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Zeitumstellung: Auch die geschenkte Stunde kann für einen Mini-Jetlag sorgen

Eigentlich gibt es in der Nacht auf Sonntag eine Stunde geschenkt - trotzdem sorgt die Zeitumstellung jedes Jahr für Unmut. Sollte man sie einfach abschaffen?

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Hamburg - Am kommenden Sonntag ist es wieder soweit: In der Nacht endet die Sommerzeit, die Uhr wird in allen EU-Staaten von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt - das bedeutet eine Stunde mehr Schlaf. Anschließend ist es morgens etwas früher hell und abends früher dunkel.

60 Prozent der Umstellungsgegner sind dafür, dass ganzjährig nach der Sommerzeit gelebt wird. Allerdings ist die Winterzeit die Normalzeit. Warum die Sommerzeit so populär sei, könne man nur erahnen, sagt Elisabeth Thomas, Ärztin bei der DAK-Gesundheit. "Vielleicht ist es das Positive, was mit dem Sommer assoziiert wird." Aus medizinischer Sicht sei die Winterzeit für den Organismus jedoch gesünder. Denn für die innere Uhr sei ein heller Morgen wichtiger als ein heller Abend.

Ursprünglich wurde die Zeitumstellung eingeführt, um Energiekosten zu sparen. Nach der Ölkrise von 1973 sollte das Tageslicht eine Stunde genutzt werden. Allerdings ist der Effekt verschwindend gering, wie selbst Energiekonzerne und die EU einräumen. "Zwar knipsen die Bürgerinnen und Bürger im Sommer abends weniger häufig das Licht an, allerdings heizen sie im Frühjahr und im Herbst in den Morgenstunden auch mehr - das hebt sich gegenseitig auf", hieß es dazu später aus dem Umweltministerium. "Daran hat sich bis heute nichts geändert", bekräftigt ein Sprecher.

Die Zeitumstellung im Frühjahr ist problematischer

Ein Trostpflaster vor der bevorstehenden Umstellung: Sie ist weniger beeinträchtigend als die im Frühjahr. Der Wechsel in die Sommerzeit, bei der eine Stunde geraubt wird, bereitet eher Probleme: Plötzlich muss man sich wieder im Dunkeln aus dem Bett schälen, nachdem an den Tagen zuvor beim Klingeln des Weckers wenigstens schon Dämmerung herrschte. Die Folge kann ein Mini-Jetlag sein - verbunden mit vermehrter Müdigkeit und Schlafproblemen.

"Die Zeitumstellung sollte man abschaffen", sagt auch Chronobiologe Thomas Kantermann im Interview, der sich mit den Auswirkungen des modernen Lebensstils auf die innere Uhr beschäftigt. Er betont allerdings, dass die Umstellung auf die Sommerzeit mehr Probleme verursache. Vor allem Spättypen, also Menschen, deren Tagesrhythmus etwas nach hinten verschoben ist, könnten mit dieser extra Stunde Licht am Abend nicht umgehen. "Es führt dazu, dass wir weniger schlafen und die innere Uhr gestört ist."

Als 2013 die Umstellung auf Normalzeit anstand, wies die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin darauf hin, dass die veränderte Uhrzeit zu rund acht Prozent mehr Verkehrsunfällen führe. Auch die Krankenhauseinweisungen mit Verdacht auf Herzinfarkt stiegen an. Das Problem ist, dass die Menschen sich nicht so rasch an den anderen Hell-Dunkel-Rhythmus anpassen.

Doch obwohl sich inzwischen einige Politiker wie zum Beispiel Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner für ein Ende des Uhrumstellens einsetzen - ein Ende des halbjährlichen Rituals ist nicht in Sicht. Für die Bundesregierung sei eine Abschaffung derzeit kein Thema, sagte ihr Sprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Es sei auch nicht ersichtlich, wer dies auf europäischer Ebene ernsthaft betreibe. Für ein Ende der Umstellung bräuchte man eine Einigung aller 28 EU-Staaten, die "im Moment nicht in Aussicht" stehe.

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Geschichte der Sommerzeit
Die Idee
1784 fordert einer der US-Gründerväter, Benjamin Franklin, die Menschen sollten im Sommer früher aufstehen, um abends Kerzenlicht zu sparen. Eine Zeitumstellung schlägt 1907 erstmals der englische Geschäftsmann William Willet in seiner Schrift „The Waste of Daylight“ vor.
Deutschland als Pionier
Während des Ersten Weltkriegs stellen die Deutschen vorübergehend ihre Uhren vor, um Kohlenenergie zu sparen. Die Briten ziehen bald nach. 1940 ordnen die Nazis abermals eine Zeitumstellung in Deutschland an, die 1949 von den Alliierten wieder abgeschafft wird.
Die Ölkrise
In den Siebzigerjahren belebt die Ölkrise die alte Idee des Energiesparens neu. Während ein Nachbarland nach dem anderen die Zeitumstellung beschließt, zögert die Bundesrepublik allerdings, weil sie verschiedene Zeitzonen in Ost- und West-Deutschland fürchtet. Erst ab 1980 wird auch in der Bundesrepublik sommers früher aufgestanden.
Mitteleuropäische Sommerzeit
Seit 1996 ist die Zeitumstellung für alle EU-Staaten einheitlich geregelt. Bis dahin wurden die Uhren in den europäischen Ländern zu unterschiedlichen Terminen umgestellt.


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