Genesene Patienten Hoffnung auf ein Ebola-Heilmittel wächst

Aufklärung und Isolierung sind das Wirksamste, das Helfer momentan der Ebola-Epidemie entgegenstellen können. Erfahrungen mit experimentellen Therapien stärken jedoch die Hoffnung, dass es eines Tages ein Heilmittel geben könnte.

Nancy Writebol und ihr Ehemann David: Die US-amerikanische Missionarin hat die Ebola-Infektion überstanden
REUTERS/SIM USA

Nancy Writebol und ihr Ehemann David: Die US-amerikanische Missionarin hat die Ebola-Infektion überstanden


Dakar/Genf - Seit der ersten Meldung von Ebola-Fällen im März sind Monate vergangen, Monate wird die Epidemie in Westafrika wohl auch noch andauern. Noch gibt es kein zugelassenes Medikament gegen das Virus. Erste Ergebnisse mit einem experimentellen Mittel tragen jedoch zur vorsichtigen Hoffnung bei, dass es irgendwann ein wirksames Heilmittel geben wird.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilte mit, dass Ebola-Patienten in Liberia nach Behandlung mit dem experimentellen Wirkstoff "ZMapp" auf dem Weg der Besserung seien. Bei einer Krankenschwester und einem Arzt, die sich bei der Arbeit infiziert hatten, sei jeweils eine "deutliche Verbesserung" des Gesundheitszustands eingetreten. Der Zustand eines weiteren mit dem Präparat behandelten Arztes in Liberia sei zwar noch ernst, aber auch bei ihm sei eine Besserung zu beobachten.

Vorräte schon aufgebraucht

In den USA waren am Donnerstag zwei an Ebola erkrankte und mit "ZMapp" behandelte Patienten für gesund erklärt worden. Sie hatten sich bei Hilfseinsätzen in Liberia infiziert und waren vor etwa drei Wochen mit einem Spezialflugzeug ausgeflogen worden. Auf der anderen Seite war jedoch ein spanischer Geistlicher, der sich mit dem Virus infiziert hatte, trotz einer "ZMapp"-Behandlung gestorben.

Nach Ansicht des Virologen Stephan Becker von der Universität Marburg ist es trotz der positiven Erfahrungen noch zu früh für eine Aussage zum Nutzen von "ZMapp". "Wir können mit den wenigen Patienten, die zu völlig unterschiedlichen Zeiten und unter nicht kontrollierten Bedingungen behandelt worden sind, nur schwer eine Aussage machen", sagte er. Es sehe zwar danach aus, das das Mittel helfe, allerdings könnten die bisherigen Heilungen auch andere Gründe haben.

Hinzu kommt, dass laut WHO die Vorräte des Mittels aufgebraucht sind. Wann die US-Herstellerfirma wieder Dosen liefern kann, sei unklar. Auch von anderen experimentellen Mitteln, die zur Therapie oder als Impfung verwendet werden könnten, gibt es laut WHO nur geringe Mengen. So sinnvoll ihr Einsatz ist, den aktuellen Ebola-Ausbruch werden sie wohl, wenn überhaupt, nur bedingt aufhalten können.

Afrikanische Länder zunehmend isoliert

Nach Angaben der WHO hat es bisher 2473 Ebola-Fälle gegeben, 1350 Menschen sind demnach an den Folgen der Infektion gestorben. Die tatsächliche Zahl der Opfer liegt wahrscheinlich noch deutlich höher.

Eine Ursache dafür sei, dass viele Familien infizierte Angehörige in ihren Häusern verstecken, teilte die WHO am Freitag mit. "Da es keine Heilmittel gibt, glauben viele, dass es für ihre erkrankten Angehörigen tröstlicher ist, zu Hause zu sterben."

Aus Angst, dass Infizierte einreisen könnten, hat der Senegal erneut seine Grenzen zum Nachbarstaat Guinea geschlossen. In Südafrika gilt ein Einreiseverbot für Menschen aus Guinea, Sierra Leone, Liberia und Nigeria. Aus diesen vier Ländern sind bisher Ebola-Fälle bekannt geworden.

Von der Schließung der Grenze des Senegal seien auch Flugzeuge und Schiffe betroffen, die von dort sowie aus Sierra Leone und Liberia kämen, berichtete die senegalesische Agentur APS. Solche Maßnahmen und die Ausweitung von Quarantänegebieten in den direkt betroffenen Ländern hätten den Handel vielerorts zum Erliegen gebracht, mahnte die Welthungerhilfe. Dadurch drohe eine Versorgungskrise.

E-Mail der nigerianischen Witwe veröffentlicht

Derweil wurde in Nigeria eine E-Mail der Witwe des Mannes veröffentlicht, der trotz seiner Ebola-Erkrankung nach Lagos geflogen war. Der liberianisch-amerikanische Berater Patrick Sawyer war nach seiner Ankunft auf dem Flughafen Ende Juli zusammengebrochen und wenig später gestorben. Alle bisherigen Ebola-Fälle in Nigeria gehen auf ihn zurück.

Ihr Mann sei aus Verzweiflung nach Lagos gereist, weil er sich dort bessere medizinische Versorgung versprochen habe, berichtete die in den USA lebende Witwe laut nigerianischen Zeitungen. Zuvor sei seine Schwester an Ebola gestorben. Sie sei zutiefst traurig, dass ihr Mann Leid und Tod nach Nigeria gebracht habe. In dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas sind bislang vier Menschen an Ebola gestorben, mehr als ein Dutzend Fälle wurden von dort gemeldet.

irb/dpa

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