Wir machen uns mal frei: Steiler Zahn

Strahlend weiße Zähne: Nicht immer nur eine Frage der Pflege Zur Großansicht
Getty Images

Strahlend weiße Zähne: Nicht immer nur eine Frage der Pflege

Karies? Hatte er noch nie. Parodontose? Kennt er nur aus der TV-Werbung. Kolumnist Jens Lubbadeh hat das perfekte Gebiss, Besuche beim Zahnarzt sind für ihn nur verschwendete Zeit. Was ist sein Geheimnis?

Besuche beim Zahnarzt sind ja eigentlich eher negativ konnotiert. Nicht aber für mich. Für mich sind sie so aufregend wie Achterbahn-Fahren auf dem Hamburger Dom oder die Wildwasserbahn im Phantasialand. Alle zehn Jahre mache ich mir den Spaß. Ich weiß, das ist viel zu selten. Aber Sie müssen wissen - ich kann mir das leisten.

Wie ich das schaffe? Jedenfalls nicht, indem ich mein Leben schokoladenfrei gestalte und zehnmal täglich Zähne putze. Ich hatte einfach Glück im großen Spiel der Evolution. Bei den Genen für guten Speichel habe ich einen Sechser im Lotto erwischt. Ich bin plombenfrei seit 38 Jahren. Karies und Parodontose kenne ich nur aus der Zahnpasta-Werbung. Und Kronen sind für mich Dinge, die Könige auf ihrem Kopf tragen. Würden wir noch in der Steinzeit leben, würden Sie aussterben und ich meine Gene weitergeben. Heute erspart mir mein Erbgut immerhin noch viel Kummer und Pein.

Um Sie zu beruhigen - dafür habe ich in den Kategorien Immunsystem und Rücken richtiges Verlierer-Erbgut zugeteilt bekommen. Ich habe fast das ganze Jahr über Heuschnupfen, muss einen großen Bogen um Katzen, Hunde, Pferde und Milben machen. Und wenn ich länger als zwei Stunden stehe, kriege ich Rücken.

Zwei Zahnarztkategorien: Die Genervten und die Aufschwatzer

Wenn ich ins gehe, mache ich das nur, um mir kalkulierten Nervenkitzel zu verschaffen. Ich weiß ja, dass mir dort nicht wirklich etwas passieren kann. Spaß macht es trotzdem. Gerade erst vergangenes Jahr habe ich ihn mir wieder gegönnt. Für gewöhnlich reagieren Zahnärzte auf mich auf zweierlei Weise: Entweder sind sie genervt und bitten mich, nicht wiederzukommen. Oder sie versuchen, mir Angst zu machen und mir Zusatzbehandlungen und überteuerte Zahnreinigungen aufzuschwatzen.

Was für mich unterhaltsamer Nervenkitzel ist, ist für viele andere in meinem Bekanntenkreis bitterer und häufig genug auch noch blutiger Ernst. Wenn sie von den großen Spritzen und den sirrenden Bohrern berichten, die die Männer in den weißen Kitteln in ihre Zahnlöcher rammen, muss ich jedes Mal an den "Marathon-Mann" denken. Dann bin ich der Evolution dankbar für die Gnade meiner guten Gene.

Tatsächlich kann ich nur auf ein einziges schockierendes Zahnarzterlebnis zurückblicken - an dem aber nicht meine Zähne, sondern mein Kieferorthopäde Schuld trägt. Vor 25 Jahren entschied dieser, dass meine vier kerngesunden Weisheitszähne seiner Zahnspange im Weg waren. Hätte ich geahnt, was mich beim Zahnarzt erwarten sollte, hätte ich die Zahnspangenbehandlung sofort abgebrochen.

Das einzige schlechte Erlebnis: Die Weisheitszahn-Qual

Die Zähne saßen so fest, dass der Zahnarzt irgendwann die Zange zu Hilfe nehmen musste und sich mit seinem Fuß gegen meinen Stuhl stemmte, um genügend Kraft beim Ziehen aufzubringen. Irgendwann hatte der völlig erschöpfte Mann zwei Zähne und einen halben Liter Blut aus mir herausgeholt. Für die restlichen beiden hatten weder er noch ich die Kraft, weswegen sie mir bei einem anderen Termin entfernt werden sollten. Dazu kam es dann aber nicht mehr. Zu verbissen war im Wortsinn mein Widerstand.

