Zwillingsstudie Fotos entlarven schnelleres Altern von Rauchern

Raucher oder Nichtraucher? Bilder von eineiigen Zwillingen offenbaren die Spuren des Nikotins. Eine Studie von US-Chirurgen zeigt, wie die Haut durch Rauchen schneller altert. Selbst nach wenigen Jahren am Glimmstängel sind Veränderungen sichtbar.

Plastic and Reconstructive Surgery

Knapp 19.000 Menschen leben in Twinsburg, Ohio, einem Städtchen im Speckgürtel Clevelands. Die Gegend ist Europäern allenfalls bekannt, weil sich aus unerfindlichen Gründen die Rock and Roll Hall of Fame an den Lake Erie verirrt hat. Die meisten USA-Reisenden sehen Cleveland nur vom Flugzeug aus.

Doch einmal im Jahr wird Twinsburg zur Zwillingsmetropole. Seit 1976 ruft das "Twins Days Festival" mittlerweile mehr als 2000 Zwillinge in den mittleren Westen, zum nach eigenen Angaben größten Zwillingstreffen der Welt. Plastische Chirurgen der Case Western Reserve University in Cleveland haben sich das Ereignis vor der Haustür jetzt für ihre wissenschaftliche Arbeit zunutze gemacht.

Genetisch gleich, unterschiedliches Verhalten

Haruko Okada und seine Kollegen interessierte, wie die Gesichter von Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern altern. Um genetische Unterschiede zwischen Vergleichspersonen zu minimieren, suchten Okada und seine Kollegen zwischen 2007 und 2010 auf dem Twins Days Festival nach Zwillingspaaren. Voraussetzung für die Teilnahme an der im Fachjournal "Plastic and Reconstructive Surgery" veröffentlichten Studie war, dass nur ein Zwilling rauchte oder - falls beide rauchten - einer mindestens fünf Jahre länger geraucht hatte als der andere.

Mit Fragebögen und einem professionellen Fotografen rückten die plastischen Chirurgen den Zwillingen zu Leibe. Anschließend legten sie drei Gutachtern die Zwillingsfotos vor und ließen sie Falten und andere Eigenschaften nach vorgegebenen Bewertungsmaßstäben beurteilen.

Raucher schneiden schlechter ab

Im Ergebnis vergaben die Juroren für die rauchenden beziehungsweise länger rauchenden Zwillinge schlechtere Bewertungen: Den Rauchern sah man das Altern an Augenlidern, Lid- und Tränensäcken, Nasen- und Lippenfalten deutlicher an als den Nichtrauchern. Rauchten beide Zwillinge, waren die Alterszeichen bei den länger rauchenden Geschwistern deutlicher ausgeprägt.

Dass das Rauchen Menschen äußerlich schneller altern lässt, haben Wissenschaftler bereits in den siebziger Jahren belegt, schreiben Okada und seine Kollegen in ihrer Studie. So hängt zum Beispiel die Zahl der Falten von der Zahl der im Leben gerauchten Zigaretten ab, die Mediziner in sogenannten Pack Years berechnen: Ein Jahr lang eine Schachtel pro Tag entspricht einem Pack Year.

Im oberen Drittel des Gesichts kaum Unterschiede

Allerdings, betonen die Studienautoren, habe noch nie jemand die Gesichter einer größere Gruppe von eineiigen Zwillingen auf die Rauchspuren untersucht und miteinander verglichen. Im oberen Drittel des Gesichts hätten sie keine Unterschiede zwischen Rauchern und Nichtrauchern feststellen können. Die Chirurgen vermuten, dass die Falten dort vor allem durch den jahrzehntelangen Einsatz der mimischen Muskulatur entstehen.

Um die Augenpartie allerdings werden die Spuren an den Lid- und Tränensäcken deutlich. Die Wissenschaftler spekulieren, ob Schäden am Bindegewebe um das Auge herum für diese sichtbaren Auswirkungen verantwortlich sein könnten. Erstaunt sind Okada und seine Kollegen, dass bereits eine Differenz von nur fünf Jahren bei der Dauer des Rauchens ausreicht, um Unterschiede erkennen zu können.

Deutliche Spuren zwischen Nase und Oberlippe

Wenig überrascht zeigen sich die plastischen Chirurgen davon, dass im unteren Drittel des Gesichts die Falten um die Lippen bei den Rauchern deutlicher zu sehen sind als bei den Nichtrauchern. Das Rauchen erhöhe den Verlust der Elastizität der Haut. Das lasse zum Beispiel die Nasolabialfalte zwischen Nase und Oberlippe hervortreten.

Zwar versuchten die Forscher, genetische Faktoren und Umwelteinflüsse bei ihrer Studie zu berücksichtigen. Gleichwohl geben sie zu bedenken, dass die Auswirkungen des Rauchens beispielsweise auch auf die Fettverteilung im Körper eine Rolle spielen, was das Aussehen des Gesichts wiederum beeinflussen könnte. Zudem könnte selbst eine leichte Veränderung der Mimik die Falten im Gesicht eines Menschen anders wirken lassen, was auf den Fotos kaum zu berücksichtigen wäre.

Doch immerhin sei es den Juroren in der Mehrzahl der Fälle gelungen, den rauchenden beziehungsweise länger rauchenden Zwilling korrekt zu identifizieren.

dba



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insgesamt 176 Beiträge
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Seite 1
Hilfskraft 01.11.2013
1. unumstritten
das weiß man hier in Deutschland seit Jahrzehnten. Dazu bedarf es keiner US-Chirurgen-Erkenntnisse. Ausserdem hat die rechte Person mehr Licht im Gesicht, was die Haut glatter aussehen lässt. In den USA hat man die Weißheit auch nicht mit Löffeln gefressen!
freiheitsglocke 01.11.2013
2.
Zitat von Hilfskraftdas weiß man hier in Deutschland seit Jahrzehnten. Dazu bedarf es keiner US-Chirurgen-Erkenntnisse. Ausserdem hat die rechte Person mehr Licht im Gesicht, was die Haut glatter aussehen lässt. In den USA hat man die Weißheit auch nicht mit Löffeln gefressen!
Die Weißheit nicht. Aber vielleicht die Weisheit? Ich finde die Bilder schon interessant. Übrigens ist auf dem zweiten Foto-Vergleich das Bild mit der älter aussehenden Dame heller. Aber vielleicht wirft mehr Licht ja auch mehr Schatten, ne? ;-)
micromiller 01.11.2013
3. diese erkenntnis ist nobelpreisverdaechtig
Zitat von sysopPlastic and Reconstructive SurgeryRaucher oder Nichtraucher? Bilder von eineiigen Zwillingen offenbaren die Spuren des Nikotins. Die Studie von US-Chirurgen zeigt, wie die Haut durch Rauchen schneller altert. Selbst nach wenigen Jahren am Glimmstengel sind Veränderungen sichtbar. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/zwillinge-fotos-von-raucher-zeigen-falten-und-traenensaecke-a-931231.html
was man heute so alles erforschen kann, toll!! die alten germanen, chinesen, indianer wussten wussten schon vor tausenden jahren, was geraeuchert wird schrumpelt
nic 01.11.2013
4. .
Nichts gravierendes.
h.vonbun 01.11.2013
5. Omnia
Tolle Neuigkeit! Nur leider schon uralt und längst bekannt! Und warum nur Nikotin? Ist das nicht bei jeder Droge feststellbar, dAss sie den Menschen innerlich wie äusserlich verändert?
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