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Virusausbruch in Südamerika: Drei Todesfälle von Zika-Patienten in Kolumbien gemeldet

Sambadrom in Rio de Janeiro: Behandlung mit Insektiziden Zur Großansicht
AP

Sambadrom in Rio de Janeiro: Behandlung mit Insektiziden

Todesfälle in Kolumbien, medizinischer Notstand in Florida - und Brasilien feiert Karneval. Ein Überblick zur Ausbreitung des Zika-Virus in Amerika.

In Kolumbien sollen erstmals drei Menschen im Zusammenhang mit dem Zika-Virus gestorben sein. Das teilte der kolumbianische Gesundheitsminister Alejandro Gaviria laut einem Bericht des "Guardian" mit. Bei zwei weiteren Todesfällen werde ein Zusammenhang mit Zika noch untersucht, so Gaviria.

Bei den Patienten habe sich in Folge der Viruserkrankung das seltene Guillain-Barré-Syndrom entwickelt - dabei kommt es zu Entzündungen des Nervensystems.

Gesundheitsexperten in Medellín sagten am Donnerstag, dass ein Mann und eine Frau in der vergangenen Woche gestorben waren, nachdem sie typische Symptome des Guillain-Barré-Syndroms gezeigt hätten. Dazu gehören Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen. Ein weiterer Mann soll Ende November gestorben sein. Bei allen konnte das Zika-Virus nachgewiesen werden.

Gaviria sprach von hundert Guillain-Barré-Fällen, die im Zusammenhang mit Zika stünden. Insgesamt schätzt Kolumbien die Zahl der Virusfälle auf 20.500 im Land. Dagegen seien laut dem Minister bisher noch keine Fälle von Mikrozephalie aufgetreten. "Das ist sehr rätselhaft", zitiert der "Gaurdian" Gaviria.

Das Guillain-Barré-Syndrom kommt sehr selten vor - jährlich erkranken nur etwa 1,2 bis 2,3 von 100.000 Personen, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Etwa fünf Prozent der Erkrankten sterben. Ein Zusammenhang zwischen Zika und der neurologischen Krankheit ist noch nicht stichfest belegt. Eine mögliche Verbindung wurde aber bereits bei einem Zika-Ausbruch 2013 in Französisch-Polynesien gezogen, wie ein Fallbericht nahelegt.

Karneval startet wie geplant

In Brasilien sind unterdessen die Vorbereitungen für den Karneval abgeschlossen. Am Freitag wird mit der Stadtschlüssel-Übergabe an König Momo und die Karnevalskönigin der Startschuss für den Karneval in Rio gegeben.

Für die Feiernden stellen die das Virus übertragenden Tigermücken ein großes Problem da: Tausende leichtbekleidete Menschen auf den Straßen, nackte Arme und Beine. Trotz Zika erwartet die Stadt eine Million Touristen, die Hotels seien wie im Vorjahr zu 85 Prozent ausgebucht. Das Sambádromo, wo das Defilee der großen Sambaschulen stattfindet, wurde mit Chemikalien besprüht, um die Moskitogefahr einzudämmen.

Der US-Bundesstaat Florida rief wegen des Auftretens des Virus in vier Counties (etwa: Landkreisen) den medizinischen Notstand aus. Zuvor waren neun Fälle von Zika-Infektionen in Florida bekanntgeworden. "Obwohl alle neun Fälle von Auslandsreisen stammen, müssen wir vorbereitet sein und eine Ausbreitung verhindern", sagte Gouverneur Rick Scott. In Texas war eine Zika-Übertragung beim Sex nachgewiesen worden.

Eine Infektionsgefahr mit dem Virus durch sexuellen Kontakt besteht möglicherweise auch nach dem Abklingen der akuten Symptome. Anders als im Blut könne das Virus in Sperma, aber auch in Urin in einigen Fällen über mehrere Wochen feststellbar und damit ansteckend sein, sagte Thomas Löscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Universität München. "Neu ist der Nachweis im Urin auch für die Diagnostik", sagte Löscher. "Vieles ist aber noch nicht klar."

In Brasilien soll außerdem auch eine Infektion durch eine Blutkonserve ausgelöst worden sein, die ein Patient mit einer Schusswunde in einem Krankenhaus in Campinas, einer Stadt nahe Sao Paulo, erhalten hatte. Der Vorfall ereignete sich aber bereits im April 2015.

Zudem ist erstmals bei einer Schwangeren in Europa das Virus festgestellt worden. Die Zika-Infektion wurde bei einer Frau in Katalonien diagnostiziert, wie das spanische Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte. Sie war zuvor in Kolumbien gewesen.

In Brasilien sollen bereits mehr als 1,5 Millionen Zika-Fälle aufgetreten sein. Das Virus steht im Verdacht, Schädelfehlbildungen bei Kindern im Mutterleib auszulösen. Die Babys kommen mit einem zu kleinen Kopf auf die Welt. Einen eindeutigen Beweis, dass der Erreger für die sogenannte Mikrozephalie verantwortlich ist, gibt es aber noch nicht.

Videointerview zum Zika-Virus: "In Deutschland muss sich niemand Sorgen machen"

Reuters/SPIEGEL ONLINE

joe/dpa/Reuters

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Zika-Virus in Brasilien: "Mein Herz hörte fast auf zu schlagen"
Das Zika-Virus - von der Entdeckung bis zum globalen Notstand
1947: Bei einem Rhesusaffen aus dem Zika-Wald in Uganda wird das Virus erstmals nachgewiesen.
  • 1952: Forscher finden den Erreger bei Menschen in Uganda und Tansania. In den folgenden Jahrzehnten werden jedoch nur vereinzelte Infektionen aus Afrika und Südasien bekannt.
  • 2007: Im Pazifik-Raum häufen sich Infektionen, es kommt zu Fällen auf den Yap-Inseln - damals waren offenbar sogar über 70 Prozent der Bevölkerung im Alter von über drei Jahren betroffen. Seit 2013 gibt es laut Weltgesundheitsorganisation weitere Fälle in Afrika und Amerika.
  • November 2015: Der erste bekannte große Ausbruch nimmt seinen Anfang in Brasilien. Eine Häufung von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen geht nach Ansicht von Fachleuten auf das Virus zurück.
  • Dezember 2015: Nach Angaben des brasilianischen Regierung sind die Verdachtsfälle im Land sprunghaft angestiegen.
  • Januar 2016: Die Behörden in Jamaika und Kolumbien empfehlen, geplante Schwangerschaften aufzuschieben. In Deutschland gab es seit 2013 mehrere Fälle bei zurückkehrenden Reisenden, davon mindestens fünf in Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch in Lateinamerika.
Februar 2016: Die Weltgesundheitsorganisation erklärt den globalen Gesundheitsnotstand. Es gebe eine starke räumliche und zeitliche Verbindung zwischen Zika und dem Auftreten von Schädelfehlbildungen


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