Zika US-Behörde warnt vor sexueller Übertragung

Stechmücken geben Zika-Viren weiter. Doch die Hinweise mehren sich, dass die Erreger auch beim Sex übertragen werden können. Anscheinend überdauern sie sogar Wochen bis Monate im Sperma.

Schwangere in Kolumbien: Moskitonetze schützen nicht optimal vor Zika - weil die Überträgermücken meist tagsüber stechen
AFP

Schwangere in Kolumbien: Moskitonetze schützen nicht optimal vor Zika - weil die Überträgermücken meist tagsüber stechen


Die US-Behörden prüfen 14 neue Fälle, in denen das Zika-Virus möglicherweise durch Sexualkontakte übertragen wurde. Mehrere der Betroffenen seien schwanger, teilt die US-Gesundheitsbehörde CDC mit. Dann ist eine Zika-Infektion besonders gefährlich: Es gibt starke Hinweise, dass das ungeborene Kind Schaden nehmen kann.

Die Zahl der Verdachtsfälle zeigt laut CDC, dass eine Übertragung beim Geschlechtsverkehr häufiger sein könnte als bislang gedacht. "Wir gehen davon aus, dass die Verbreitung über Stechmücken der häufigste Ansteckungsweg ist", sagt Jennifer McQuiston von der CDC, "aber wir wollen die Menschen darauf aufmerksam machen, dass auch das Risiko einer sexuellen Übertragung besteht."

Laut der Behörde sollten Schwangere Kondome nutzen oder auf Sex verzichten, falls ihr Partner kürzlich in einem Zika-Infektionsgebiet war. Das mag sich extrem anhören, sagt McQuiston. "Aber wir haben zurzeit noch keine gesicherten Informationen darüber, wie lange das Virus im Sperma überdauern kann." Britische Forscher berichteten, sie hätten den Erreger kürzlich noch 62 Tage nach der Infektion im Sperma eines Mannes nachgewiesen.

Papst Franziskus gab vergangene Woche bekannt, dass Frauen angesichts der Gefahr einer Zika-Übertragung Verhütungsmittel benutzen dürften.

Reuters/SPIEGEL ONLINE
Bisher 400 Fälle von Mikrozephalie bestätigt

Das von der Gelbfiebermücke übertragene Virus grassiert derzeit in Süd- und Mittelamerika. Brasilien ist besonders von der Epidemie betroffen: Die Zahl der Zika-Infektionen wird dort auf 1,5 Millionen geschätzt. Normalerweise ist die Infektion harmlos, problematisch ist sie jedoch während der Schwangerschaft.

Nach Angaben der Behörden sind seit Oktober mehr als 4000 Babys mit Verdacht auf Mikrozephalie auf die Welt gekommen, mehr als 400 Fälle sind bislang bestätigt. Der Kopf der betroffenen Kinder ist deutlich zu klein und die Gefahr groß, dass dies zu dauerhaften Behinderungen führt.

Wegen der Zika-Epidemie rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 1. Februar einen "weltweiten Gesundheitsnotstand" aus.

WHO-Chefin Margaret Chan betonte am Dienstag bei einem Aufenthalt in Brasilien, wie schwierig der Kampf gegen das Virus sei. "Wir sollten uns darauf einstellen, dass dies eine lange Reise wird", sagte sie in der Hauptstadt Brasília.

SPIEGEL ONLINE

wbr/AFP/rtr



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