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Zahnpflegekaugummis: Plastik im Mund

Kaugummi: Kombination aus Kunststoff, Süßstoffen und Aromen Zur Großansicht
Corbis

Kaugummi: Kombination aus Kunststoff, Süßstoffen und Aromen

Kolumnist Frederik Jötten ist abhängig von Zahnpflegekaugummi. Der enthält oft sogenannte Mikrogranulate und viel Chemie. Ein Gesundheitsrisiko?

Ich versuche, mich natürlich zu ernähren. Ich glaube, es gelingt mir ganz gut, bis auf eine Ausnahme: Kaugummi. Etwas Unnatürlicheres ist kaum vorstellbar - "Gum Base", die Grundsubstanz, besteht zu einem Großteil aus Kunststoff, wird also aus Erdöl hergestellt. Ich mache mir also einerseits Sorgen, ob ich mit Wasser aus PET-Flaschen Chemikalien aufnehme, kaue aber andererseits auf einem Erdölprodukt herum?

Es ist nicht so, dass konkret der Verdacht gegen die Kaumasse vorläge, sie sei gesundheitsschädlich. Ich denke nur manchmal: Zur Sicherheit wäre es einfach besser, nicht Stunden am Tag darauf herumzukauen.

Aber ich bin abhängig von Kaugummi. Ich benutze ihn nach jedem Essen, zumindest, wenn es mir gerade nicht möglich ist, die Zähne zu putzen. Nicht nur der Geschmack im Mund wird dadurch besser, Zanpflegekaugummi beugt auch Karies vor.

Eine alte Liebe

Schon als Kind habe ich Kaugummi gekaut - Hubba Bubba war verboten, genau wie die gelben, roten und weißen von Wrigleys, denn sie enthielten Zucker. Aber alles ohne galt als gut - zu Recht?

Stattdessen enthalten zuckerfreie Kaugummis Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe. Ich schaue auf die Zutatenliste meines Kaugummipäckchens: Sorbitol, Mannitol und Xylitol. Als ich über die Substanzen nachlese, bin ich erst einmal beruhigt. Sorbitol findet sich in Birnen, Pflaumen und Äpfeln, Mannitol in Pilzen und Oliven, Xylitol in Erdbeeren und Blumenkohl.

Die Zuckeralkohole, so der Sammelbegriff, können in hoher Dosis zwar abführend wirken, aber weil sie in so häufig gegessenen Naturprodukten vorkommen, sollte der menschliche Körper wohl grundsätzlich an sie gewöhnt sein.

Dann ist da noch der Süßstoff Aspartam, der einen schlechten Ruf hat - wohl zu Unrecht. Es handelt sich um eine Verbindung zweier Aminosäuren, die in jedem Lebewesen vorkommen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) stellte 2013 in einer umfassenden Bewertung fest, dass der Süßstoff in den heute verwendeten Mengen sicher sei.

Kunststoff im Kaugummi?

Mich verunsichert aber besonders, dass die Kaugummis, die ich benutze, seit einiger Zeit blaue Kügelchen enthalten. "Mikrogranulate - für spürbar saubere Zähne". Dafür bin ich natürlich auch. Als meine Mitbewohnerin mir einen dieser Kaugummis anbietet, sage ich: "Ich frage mich gerade, ob diese blauen Kügelchen aus Kunststoff bestehen, der sich irgendwo im Körper ablagert."

Julia verzieht das Gesicht und schenkt mir ihre Packung.

"Du kaust doch gar nicht so viel davon - was soll ich da sagen?", frage ich. "Ich habe am Tag fünf von diesen Kaugummis zwischen den Zähnen!"

"Ja, du bist bestimmt voll von kleinen Plastikkügelchen - die rieseln hin und her, wenn du dich bewegst", sagt Julia und imitiert ein Geräusch, wie wenn sich eine Kiste Murmeln über einen Holzboden ergießt.

Sie rüttelt an meiner Schulter und lacht - bei dieser Bewegung ist zumindest nichts dergleichen in mir zu hören!

"Hat dir beim Sex noch niemand gesagt, dass du rasselst?" Jetzt schüttelt sie sich vor Lachen.

"Es reicht", sage ich säuerlich.

Beim Hersteller Wrigleys teilt man mir mit, dass die Mikrogranulate aus Phosphaten bestehen, die sich beim Kauen des Kaugummis langsam auflösen.

Sage ich doch: Ich rassele nicht, höchstens, wenn ich schlimmen Husten habe.

KAUGUMMI UND SEINE INHALTSSTOFFE

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insgesamt 16 Beiträge
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    Seite 1    
1. Xylitol
Peter Boots 11.03.2015
Es waere schoen gewesen wenn der Autor bemerkt haette dass der Suesstoff Xylitol sehr gut vor Karies schuetzt, wie viele internationale Studien gezeigt haben. Sorbitol und Mannitol haben diese Eigenschaft nicht.
2.
haranet 11.03.2015
Es waere schoen gewesen, wenn dieser "Artikel" mehr Informationsnährwert beinhaltet hätte als ein Mikrogranulat.
3.
gerd.leineune 12.03.2015
Eine für mich sehr abstruse Gedankenwelt... daher ein paar Fragen an den Autor: Was für ekliges Zeug essen Sie, wenn Sie quasi mit dem letzten Bissen schon die Zahnbürste schwingen oder Kaugummis nachdrücken (Zitat: "Nicht nur der Geschmack im Mund wird dadurch besser, Zanpflegekaugummi beugt auch Karies vor."
4.
peroxyacetylnitrat 12.03.2015
Sorbitol, mannitol, xylitol und Aminosäuren wie asparaginsäure oder phenylalanin kommen also in der Natur vor und der Körper ist an sie gewöhnt, ergo sind sie ungefährlich. Gleichzeitig macht sich der Autor aber Gedanken um "Chemie", die im Kaugummi enthalten sein könnte, weil der ja aus Erdöl hergestellter Kunststoff ist (was nicht immer so "unnatürlich" war, die Ursprünge des Kaugummi liegen in birkenharz und anderen Pflanzensäften). Abgesehen davon, dass diese pejorative und vollkommen unwissenschaftliche Verwendung des Begriffs "Chemie" (für etwas unnatürliches, ungesundes, schlechtes, selbst wenn der unterschied nur darin besteht dass es im Labor hergestellt ist und nicht in der "Natur" und ansonsten die gleiche Substanz ist) eine Unsitte ist, kann man dann auch argumentieren dass Erdöl aus Kohlenwasserstoffen besteht, also Kohlenstoff und Wasserstoff. Das sind auch die hauptbestandteile von zuckern und fetten und anderen körpereigenen Bausteinen. Diese vereinfachte Aufteilung in böse Chemie und gute, weil in der Natur oder im Körper so oder so ähnlich vorkommende Substanzen, ist also im besten Falle populärwissenschaftlich...Als Kommentar ganz nett zu lesen, aber für die Rubrik Gesundheit oder Wissenschaft sollte mMn etwas mehr (fachliche) Substanz in dem Artikel vorhanden sein :-)
5. Ja was denn nun genau?
exe1310 12.03.2015
Ich habe das gelesen um etwas zu lernen und jetzt weiß ich dass der Autor nicht beim Sex rasselt? Danke!
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Frederik Jötten

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