Zika-Virus Jamaika rät Frauen, Schwangerschaften zu verschieben

Wer schwanger werden möchte, sollte in Jamaika noch einige Monate warten, dazu rät das Gesundheitsministerium. Grund dafür ist das sich rasant verbreitende Zika-Virus. Es soll schwere Fehlbildungen beim Kind verursachen.

Asiatische Tigermücke: Wahrscheinlich überträgt sie das Zika-Virus
AP

Asiatische Tigermücke: Wahrscheinlich überträgt sie das Zika-Virus


Jamaikas Gesundheitsminister rät Frauen dazu, ihre Schwangerschaftspläne um sechs bis zwölf Monate aufzuschieben. Anlass ist das von Mücken übertragene Zika-Virus, das zu Fieber und Ausschlag führen kann. Es steht zudem unter Verdacht, der Hirnentwicklung des Embryos zu schaden, wenn die Mutter infiziert ist.

Noch handelt es sich bei dem Aufruf um eine reine Vorsichtsmaßnahme: Auf Jamaika wurde noch keine Infektion mit dem von Mücken übertragenen Erreger diagnostiziert. Das Zika-Virus verbreitet sich aktuell jedoch rasant in Lateinamerika. In Brasilien bringen es Experten mit mittlerweile mehr als 3500 Babys in Verbindung, die mit Gehirnschäden geboren wurden.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Dengue-ähnliche Erreger auch Jamaika erreiche, sagte Gesundheitsminister Horace Dalley. Vor wenigen Tagen wurde das Virus zum ersten Mal im nahe gelegenen Haiti nachgewiesen.

Zu kleiner Kopf, zu kleines Hirn

Fotostrecke

15  Bilder
Zika-Virus in Brasilien: "Mein Herz hörte fast auf zu schlagen"
Auch wenn der endgültige Beleg noch fehlt, wachsen durch die steigenden Krankheitszahlen die Hinweise darauf, dass Zika Mikrozephalie verursacht. Bei der eigentlich sehr seltenen Fehlbildung entwickelt sich das Gehirn des Embryos im Mutterleib nicht richtig, die betroffenen Kinder kommen mit einem zu kleinen Kopf zur Welt.

Brasilien hat aufgrund der drastischen Zunahme der Fehlbildungen bereits den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Während 2014 nur 150 Kinder mit einer Mikrozephalie geboren wurden, waren es 2015 bereits 2700. Von einer Reise ins eigene Land wollen die Behörden aber nicht abraten. Nur Schwangere sollten vor einem Aufenthalt in Brasilien einen Arzt konsultieren, erklärte das brasilianische Gesundheitsministerium am Montag.

Mit der Fußball-WM nach Lateinamerika?

Die amerikanischen Behörden gehen einen Schritt weiter, sie haben eine Reisewarnung für Brasilien herausgegeben. Auch in Deutschland warnt das Auswärtige Amt in den aktuellen Sicherheitshinweisen zu Brasilien: "Schwangere sollten generell von vermeidbaren Reisen in Zika-Endemie-Gebiete absehen."

Bislang gibt es weder eine Impfung gegen das Zika-Virus, noch lässt es sich mit Medikamenten behandeln. Die beste Maßnahme ist, Mückenstiche durch Moskitonetze, Sprays und lange Kleidung so gut wie möglich zu verhindern. Das schützt auch vor anderen Infektionen, etwa dem in Brasilien weitverbreiteten und von Mücken übertragenen Dengue-Fieber.

Das Zika-Virus stammt ursprünglich aus Uganda, dort wurde es vor knapp 40 Jahren das erste Mal beschrieben. Einige Experten vermuten, dass die Fußball-WM 2014 den Erreger nach Lateinamerika gebracht hat. Auch Brasiliens Nachbarland Kolumbien meldete mehr als 11.000 Zika-Infektionen seit Oktober, darunter mindestens 459 bei Schwangeren.

irb/AP/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.