Zecken Forscher warnen vor FSME-Infektionen in Norddeutschland

2017 erkrankten in Deutschland fast 500 Menschen nach Zeckenbissen an der gefährlichen Krankheit FSME. Sobald die Temperaturen im Frühling etwas steigen, werden die Blutsauger aktiv.

Zecke
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Zecken lauern im Unterholz, in Büschen oder in hohem Gras. Die Blutsauger werden schon bei niedrigen Plusgraden, also sieben bis zehn Grad Celsius, aktiv. Meist hat ein Zeckenbiss keine gesundheitlichen Folgen, doch in manchen Fällen übertragen die Tiere Erreger von Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wo kann ich von Zecken befallen werden?

Überall in der Natur - in Wäldern, Wiesen, Parks und Gärten. Zecken bevorzugen eine feuchte Umgebung. Sie können nicht springen und fallen auch nicht von Bäumen herab, sondern klettern auf Grashalme und Gebüsch. Streift man den Winzling im Vorbeigehen, klammert er sich fest.

Beim Schutz vor Zeckenbissen ist es deshalb sinnvoll, nach Ausflügen ins Grüne seinen Körper gründlich abzusuchen. Zecken laufen zunächst einige Zeit umher, bevor sie zubeißen. Lange Kleidung und in die Socken gesteckte Hosenbeine schützen ebenfalls vor den Tieren. Sprays gegen Zecken können helfen, halten die Tiere aber nicht sicher ab.

Wie sieht es mit der Infektionsgefahr aus?

Die Lyme-Borreliose ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung in Deutschland. Schätzungen gehen von mehreren Zehntausend Neuerkrankungen pro Jahr aus, die Diagnose ist schwierig.

Die Gefahr, sich mit FSME anzustecken, ist wesentlich geringer. Etwa 300 Menschen in Deutschland erkranken Experten zufolge jedes Jahr daran. 2017 waren es sogar knapp 500 Fälle - mehr als in den Jahren zuvor. Das ist aber nicht ungewöhnlich, die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr.

85 Prozent der FSME-Fälle traten in Bayern und Baden-Württemberg auf, berichten Forscher der Universität Hohenheim. Zuletzt haben sich demnach aber vermehrt Menschen an der niedersächsisch-niederländischen Grenze, in privaten Gärten in Berlin oder auch in Stadtparks in Mecklenburg-Vorpommern angesteckt. Dabei handelt es sich jeweils um wenige Einzelfälle.

Was sind die Symptome von FSME und Borreliose?

Treten nach einem Zeckenbiss Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen oder Abgeschlagenheit auf, kann das auf Borreliose hindeuten. Ein charakteristisches Merkmal ist zudem eine sogenannte Wanderröte: eine sich ringförmig ausbreitende Hautrötung. Sie tritt aber nicht bei jeder Borreliose auf. Später können Nervenlähmungen, Hirnhautentzündungen oder entzündliche Schwellungen der Knie- und Sprunggelenke auftreten.

Auch eine FSME-Infektion äußert sich zunächst mit grippeähnlichen Symptomen. Sie kann zu einer lebensgefährlichen Entzündung der Hirnhaut, des Hirns oder des Rückenmarks führen.

Kann man sich vorbeugend impfen lassen?

Gegen die Lyme-Borreliose gibt es keine Impfung, sie lässt sich aber mit Antibiotika behandeln. Gegen FSME kann man sich dagegen impfen lassen. Der Schutz ist vor allem für Menschen in Risikogebieten wichtig, denn FSME lässt sich nicht wirksam behandeln.

Wie kann man Zecken am besten entfernen?

Die Zecke sollte möglichst schnell mit einer Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange herausgezogen werden, um das Infektionsrisiko so niedrig wie möglich zu halten. Die Tiere können mehrere Tage lang Blut saugen. Zu einer Borreliose-Infektion kommt es innerhalb der ersten zwölf Stunden nach dem Biss nur selten. Die Borrelien sitzen im Darm der Zecke, es dauert eine Weile, bis sie in die Haut gelangen. FSME-Viren können dagegen schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Biss übertragen werden. Ist die Zecke entfernt, sollte man die Bissstelle desinfizieren.

Heißt es eigentlich Zeckenbiss oder Zeckenstich?

