Fehlbildungen bei Kindern WHO warnt vor Zika-Ausbreitung in fast ganz Amerika

Das Zika-Virus verbreitet sich rasant, die WHO warnt vor einer Gefahr für weite Teile Amerikas. Der Erreger steht im Verdacht, schwere Fehlbildungen bei Ungeborenen zu verursachen. Möglicherweise ist er auch sexuell übertragbar.

Kleinkind mit Mikrozephalie: Zusammenhang mit dem Zika-Virus wahrscheinlich
AP

Kleinkind mit Mikrozephalie: Zusammenhang mit dem Zika-Virus wahrscheinlich


Das von Mücken übertragene Zika-Virus erreicht immer mehr Länder in Lateinamerika und der Karibik. Wahrscheinlich wird es sich in weiten Teilen Amerikas ausbreiten, warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nur Chile und Kanada werden voraussichtlich verschont bleiben.

Der Erreger steht in Verdacht, schwere Fehlbildungen bei Ungeborenen zu verursachen - es soll auch schon zu einigen Todesfällen gekommen sein. In Brasilien, dem am stärksten betroffenen Land, haben in den vergangenen Monaten rund 4000 Frauen Kinder mit einem zu kleinen Kopf zur Welt gebracht. In allen davon analysierten Fällen hatten sich die Mütter während der Schwangerschaft mit dem Zika-Virus infiziert. Normalerweise sind solche Fehlbildungen, sogenannte Mikrozephalien, extrem selten.

Ein Teil der amerikanischen Staaten reagiert mit drastischen Empfehlungen auf die Gefahr. In El Salvador etwa rieten die Behörden Frauen dazu, bis 2018 nicht schwanger zu werden, berichtet die "New York Times" . Auch Kolumbien, Ecuador und Jamaika empfehlen Frauen, ihren Kinderwunsch aufzuschieben.

Aus Uganda nach Lateinamerika

Das Zika-Virus stammt ursprünglich aus Uganda, dort wurde es vor knapp 40 Jahren zum ersten Mal beschrieben. Einige Experten vermuten, dass das Virus mit den vielen Reisenden während der Fußball-WM 2014 nach Brasilien gelangt ist, und sich seitdem von dort weiter verbreitet. Mittlerweile sind insgesamt 21 Länder in Süd- und Mittelamerika betroffen, auch die USA hat das Virus bereits erreicht. Übertragen wird das Virus durch Aedes-Mücken.

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Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC wurden in den USA etwa ein Dutzend Infektionen gemeldet, alle Betroffenen haben sich demnach im Ausland angesteckt. Dasselbe gilt für drei Reisende, bei denen der Erreger in Großbritannien diagnostiziert wurde. Die Erkrankten waren zuvor nach Kolumbien, Surinam und Guayana gereist, teilten die britischen Behörden mit.

Um das Risiko einer Ansteckung zu senken, sollten sich Menschen in den betroffenen Gebieten vor allem vor Mückenstichen schützen. Daneben kann das Virus möglicherweise auch von Mensch zu Mensch gelangen, wie die WHO mitteilte. Es gibt Hinweise, dass der Erreger über Blut übertragbar ist - zudem wurden Zika-Viren in Samenflüssigkeit nachgewiesen.

Sexuell übertragbar?

Noch lasse sich aber nicht sicher sagen, ob es sexuell übertragbar sei, teilte die WHO mit. Dafür brauche es weitere Studien. Kann das Zika-Virus tatsächlich durch Sex weitergegeben werden, könnte es sich auf der ganzen Welt verbreiten. Ansonsten wäre es auf die Gebiete beschränkt, in denen sich die Aedes-Mücken verbreiten.

Die WHO rät schwangeren Frauen zur Vorsicht, die in eine der Zika-Regionen reisen müssen. Sie sollten demnach vor und nach dem Besuch einen Arzt aufsuchen. "Schwangere sollten generell von vermeidbaren Reisen in Zika-Endemie-Gebiete absehen", warnt auch das Auswärtige Amt in den aktuellen Sicherheitshinweisen zu Brasilien.

Außerhalb einer Schwangerschaft ist die Gefahr bei einer Zika-Infektion vergleichsweise gering. Die Erkrankung verläuft häufig ohne oder nur mit milden Symptomen. Es kann aber auch zu Fieber, Hautausschlag, Muskel-, Kopf- und Gelenkschmerzen kommen.

irb/Reuters

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