Zigaretten Raucherkrebs tötet immer mehr Frauen

Die Deutschen rauchen täglich mehr als 225 Millionen Zigaretten. Obwohl der Konsum seit Jahren sinkt, sterben immer mehr Frauen an den Folgen des Rauchens. Gerade junge Erwachsene greifen zur Zigarette - und sind anfällig für Tabakwerbung.

Rauchende Frau: 14.500 tote Raucherinnen, 31.000 tote Raucher im Jahr 2011
DPA

Rauchende Frau: 14.500 tote Raucherinnen, 31.000 tote Raucher im Jahr 2011


Wiesbaden - Ein knappes Drittel der Deutschen raucht gelegentlich, das hat gerade die umfassende DEGS-Studie zur Gesundheit der Deutschen gezeigt. Doch noch etwas offenbaren die Daten des Robert Koch-Instituts: Es sind vor allem die jungen Erwachsenen, die zur Zigarette greifen. Dagegen hat sich die Zahl der rauchenden Teenager zwischen 2001 und 2011 halbiert, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA).

Die Folgen des Tabakmissbrauchs werden in einer am Dienstag vorgestellten Auswertung des Statistischen Bundesamts deutlich: Immer mehr Frauen sterben an den Folgen des Rauchens. Die Zunahme ist schockierend hoch, in den vergangenen 30 Jahren stieg die Zahl der Frauen, die an bösartigen Lungen-, Bronchial- oder Kehlkopftumoren starben, um 186 Prozent. 2011 töteten diese Krebsarten 14.500 Frauen in Deutschland.

Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg erklärt den Anstieg bei Frauen als "zeitverzögerte medizinische Reaktion auf das veränderte Rauchverhalten". Frauen bekämen "die Quittung" dafür, dass es heute deutlich mehr Raucherinnen gebe als vor 20 oder 30 Jahren. "Wenn Frauen rauchen wie Männer, werden sie auch sterben wie Männer", sagte die Expertin.

Im Zeitraum von 1981 bis 2011 stieg den Statistikern zufolge die Zahl der an typischerweise durch das Rauchen ausgelösten Krebsarten verstorbenen Männer nur um rund elf Prozent an. Trotzdem kamen insgesamt immer noch mehr Männer als Frauen durch Raucherkrebs ums Leben, im Jahr 2011 waren es bundesweit 31.000.

Dabei rauchen die Bundesbürger immer weniger Zigaretten: Der tägliche Konsum sank den Angaben zufolge von 363 Millionen Stück im Jahr 2003 auf 225 Millionen im Jahr 2012. Zigarren, Zigarillos und vor allem Feinschnitt wurden dagegen mehr geraucht - zehn statt neun Millionen Stück beziehungsweise 74 statt 51 Tonnen Feinschnitt. Der tatsächliche Verbrauch liegt noch höher, denn das Bundesamt erfasst nur die versteuerten Tabakwaren.

Einer Studie zufolge haben Frauen, die rauchen und zugleich viel Alkohol trinken, ein höheres Risiko für einen frühen Tod als Männer mit ähnlich starken Rauch- und Trinkgewohnheiten. Das fanden französische Forscher bei einer europaweiten Untersuchung anhand der Daten von rund 380.000 Menschen heraus. Frauen, die übermäßig Alkohol konsumieren, greifen demnach auch eher zur Zigarette als jene, die wenig oder keinen Alkohol trinken, berichten die Forscher im Fachmagazin "Bulletin épidémiologique hebdomadaire".

Jugendliche lassen sich von Tabakwerbung verführen

Die Werbung für Tabak verleitet Jugendliche einer weiteren Studie zufolge tatsächlich auch zum Rauchen. "Je mehr Tabakwerbung Jugendliche schauen, desto häufiger rauchen sie - und werden letztendlich abhängig", so die DAK-Gesundheit und das Kieler Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in der ebenfalls am Dienstag vorgestellten Untersuchung.

Für die Studie beobachteten Forscher rund 1300 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren zweieinhalb Jahre lang. Zu Beginn rauchten sie nicht. Nach zehn Kontakten mit Tabakwerbung aber habe sich das Risiko des täglichen Rauchens um 30 Prozent erhöht, hieß es. "Damit ist der Weg in eine Abhängigkeit getan", erklärte DAK-Suchtexperte Ralf Kremer. Insgesamt rauche jeder achte Jugendliche in Deutschland.

Erwachsenen droht nach Meinung von Arbeitsmedizinern trotz vielerorts geltender Rauchverbote Gefahr am Arbeitsplatz. "Nach wie vor sind viele Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz Passivrauch ausgesetzt", kritisiert der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte und verweist auf eine Studie der Europäischen Kommission. Demnach sind rund elf Prozent der deutschen Arbeitnehmer täglich Tabakrauch ausgesetzt, weitere zwölf Prozent rauchen an ihrem Arbeitsplatz gelegentlich passiv.

