Weltgesundheitsorganisation Zika-Virus ist weiterhin eine internationale Gefahr

Zika hat sich in Mittel- und Südamerika rasant ausgebreitet, inzwischen ist das Virus in den USA, Singapur und weiteren Ländern angekommen.

Mückenbekämpfung mit Insektiziden (Singapur)
AP

Mückenbekämpfung mit Insektiziden (Singapur)


Wegen der weiteren Ausbreitung von Zika und neuer Fragen im Zusammenhang mit dem Virus hält die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den globalen Gesundheitsnotstand aufrecht. Das teilte sie am Freitag nach Beratungen internationaler Virusexperten mit.

Der im Februar von der WHO erklärte internationale Gesundheitsnotstand könne unter anderem wegen des Auftauchens des Erregers in Singapur, Guinea-Bissau und anderen Ländern nicht aufgehoben werden, sagte der Vorsitzende des WHO-Notfallkomitees, David Heymann von der London School of Hygiene and Tropical Medicine, nach der Sitzung in Genf. Zika hatte sich zuvor innerhalb von Monaten in Mittel- und Südamerika sowie der Karibik rasant ausgebreitet.

Zudem gebe es noch zu viele Wissenslücken darüber, welche Folgen die Infektion haben und wie das Virus übertragen werden kann.

Ein Drittel der Menschheit

Laut einer aktuellen Studie lebt rund ein Drittel der Menschheit in Ländern, in denen sich das Virus theoretisch ausbreiten könnte. Ein Risiko bestehe besonders in Indien, heißt es im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases".

Dazu zählen - zusätzlich zu den derzeit besonders betroffenen Ländern Südamerikas - auch Staaten in Südostasien und in Afrika. Dort hat sich das Virus zwar bislang nicht weit ausgebreitet, aber die klimatischen Bedingungen und die lokalen Mückenarten könnten eine Ausbreitung begünstigen, warnten die Forscher.

Auch im US-Bundestaat Florida gab es Zika-Fälle. In Miami Beach wurden nun erstmals Moskitos gefunden, die das Virus in sich tragen. "Dieser Fund ist enttäuschend, aber keine Überraschung", erklärte Floridas Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucher.

Das Zika-Virus wird vorwiegend von Stechmücken übertragen. Die Infektion verläuft bei Erwachsenen zumeist harmlos. Bei Schwangeren kann sie aber dazu führen, dass Babys mit Mikrozephalie geboren werden. Die Kinder haben dabei einen ungewöhnlich kleinen Kopf, was zu schweren Entwicklungsschäden führen kann. Inzwischen gibt es zudem Belege dafür, dass Zika in seltenen Fällen das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) auslöst. GBS ist eine Lähmungskrankheit, die zum Tod führen kann.

In Deutschland gab es seit Einführung der Meldepflicht am 1. Mai 99 Zika-Fälle. In fast allen Fällen handelt es sich bei den Erkrankten um Reiserückkehrer aus den Ausbruchsgebieten in Mittel- und Südamerika.

wbr/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.