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Mysteriöse Erkrankung: WHO ruft wegen Zika-Virus Gesundheitsnotstand aus

Soldat in Brasilien: Moskitoart Aedes aegypti bekämpfen Zur Großansicht
Getty Images

Soldat in Brasilien: Moskitoart Aedes aegypti bekämpfen

Es ist ein mysteriöses Virus, das zunächst nur in Südamerika im großen Stil auftrat. Neugeborene kamen dort massenhaft mit verformten Köpfen zur Welt. Auch in Europa traten Infektionen auf. Nun hat die Weltgesundheitsorganisation reagiert.

Der Beirat aus medizinischen Experten hatte den ganzen Nachmittag beraten, nun haben die Fachleute das Ergebnis verkündet: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verhängt wegen der Zika-Epidemie in Süd- und Mittelamerika den weltweiten Gesundheitsnotstand.

Nun sind auch Staaten außerhalb des Seuchengebiets aufgefordert, Maßnahmen einzuleiten, die eine Ausbreitung des Erregers oder seines Überträgers verhindern sollen. Das teilte ein Sprecher in Genf mit. Zuletzt hatte die WHO im August 2014 wegen Ebola in Westafrika einen globalen Notstand erklärt.

Das Zika-Virus wird von der Moskitoart Aedes aegypti übertragen. Es steht im Verdacht, bei einer Infektion von Schwangeren Schädelfehlbildungen der Babys auszulösen. Die Kinder kommen mit einem zu kleinen Schädel auf die Welt (Mikrozephalie), das führt zu geistiger Behinderung.

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Vieles deute auf einen solchen Zusammenhang in Lateinamerika hin, sagte Infektionsepidemiologin Christina Frank vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. "Was man noch gar nicht abschätzen kann, ist, ob noch Co-Faktoren vorhanden sein müssen." Das könnten etwa Antikörper gegen andere Viren sein, die zusammen mit dem Zika-Virus zur Mikrozephalie führen.

Möglich sei auch, dass nicht Zika, sondern ein ganz anderer Faktor der Verursacher ist. "Das könnte zum Beispiel ein Medikament sein", sagte Frank. Andere Experten hingegen, etwa der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut, hält einen Zusammenhang zwischen den Zika-Infektionen und den Gehirnfehlbildungen für sehr wahrscheinlich.

Allein in Brasilien gibt es etwa 4180 Mikrozephalie-Verdachtsfälle, auch in Kolumbien steigt die Zahl der gemeldeten Fehlbildungen. Bei sechs brasilianischen Müttern konnte definitiv nachgewiesen werden, dass sie sich vor der Geburt mit Zika infiziert hatten. In dem Land gebe es jetzt verstärkt Abtreibungen, berichtete die Zeitung "Folha de Sao Paulo". Sie zitierte mehrere Ärzte, bei denen Frauen um eine anonyme Abtreibung gebeten hätten. Einige Frauen würden erst gar nicht die Prognose abwarten, ob ihre Babys mit Mikrozephalie auf die Welt kommen würden, heißt es in dem Bericht.

In Rio de Janeiro werden am 5. August die Olympischen Spiele eröffnet. Brasiliens Regierung warnt vor einem Besuch der Veranstaltung: Schwangere sollten dieses Risiko nicht eingehen und nicht nach Brasilien reisen, sagte der Stabschef von Präsidentin Dilma Rousseff, Jaques Wagner.

Experten sehen nahezu keine Gefahr, dass sich das Virus auch in Deutschland ausbreiten könnte.

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Reuters/SPIEGEL ONLINE

joe/dpa/AFP

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Zika-Virus: Epidemie in Südamerika

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