Der Rat von DKFZ-Expertin Pötschke-Langer ist klar: Aufhören. "Wir wissen vor allem aus Langzeitstudien aus England und den USA, dass ein Raucher im Vergleich zu einem Nichtraucher durchschnittlich gute zehn Jahre seines Lebens verliert und dass jeder zweite Raucher vorzeitig stirbt."

Mehr über das Rauchen: Rauchstopp vor dem Vierzigsten bringt neun Jahre mehr +++ Vier Wege aus der Nikotinsucht +++ Rauchstopp bringt Frauen zehn Lebensjahre mehr

dba/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
Minette 28.05.2013
1.
Laßt uns Raucher doch endlich allein entscheiden, ob oder ob nicht. Diese Bevormundung ist ebenso zum Kotzen wie die Panikschieberei mit Passivrauchen, Rauchverbot im Freien auf Spielplätzen und ähnlicher Unsinn mehr. Gehts noch? Übrigens finde ich die Raucher auf Straßen und vor Büros/Läden so furchtbar, es ist ekelerregend, daß Raucher zu solchem Verhalten gezwungen werden. Und die Tausenden von Kippen vor Ämtern und Büros - wiederlich!! Igitt, schämt Euch, Ihr die Ihr diese Sauerei verursacht mit Euern Verboten. Auf deutsch gesagt: Ihr habt nicht mehr alle Tassen im Schrank. Ich lasse mir meine Freiheit nicht von Euch Spinnern nehmen.
expat_ja 28.05.2013
2.
Zitat von sysopDPADie Deutschen rauchen täglich mehr als 225 Millionen Zigaretten. Obwohl der Konsum seit Jahren sinkt, sterben immer mehr Frauen an den Folgen des Rauchens. Gerade junge Erwachsene greifen zur Zigarette - und sind anfällig für Tabakwerbung. Zigaretten: Immer mehr Frauen sterben an Krebs durch Rauchen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/zigaretten-immer-mehr-frauen-sterben-an-krebs-durch-rauchen-a-902334.html)
Ich rauche (nach 20 Jahren mit einer Packung pro Tag) seit einer Woche nicht mehr und hoffe es bleibt dabei. Ich empfehle starken Rauchern sich beim Arzt über Bupropion informieren zu lassen. Die Tabakwerbung war es aber mit Sicherheit nicht, die mich zum Raucher gemacht hat. Es war einfach "cool" zu der Zeit und man will ja kein Aussenseiter sein. Ich weiss nicht ob man wirklich "anfällig" für eine bestimmte Werbung sein kann. Wenn das so ist, sollte auch Alkoholwerbung konsequent verbannt werden.
Andr.e 28.05.2013
3.
Zitat von MinetteLaßt uns Raucher doch endlich allein entscheiden, ob oder ob nicht. Diese Bevormundung ist ebenso zum Kotzen wie die Panikschieberei mit Passivrauchen, Rauchverbot im Freien auf Spielplätzen und ähnlicher Unsinn mehr. Gehts noch? Übrigens finde ich die Raucher auf Straßen und vor Büros/Läden so furchtbar, es ist ekelerregend, daß Raucher zu solchem Verhalten gezwungen werden. Und die Tausenden von Kippen vor Ämtern und Büros - wiederlich!! Igitt, schämt Euch, Ihr die Ihr diese Sauerei verursacht mit Euern Verboten. Auf deutsch gesagt: Ihr habt nicht mehr alle Tassen im Schrank. Ich lasse mir meine Freiheit nicht von Euch Spinnern nehmen.
Geh doch in Deine Wohnung, mach die Tür und alle Fenster zu und rauch, rauch, rauch...
nagevog 28.05.2013
4.
"Wenn Frauen rauchen wie Männer, werden sie auch sterben wie Männer" Damit ist eigentlich schon Alles gesagt...ergänzend könnte man noch anhängen: "Wenn Frauen leben wie Männer, werden sie auch sterben wie Männer"...nämlich im Schnitt 5 Jahre früher. Schöne neue, emanzipierte Welt ;-)
vinzenz 28.05.2013
5. eigenartig...
bedingt durch "nicht so ganz gesunden Lebensstil" , drastisch ausgedrückt, durch Rauchen, Fressen, Saufen, Faulenzen erkranken jährlich deutlich mehr Mitbürger als duch Lebensmittelskandale a la Dioxin-Eier etc.. nur.. was liest man vornehmlich in den Schlagzeilen? und wovor haben die Leute Angst? Krebs duch Handystrahlung, radioaktiver Verseuchung aus Fukushima, TSE vom BSE - Rind etc... .. vermutlich muss bei derartigen Schreckensmeldung immer gleich ne Angszigarrette gepafft werden?? wie selbstbetrügerisch wird mit sich selbst umgegangen?
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