Gern wird diskutiert, ob Zecken beißen oder stechen. Da sie die Haut mit ihrem Mundwerkzeug öffnen und sich darin festhaken, um anschließend mit einer Art Saugrüssel das Blut aufzusaugen, sind beide Bezeichnungen denkbar.

wbr/dpa



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mittekwilli 06.03.2018
1. Was auch noch wichtig zu wissen ist
Zecken saugen in Ihrem Leben 2 mal. Dabei holen sich die Zecken die Krankheitserreger bei ihrem ersten Wirt. Das sind meist Nagetiere wie Mäuse und Ratten. Aus diesem Grund sind manche Grünstreifen von Wanderwegen ein besserer Infektionsort als gesunde Wälder oder bewirtschaftete Rasenflächen. Wenn die Zecke in der Haut sitzt lohnt sich also ein geübter Blick auf den Übeltäter. Ist es eine Nymphe (6 Beine kaum Stecknadelkopf groß) darf sich der Hypochonder schnell wieder entspannen.
alfor 06.03.2018
2. Larve: 6 Beine, Nymphe: 4 Beine!
Der Richtigkeit halber: Ixodes ricinus, die hierzulande häufigste Zecke, saugt insgesamt drei Mal: 1) als winzige Larve an kleinen Wirbeltieren. Danach häutet sie sich zur Nymphe. 2) als Nymphe an Warmblütern. Danach häutet sie sich zum Adultstadium. 3) als erwachsenes Tier (Adultstadium). Danach legt das Weibchen Eier und stirbt. Die Larve hat 3 Beinpaare, die Nymphe und das Adultstadium 4. Bei einer dieser präimaginalen Blutmahlzeiten muss sich die Zecke mit den Bakterien (Borrelien) oder Viren (FSME) infizieren, sofern es keine transovarielle Übertragung gibt. Neben Bakterien und Viren übertragen Zecken (Ixodes) auch Fadenwürmer (die sich im Reh weiter entwickeln), Trypanosomen (von Reh, Schaf, Ziege) und (andere Arten wie Rhipicephalus etc.) auch Babesien. Man sollte also schon vor diesen Blutsaugern schützen!
lau 06.03.2018
3. Panikmache
Jedes Jahr um diese Zeit, in erstaunlicher Regelmäßigkeit, kommen die Berichte über diese Zeckenhype. Möchte gerne wissen, wieviel Einfluss die Pharmaindustrie auf diesen Artikel genommen hat. Lächerliche 500 erkrankte sollen nun für einen milliardenschweren Umsatzzuwachs sorgen, immerhin, 500 sind ja fast 0,002% der Bevölkerung. Aber nur fast. Absolut lächerlich, habt ihr nix besseres zu berichten?
ullionair 06.03.2018
4. zecken sind scheisse...
Jedes mal wenn ich von einer Nymphe oder richtigen Zecke gestochen angebohrt oder sonst was werde hab ich mehr als 6 Wochen damit zu tun die Folgen zu beseitigen. Borreliose hatte ich auch schon. Diese fiesen kleinen Drecksdinger ... die sind zu nix nütze, braucht man nicht im Nahrungskreislauf und schon in Dinosaurierzeiten gehen sie allen auf den Sack....warum sterben die nicht aus? Also die stehen ganz oben auf MEINER persönlichen Liste für Ausrottung, Genauso wie Mücken, Bandwürmer, Pestbazillen usw....ABER Zecken sind aktuell ganz weit vorne....:)
varlex 06.03.2018
5.
Zitat von lauJedes Jahr um diese Zeit, in erstaunlicher Regelmäßigkeit, kommen die Berichte über diese Zeckenhype. Möchte gerne wissen, wieviel Einfluss die Pharmaindustrie auf diesen Artikel genommen hat. Lächerliche 500 erkrankte sollen nun für einen milliardenschweren Umsatzzuwachs sorgen, immerhin, 500 sind ja fast 0,002% der Bevölkerung. Aber nur fast. Absolut lächerlich, habt ihr nix besseres zu berichten?
Es geht nicht nur um FSME, die Borreliose ist in der Breite die schwerwiegendere und weitaus unbekanntere Erkrankung. Sie wird als eine der Hauptfaktoren für Kinderrheuma gesehen. Neben Entzündungen in den Gelenken, sind auch Entzündungen im Herz oder potentiell am Gehirn denkbar. Ich selbst war mit Borreliose infiziert und hatte eine Uveitis (Entzündung der Iris). Durch eine falsche Diagnose als Bindehautentzündung, hätte ich fast Einschränkungen der Sehkraft hinnehmen müssen. Der Nachbar meines Vaters erkrankte mit ~40 Jahren an Rheuma durch Borreliose. Er lebt seither unter Schmerzen und ist arbeitunfähig. Das fiese an Borreliose ist, dass man auch nie sicher sein kann, das Bakterium 100% aus dem Körper entfernt zu haben. Deshalb finde ich gut, dass regelmäßig auf diese Krankheit hingewiesen wird, vor allem, weil ein Großteil der Symptome nicht sehr spezifisch sind und eine Diagnose mit fortlaufender Erkrankung schwieriger wird. Auch bei Borreliose gilt, je eher man es behandelt, umso geringer ist der Schaden.
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