Doch das ist lange her. Zu lange, denke ich manchmal. Was denn, wenn mich die Evolution irgendwann doch noch im Stich lässt? Ob ich mit 67 noch lernen werde, die Plombe zu lieben? Dann mache ich im Rentenalter eine Erfahrung, die andere mit normalen Genen spätestens mit 13 gemacht haben. Sehr ungern würde ich mich dann im Zahnarztstuhl lächerlicher anstellen als ein Pubertierender. Auch deswegen gehe ich noch ab und zu zum Zahnarzt - um mich wenigstens ein bisschen abzuhärten.

Über meine Luxuszähne rede ich eigentlich nicht so gerne. Im Bekanntenkreis schon gar nicht - zu viele Neider. Und wage ich es mal, auf das abendliche Zähneputzen vor dem Zubettgehen zu verzichten - aus reiner Faulheit natürlich - geht meine Freundin regelmäßig in die Luft, spätestens, wenn ich dann ein "Ich kann es mir ja leisten" bringe. "Zahnarroganz" wirft sie mir dann vor. So einer wie ich wisse den Segen seiner Superzähne ja gar nicht zu schätzen.

Ich versuche daran zu denken. Bei meinem nächsten Zahnarztbesuch im Jahr 2022.

Karies
Bakterienschaden
Bakterien im Mund sind völlig normal: Sie gehören zur Mundflora dazu, mehr als 700 verschiedene Bakterienarten tummeln sich in der Mundhöhle. Ist die Mundflora im Gleichgewicht, schützen die dort angesiedelten Bakterien sogar vor Infektionen mit krankmachenden Erregern.

Nach dem Essen bilden die Bakterien gemeinsam mit Speichel einen Biofilm auf den Zähnen, Plaque genannt. Dieser muss regelmäßig entfernt werden. Ansonsten vermehren sich vor allem jene Bakterien, die Karies verursachen können, insbesondere dann, wenn ihnen unbegrenzt Zucker zur Verfügung steht, denn der unterstützt ihren Stoffwechsel. Die Karieskeime, zu denen unter anderem Lactobazillen und verschiedene Streptokokken zählen, produzieren organische Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Karies entsteht.
Vorstufen
Bevor das berühmte Loch im Zahn auftritt, fallen bereits weiße Flecken auf den Zähnen auf. Das sind Stellen, an denen dem Zahn Mineralien fehlen, was noch heilbar ist. Unter anderem deswegen wird Zahnpasta Fluorid zugesetzt: Das Fluorid soll dafür sorgen, dass Mineralien aus dem Speichel wieder in den Zahnschmelz eingebaut werden.
Gefährdete Zähne
Bei Kleinkindern entsteht Karies vor allem am Zahnfleischrand an den oberen Schneidezähnen, Zahnärzte nennen das Nuckelflaschenkaries. Im Kindesalter sind dagegen vor allem die Kauflächen der Backenzähne betroffen. Bei Erwachsenen schließlich sitzt Karies in engen Zahnzwischenräumen. Erst im Seniorenalter kommt es häufiger zu Wurzelkaries an freiligenden Zahnhälsen.
Folgen
Neben unangenehmen Behandlungen beim Zahnarzt droht der Verlust der kariösen Zähne. Je früher der Zahn behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, ihn erhalten zu können. Dabei versucht der Zahnarzt zunächst, die Bakterien daran zu hindern, sich weiter auszubreiten. Der Zahnarzt alleine kann allerdings nicht viel bewirken, wenn der Patient nicht mitmacht: Eine gute Mundhygiene ist Pflicht, damit der Zahn gerettet werden kann.
Vorbeugung
Zahnärzte nennen drei Säulen der Prophylaxe: eine gesunde Ernährung, die gründliche Mundhygiene und regelmäßige Fluoridierung. Zusätzlich gibt es in vielen Zahnarztpraxen Angebote für eine professionelle Zahnreinigung.
Schutz bei Kleinkindern
Stillen gilt als natürlicher Schutz vor Karies. Geht das nicht, kommt es auf die richtigen Sauger an. Die Flasche sollten Kleinkinder nur zu den Mahlzeiten bekommen oder zum Durstlöschen. Und auch dann sollten nur ungesüßte Getränke in der Flasche sein: Wasser oder Tee. Sobald das Kind Zähne hat, sollten man diese mit einer fluoridhaltigen Kleinkindzahnpasta putzen. Sie sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Schutz bei Kindern bis sechs Jahren
Kinder, die ihre Milchzähne haben und selbst Zähne putzen können, sollten das zweimal täglich mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta tun. Damit die Zähne komplett geputzt werden, empfehlen Zahnärzte die "KAI-Methode": zuerst die Kauflächen, dann die Außen- und die Innenseite der Zähne.

