Frankreich Frau infiziert sich beim Sex mit Zika-Virus

Paris meldet den ersten Zika-Fall durch Sexualkontakt. Eine Frau hat sich bei ihrem Freund angesteckt, der zuvor nach Brasilien gereist war. Das Paar hatte trotz Warnungen auf Kondome verzichtet.

Moskito-Bekämpfung in der Karibik: Mücken sind noch immer die Hauptüberträger
AFP

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In Frankreich ist die landesweit erste Zika-Infektion durch ungeschützten Sex nachgewiesen worden. Eine Frau habe sich bei ihrem aus Brasilien zurückgekehrten Lebensgefährten angesteckt, bestätigte Frankreichs Gesundheitsministerin Marisol Touraine am Samstag. Der Infizierten, die nicht schwanger sei, gehe es gut. Sie lebe im Ballungsraum Paris.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Touristen vor Kurzem dazu geraten, nach ihrer Rückkehr aus Zika-Gebieten mindestens vier Wochen lang nur geschützten Sex zu haben oder abstinent zu bleiben. Schwangere und Bewohner gefährdeter Gegenden sollten diese Regeln generell befolgen. Erst vor wenigen Tagen hatte auch die französische Ministerin Rückkehrern den Gebrauch von Kondomen empfohlen.

Das Zika-Virus hat sich in den vergangenen Monaten rasant in Lateinamerika ausgebreitet, Brasilien ist besonders betroffen.

500 Fälle von Fehlbildungen bestätigt

Laut WHO infizieren sich "beinahe 100 Prozent" der Betroffenen durch den Stich bestimmter Mücken, die sexuelle Übertragung kommt nach bisherigem Kenntnisstand eher selten vor. Texas hatte Anfang Februar eine Infektion durch Geschlechtsverkehr gemeldet. Aktuell überprüfen die US-Behörden noch 14 neue Fälle, bei denen das Zika-Virus möglicherweise durch Sexualkontakte übertragen wurde. Mehrere der Betroffenen seien schwanger, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC mit.

Dann ist eine Infektion besonders gefährlich: Es gibt starke Hinweise darauf, dass das Zika-Virus zu Fehlbildungen bei Ungeborenen führt, wenn die Mutter infiziert ist. In Brasilien kamen seit Oktober auffällig viele Babys mit einem deutlich zu kleinen Kopf zur Welt, bei mehr als 500 wurde die Fehlbildung bislang offiziell bestätigt; bei Hunderten besteht der Verdacht. Zum Vergleich: Zwischen 2001 und 2014 gab es in Brasilien im Schnitt 163 bestätigte Fälle pro Jahr.

Für gesunde Nicht-Schwangere birgt das Virus hingegen kaum eine Gefahr. Rund 80 Prozent der Infizierten bemerken nichts von ihrer Ansteckung. Die anderen entwickeln in der Regel nur leichtes Fieber, einem Hautausschlag und geröteten Augen. Wer sich einmal angesteckt hat, ist gegen das Virus immun.

irb/dpa



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