Schwangere WHO rät zu Kondomen als Zika-Schutz

Mückenschutz und Kondome - zu dieser Kombination rät die WHO Frauen in den Zika-Gebieten. Gleichzeitig beruhigen die Experten: Die meisten Schwangeren würden gesunde Kinder zur Welt bringen.

Schwangere Frau in Recife: Risiko für ein behindertes Kind bleibt gering
REUTERS

Schwangere Frau in Recife: Risiko für ein behindertes Kind bleibt gering


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Frauen, sich auch vor einer möglichen sexuellen Ansteckung mit dem Zika-Virus zu schützen. Vor allem Schwangere sollten in den betroffenen Regionen ein Kondom benutzen, erklärten die Experten. Gleichzeitig versicherten sie, dass die meisten Frauen in den Zika-Gebieten gesunde Babys zur Welt bringen würden.

Das von Gelbfiebermücken übertragene Zika-Virus verbreitet sich aktuell rasant in Lateinamerika, in Brasilien haben sich bereits Hunderttausende infiziert. Zeitgleich stieg die Zahl der Babys an, die mit einem zu kleinen Kopf geboren wurden, einer sogenannten Mikrozephalie. Immer mehr spricht dafür, dass der Krankheitserreger die Ursache der Fehlbildungen ist.

Zika-Virus im Gehirn eines Fötus

Aktuell berichtet das "New England Journal of Medicine" vom Fall einer Slowenin, die im brasilianischen Natal gearbeitet hatte und schwanger geworden war. Nach ihrer Rückkehr nach Europa entwickelte sie die für Zika typischen Beschwerden. Untersuchungen zeigten schwere Schädelfehlbildungen bei dem Fötus, sie entschied sich zur Abtreibung. Mediziner fanden anschließend Zika-Viren im Gehirn des Fötus.

Immer mehr spricht auch für eine sexuelle Übertragbarkeit des Virus. Texas hatte einen Fall gemeldet, bei dem der Erreger durch einen Sexualkontakt weitergegeben wurde. Laut WHO braucht es jedoch noch mehr Belege, um sicher von einem Zusammenhang ausgehen zu können. Bei der Kondomempfehlung handelt es sich deshalb um eine Vorsichtsmaßnahme.

Selbst wenn sich die Theorie der sexuellen Ansteckung bestätigen sollte, gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Mücken die Hauptüberträger des Virus bleiben. Da es bislang keine Impfung und kein Medikament gegen Zika gibt, sollten Frauen sich in den betroffenen Gebieten möglichst gut vor Stichen der tagaktiven Moskitos schützen, so die WHO weiter.

Führende Forscher appellieren, Daten zu teilen

Endgültige Antworten auf die offenen Fragen können nur Daten geben, die aktuell in Brasilien gesammelt werden. In einem Aufruf appellierten 30 der weltweit größten wissenschaftlichen Institute und Journals, alle Daten und alle Expertise rund um das Virus so schnell wie möglich mit der Fachwelt zu teilen.

Zika wurde vor mehr als 60 Jahren entdeckt, galt aber bis vor Kurzem als ungefährlich. Rund 80 Prozent der Infizierten bemerken nichts von ihrer Ansteckung, bei den anderen kommt es in der Regel nur zu leichtem Fieber, einem Hautausschlag und geröteten Augen. Wer sich einmal angesteckt hat, ist gegen das Virus immun.

Mittlerweile hat der Zika-Ausbruch mehr als 30 Länder in Südamerika, Mittelamerika und der Karibik erreicht. Da es den Krankheitserreger in den Regionen zuvor nicht gegeben hat, hat das Immunsystem der Menschen dem Virus kaum etwas entgegenzusetzten. Aus diesem Grund kommt es zu extrem vielen Infektionen.

In Deutschland ist die Gelbfiebermücke nicht verbreitet. Experten sehen daher nahezu keine Infektionsgefahr.

Videointerview zum Zika-Virus: "In Deutschland muss sich niemand Sorgen machen"

DER SPIEGEL

irb/Reuters



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