hilfe von Zahnseide richtig
Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Zähne durch den richtigen Einsatz von Zahnseide zusätzlich schützen können.

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insgesamt 168 Beiträge
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1. Verschwörungstheoretiker
huw00 21.02.2013
Na dann wird es ja auch hier nicht lange dauern, bis die ersten Verschwörungstheoretiker aus ihren Löchern kriechen und beteuern, seit sie ihre Zähne nur noch mit Sand putzen, ginge es ihnen viel besser als mit der giftigen Fluoridschmiere... Außerdem hörten sie nun weniger Stimmen im Kopf und die Gedankenkontrolle der Regierung lässt sich jetzt mit einem einfachen selbstgebastelten Helm aus Alufolie abschirmen.
2. Flurid ist recht umstritten ...
Dene 21.02.2013
... und der Mythos, dass die Zähne davon "gehärtet" werden, sehr umstritten, da es dafür keinen glaubwürden Nachweis oder eine Studie gibt. Zumindest gibt es genug Studien, die das Gegenteil behaupten ... ähnlich umstritten wie das Iod im Speisesalz ...
3. Viele Markenhersteller betrügen zur Zeit
donnerfalke 21.02.2013
Sei es Lebensmittelproduktion oder was anderes. Markenhersteller produzieren billig, verkaufen es aber zum höheren Preis. Das ist das ganze Problem.
4. Ist das jetzt Werbung?
totsuzen 21.02.2013
Ich hab die "Sante Dental med Zahncreme Myrrhe" 1 Jahr lang benutzt und kein Karies bekommen. Zahnstein war auch keiner und mein jahrelanges Zahnfleischbluten ist verschwunden. Man darf sie allerdings nicht mit der elektrischen benutzen, sonst ist der Abrieb zu hoch.
5. Und was ist mit Xylitol?
Alfons Emsig 21.02.2013
Während Xylitol (auch Xylit) in vielen Industrieländern schon seit Jahrzehnten bei nachgewiesener Wirkung buchstäblich in aller Munde ist, verliert dieser Artikel leider kein Wort darüber. Kann es das Fluorid ersetzen, unterstützt es dessen Wirkung oder ist es sogar wirksamer? Was ist mit der Kinderzahnpasta, die wir zu Hause verwenden, und die laut Verpackung Xylit enthält? Klasse Produkt oder bedenklich? Die Quintessenz, je mehr Fluorid desto besser, ist doch der wiss. Stand von - geschätzt - 1970 ... Ich bitte um Aufklärung!
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Karies
Bakterienschaden
Bakterien im Mund sind völlig normal: Sie gehören zur Mundflora dazu, mehr als 700 verschiedene Bakterienarten tummeln sich in der Mundhöhle. Ist die Mundflora im Gleichgewicht, schützen die dort angesiedelten Bakterien sogar vor Infektionen mit krankmachenden Erregern.

Nach dem Essen bilden die Bakterien gemeinsam mit Speichel einen Biofilm auf den Zähnen, Plaque genannt. Dieser muss regelmäßig entfernt werden. Ansonsten vermehren sich vor allem jene Bakterien, die Karies verursachen können, insbesondere dann, wenn ihnen unbegrenzt Zucker zur Verfügung steht, denn der unterstützt ihren Stoffwechsel. Die Karieskeime, zu denen unter anderem Lactobazillen und verschiedene Streptokokken zählen, produzieren organische Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Karies entsteht.
Vorstufen
Bevor das berühmte Loch im Zahn auftritt, fallen bereits weiße Flecken auf den Zähnen auf. Das sind Stellen, an denen dem Zahn Mineralien fehlen, was noch heilbar ist. Unter anderem deswegen wird Zahnpasta Fluorid zugesetzt: Das Fluorid soll dafür sorgen, dass Mineralien aus dem Speichel wieder in den Zahnschmelz eingebaut werden.
Gefährdete Zähne
Bei Kleinkindern entsteht Karies vor allem am Zahnfleischrand an den oberen Schneidezähnen, Zahnärzte nennen das Nuckelflaschenkaries. Im Kindesalter sind dagegen vor allem die Kauflächen der Backenzähne betroffen. Bei Erwachsenen schließlich sitzt Karies in engen Zahnzwischenräumen. Erst im Seniorenalter kommt es häufiger zu Wurzelkaries an freiligenden Zahnhälsen.
Folgen
Neben unangenehmen Behandlungen beim Zahnarzt droht der Verlust der kariösen Zähne. Je früher der Zahn behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, ihn erhalten zu können. Dabei versucht der Zahnarzt zunächst, die Bakterien daran zu hindern, sich weiter auszubreiten. Der Zahnarzt alleine kann allerdings nicht viel bewirken, wenn der Patient nicht mitmacht: Eine gute Mundhygiene ist Pflicht, damit der Zahn gerettet werden kann.
Vorbeugung
Zahnärzte nennen drei Säulen der Prophylaxe: eine gesunde Ernährung, die gründliche Mundhygiene und regelmäßige Fluoridierung. Zusätzlich gibt es in vielen Zahnarztpraxen Angebote für eine professionelle Zahnreinigung.
Schutz bei Kleinkindern
Stillen gilt als natürlicher Schutz vor Karies. Geht das nicht, kommt es auf die richtigen Sauger an. Die Flasche sollten Kleinkinder nur zu den Mahlzeiten bekommen oder zum Durstlöschen. Und auch dann sollten nur ungesüßte Getränke in der Flasche sein: Wasser oder Tee. Sobald das Kind Zähne hat, sollten man diese mit einer fluoridhaltigen Kleinkindzahnpasta putzen. Sie sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Schutz bei Kindern bis sechs Jahren
Kinder, die ihre Milchzähne haben und selbst Zähne putzen können, sollten das zweimal täglich mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta tun. Damit die Zähne komplett geputzt werden, empfehlen Zahnärzte die "KAI-Methode": zuerst die Kauflächen, dann die Außen- und die Innenseite der Zähne.

Die Zahnpasta für Kleinkinder sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Zähneputzen bei Schulkindern
Mit den ersten bleibenden Zähnen gibt es auch eine neue Zahnpasta für die Kinder: 1500 ppm Fluorid empfehlen Zahnärzte, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube. Geputzt wird weiterhin zweimal täglich mindestens zwei Minuten. Weil die bleibenden Zähne enger stehen als die Milchzähne, sollten sich Schulkinder an den Gebrauch von Zahnseide gewöhnen. Einmal täglich empfehlen Zahnärzte.
Tipps für Erwachsene
Natürlich müssen auch Erwachsene nach der KAI-Regel zweimal täglich Zähne putzen. Wichtig ist aber vor allem, die Zahnzwischenräume mit Zahnseide zu reinigen. Gepflegt werden sollte auch das Zahnfleisch, sonst entstehen Schäden am Zahnhals - wo Karies sich schneller ausbreiten kann.
Zahnbürste und Zahnpasta
Die Zahnbürste sollte man alle drei Monate wechseln. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, wenn Sie unsicher sind, welche die richtige für Sie ist.

Die Zahnpasta sollte einen Fluoridgehalt von 1.400 bis 1.500 ppm haben, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
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