Sexuelle Übertragung Italiener trägt Zika-Virus sechs Monate im Sperma

Wer sich mit Zika infiziert hat, kann seinen Partner beim Sex mit dem Virus anstecken. Mediziner haben den Erreger jetzt sechs Monate lang im Sperma eines Italieners nachgewiesen - der bisherige Rekord.

Laboruntersuchung zum Zika-Virus (Archivbild)
REUTERS

Laboruntersuchung zum Zika-Virus (Archivbild)


Ein Italiener hat das Zika-Virus ein halbes Jahr lang in seinem Sperma getragen - länger, als alle zuvor Untersuchten. Es bestehe die Möglichkeit, dass sich das Virus im Genitaltrakt des 30-Jährigen selbst reproduziert habe, schreiben die Forscher des Instituts Spallanzani in Rom im Fachmagazin "Eurosurveillance".

Der Mann hatte während eines Aufenthalts in Haiti im Januar Symptome wie Fieber, Juckreiz und Müdigkeit entwickelt. Nachdem er aus Italien zurückgekehrt war, wiesen Tests nach 91 Tagen das Zika-Virus in Urin, Sperma und Speichel nach. Nach 134 Tagen und einem weiteren Test nach 188 Tagen war das Virus den Tests zufolge nur noch im Sperma vorhanden.

Während dieser Zeit habe der inzwischen wieder genesene junge Mann beim Geschlechtsverkehr mit seiner Frau Kondome benutzt, schreiben die Forscher. Die Frau steckte sich nicht an. Die Ergebnisse der Studie unterstrichen die Notwendigkeit, den Betroffenen entweder zur sexuellen Enthaltsamkeit oder zum Gebrauch von Kondomen zu raten - und zwar für die Dauer von mindestens sechs Monaten.

Weniger Fälle in Südamerika

Die von Mücken und in seltenen Fällen durch Geschlechtsverkehr übertragene Krankheit ist in der Regel ungefährlich. Bei Schwangeren kann sie jedoch dazu führen, dass ihre Babys mit Mikrozephalie geboren werden. In diesem Fall haben die Kinder einen ungewöhnlich kleinen Kopf, was zu schweren Entwicklungsproblemen führen kann.

Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass das Virus bei Erwachsenen in extrem seltenen Fällen das Guillain-Barré-Syndrom auslösen kann. Dabei handelt es sich um eine neurologische Krankheit, bei der Lähmungen von den Beinen aufsteigen und mitunter bis zu den Hirnnerven und der Atemmuskulatur fortschreiten.

Von der Zika-Epidemie ist vor allem Südamerika betroffen, die Situation dort verbessert sich jedoch aktuell. Ende Juli erklärte Kolumbien die Epidemie für überwunden. Das Land war neben Brasilien besonders schwer betroffen, auch dort ist die Zahl der Fälle stark zurückgegangen. Das lässt sich vor allem damit erklären, dass die Moskitoart Aedes Aegypti in den südamerikanischen Wintermonaten kaum aktiv ist.

irb/AFP



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