Die Zahnpasta für Kleinkinder sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Zähneputzen bei Schulkindern
Mit den ersten bleibenden Zähnen gibt es auch eine neue Zahnpasta für die Kinder: 1500 ppm Fluorid empfehlen Zahnärzte, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube. Geputzt wird weiterhin zweimal täglich mindestens zwei Minuten. Weil die bleibenden Zähne enger stehen als die Milchzähne, sollten sich Schulkinder an den Gebrauch von Zahnseide gewöhnen. Einmal täglich empfehlen Zahnärzte.
Tipps für Erwachsene
Natürlich müssen auch Erwachsene nach der KAI-Regel zweimal täglich Zähne putzen. Wichtig ist aber vor allem, die Zahnzwischenräume mit Zahnseide zu reinigen. Gepflegt werden sollte auch das Zahnfleisch, sonst entstehen Schäden am Zahnhals - wo Karies sich schneller ausbreiten kann.
Zahnbürste und Zahnpasta
Die Zahnbürste sollte man alle drei Monate wechseln. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, wenn Sie unsicher sind, welche die richtige für Sie ist.

Die Zahnpasta sollte einen Fluoridgehalt von 1.400 bis 1.500 ppm haben, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Informationen

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Oberflächlicher als Zahnstein
banksy11 08.08.2012
Spiegel.de hat inzwischen bild.de Niveau erreicht.Wirklich schade, was hier abgeliefert wird. Spiegel berieselt sich selbst "Qualitätsjournalismus" und intensiven Recherchen und dann so was. Fehlt nur noch, dass sie bald Leute auffordern ihre eigenen Bilder von lokalen Katastrophen einzuschicken und dafür 10€ zu bezahlen. Dieser Artikel hätte bei bild.de die 10€ verdient, denn er ist oberflächlicher als Zahnstein.
2. mein Großvater
Augustusrex 08.08.2012
ist 82 geworden und er hatte keine Plombe und bis auf zwei alle Zähne bis an sein Lebensende.
3. Was Ihnen der Zahnarzt nicht erzählt...
DerScheinTrügt 08.08.2012
ist, daß es ganz leicht ist, Karies zu verhüten und eventuell sogar einen Rückbau der Kariesschäden zu erreichen, indem man die Mundpflege mit Xylitol (Xylitzucker) betreibt. Er blockiert die Absorption der Nährstoffe im Metabolismus des die Karies verursachenden Streptococcus mutans in Plaque und Speichel, was nach einiger Zeit zum "Aussterben" dieser Bakterien in der Mundhöhle führt. Desweiteren gibt es noch eine Reihe weiterer Vorteile dieser Vorgehensweise, wie z. Bsp. den Abbau von Zahnstein. Wie beim Streptococcus Aureus, der für die Magengeschwüre verantwortlich ist und dessen Kausalität die deutsche Ärzteschaft lange erfolgreich geheimgehalten hat, um den "Markt" für Medikamente und Operationen nicht negativ zu beeinträchtigen, kann man wohl ohne weiteres davon ausgehen, daß auch in diesem Fall die wirtschaftlichen Interesse der Zahnmedizinlobby Vorrang vor der Gesundheit der Bürger haben - leider. Weitere (belegte) Informationen hier: Zähne und Zahnfleisch natürlich und holistisch heilen: zu Ursachen, Prävention (Vorbeugung) und Rückgängigmachung von Karies und Parodontalerkrankungen dank Selbstbehandlung ohne Gift, und Unabhängigkeit von Zahnärzten (http://www.healingteethnaturally.com/index-de.html)
4. oberflächlich
inga_w 08.08.2012
"Über meine Luxuszähne rede ich eigentlich nicht gerne". Lieber Autor, ich lese noch viel weniger gerne davon. Das ist informationsfreies, selbstbeweihräucherndes, nicht mal witziges Geplapper. Fällt ihnen zum Thema Gesundheit nichts besseres ein?
5.
Völligegal 08.08.2012
Zitat von DerScheinTrügtist, daß es ganz leicht ist, Karies zu verhüten und eventuell sogar einen Rückbau der Kariesschäden zu erreichen, indem man die Mundpflege mit Xylitol (Xylitzucker) betreibt. Er blockiert die Absorption der Nährstoffe im Metabolismus des die Karies verursachenden Streptococcus mutans in Plaque und Speichel, was nach einiger Zeit zum "Aussterben" dieser Bakterien in der .....
Abgesehen von der unsinnigen Verschwörungstheorie bringen Sie auch noch Falsches unter die Leute. Helicobacter pylori ist der Keim, der zu Magengeschwüren führt. Und zu dem Link fällt mir nun wirklich nichts mehr ein... Beste Grüße
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
RSS
alles zum Thema Wir machen uns mal frei
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 20 Kommentare
Jens Lubbadeh