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WHO-Schätzung: Zika-Bekämpfung wird 50 Millionen Euro kosten

WHO-Chefin: Margaret Chan will sich ein Bild vor Ort machen Zur Großansicht
DPA

WHO-Chefin: Margaret Chan will sich ein Bild vor Ort machen

Gelbfiebermücken müssen bekämpft, Übertragungswege geklärt und Impfstoffe entwickelt werden - die WHO hat einen Aktionsplan gegen die Zika-Ausbreitung erarbeitet. Die Hälfte der Kosten trägt die Organisation selbst.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass die Bekämpfung des Zika-Virus in Süd- und Mittelamerika bis Juni 56 Millionen Dollar (umgerechnet 50 Millionen Euro) kosten wird. 25 Millionen Dollar (etwa 22 Millionen Euro) will die WHO selbst investieren. Anfang Februar hatte die Organisation Zika zum Gesundheitsnotfall erklärt und daraufhin einen Aktionsplan erarbeitet.

Dieser umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die das Virus aufhalten sollen. So soll zunächst vor allem die Ausbreitung des Erregers besser kontrolliert werden. Dazu sollen die Bestände der Gelbfiebermücke reduziert werden, die das Virus überträgt. In Brasilien, dem am stärksten betroffenen Land, unterstützen bereits 55.000 Soldaten die Gesundheitsämter bei der Bekämpfung der Mücken. Insgesamt hat das Virus inzwischen 39 Staaten in Süd- und Mittelamerika erreicht.

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Zika steht im Verdacht, schwere Schädelfehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen, wenn die Mutter infiziert ist. Laut neuesten Erkenntnissen der WHO seien ungeborene Kinder weniger stark von Mikrozephalie betroffen, wenn sich ihre Mütter erst nach dem sechsten Monat anstecken. Am Dienstag hatten brasilianische Forscher erstmals Zika-Viren in Babyhirnen entdeckt und damit den ersten Beleg für einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen Fehlbildungen Neugeborener und dem Virus geliefert.

Laut dem Aktionsplan sollen Erkrankte jetzt verbesserte medizinische Betreuung erhalten. Im Schnellverfahren soll laut WHO nun nach Impfungen und schnellen Diagnoseverfahren gesucht werden. Auch der genaue Übertragungsweg soll erforscht werden. So müsse geklärt werden, wie lange Zika in Körperflüssigkeiten wie Sperma überleben kann und ob es dort ansteckend ist. Derzeit rät die WHO Schwangeren in den betroffenen Ländern, sicherheitshalber Kondome zu benutzen. Die US-amerikanischen Behörden empfehlen dies auch Schwangeren in den USA, falls ihr Partner sich kürzlich in einem der betroffenen Länder aufgehalten hat. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA empfiehlt zudem, Menschen aus Zika-Regionen künftig von Blutspenden auszuschließen.

WHO sieht kein Problem mit Pestiziden

Die WHO teilte auch mit, dass es aus ihrer Sicht keinen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Schädelfehlbildungen und dem eingesetzten Pestizid Pyriproxyfen gibt. Forscher hatten zuvor behauptet, dass das Insektengift und nicht Zika den Mikrozephalie-Ausbruch verursacht habe. Pyriproxyfen wird von der WHO im Kampf gegen Moskitos empfohlen.

Um über das weitere Vorgehen zu entscheiden, wird die Generaldirektorin der WHO, Margaret Chan, nach Brasilien reisen. Chan werde vom 22. bis zum 24. Februar in dem südamerikanischen Land sein und dort Vertreter der Regierung und von Gesundheitsbehörden treffen, teilte eine WHO-Sprecherin mit. Auf dem Programm stehe ein Treffen mit Brasiliens Außenminister Mauro Vieira und der amerikanischen WHO-Chefin Carissa F. Etienne.

Derweil breitet sich das Virus weiter aus. In Mexiko sind sechs Zika-Fälle bei Schwangeren bekannt geworden. Das Gesundheitsministerium erklärte, die Frauen gehörten zu landesweit bislang 80 Zika-Fällen. Mehr als die Hälfte der Infizierten lebt demnach in dem verarmten südlichen Bundesstaat Chiapas, auch vier der erkrankten schwangeren Frauen.

Für gesunde Menschen ist das Zika-Virus in der Regel nicht gefährlich. Es verursacht bei etwa einem Fünftel der Infizierten grippeähnliche Symptome und ist normalerweise nicht tödlich.

jme/Reuters/dpa

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