Desert Queen "Ich habe mir einen Stepper in die Sauna gestellt"

Das Leben als Personal Trainerin in St. Moritz ist Anne-Marie Flammersfeld nicht aufregend genug: Die 33-Jährige startet dieses Jahr beim 1000-Kilometer-Lauf 4 Deserts Race durch vier Wüsten. Im Interview mit Achim-Achilles.de erklärt die Wüstenkönigin ihre ungewöhnlichen Trainingsmethoden.

Wüste Gobi: Eine der vier Wüsten, die beim 4 Desert-Rennen durchquert werden - 250 km in 7 Tagen
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Wüste Gobi: Eine der vier Wüsten, die beim 4 Desert-Rennen durchquert werden - 250 km in 7 Tagen


SPIEGEL ONLINE: Frau Flammersfeld, Sie laufen dieses Jahr in mehreren Rennen durch vier Wüsten: Atacama, Gobi, Sahara und die Eiswüste Antarktis. Das sind insgesamt 1000 Kilometer. Wie kommt man auf so eine Idee?

Flammersfeld: Vor zwei Jahren habe ich in Argentinien einen Ultraläufer kennen gelernt. Er machte damals beim 4 Deserts Race mit und war auf dem Weg in die Antarktis. Ich war so fasziniert von seinen Schilderungen, dass ich das Abenteuer selbst erleben wollte.

SPIEGEL ONLINE: Über welche Distanz geht eigentlich so eine Wüstendurchquerung?

Flammersfeld: Je Wüste sind es 250 Kilometer, aufgeteilt auf eine Woche. Die längste Etappe führt über 80 Kilometer, da bin ich rund neun Stunden unterwegs.

SPIEGEL ONLINE: Sie trainieren sicher viel. Wie viele Laufkilometer kommen bei Ihnen wöchentlich zusammen?

Flammersfeld: Zwischen 150 und 160 Kilometer, mit schwerem Rucksack durch die Berge rund um St. Moritz. Jede Einheit ist unterschiedlich gestaltet und beinhaltet lange Läufe über 40 Kilometer, kurze Tempodauerläufe und Intervalleinheiten. Und da ich von Beruf Personal Trainerin bin, mache ich gemeinsam mit meinen Klienten viel Kraft- und Stabilisationstraining.

SPIEGEL ONLINE: Wie bereiten Sie sich noch vor auf die extremen Belastungen bei Hitze und Kälte?

Flammersfeld: Ich habe mir einen Stepper in die Sauna gestellt, auf dem trainiere ich für die Sahara. Hier in den Bergen liegt außerdem sechs Monate lang Schnee, so dass ich im Tiefschnee das Laufen im Sand simulieren konnte.

SPIEGEL ONLINE: Und wie trainieren Sie für die Eishölle Antarktis? Der Temperaturunterschied zur Sahara wird doch gewaltig sein.

Flammersfeld: Zuhause in St. Moritz wird es auch schon mal minus 30 Grad kalt. Daher fürchte ich die Antarktis weniger als die Sahara. Klar, eine gute Physis ist wichtig. Doch um ein Rennen wie das 4 Deserts Race zu bestehen, ist die mentale Stärke ausschlaggebend. Der Kopf ist der entscheidende Antreiber.

SPIEGEL ONLINE: Wie trainieren Sie den Kopf?

Flammersfeld: Ich arbeite mit einer Mentaltrainerin zusammen. Sie bringt mir bei, mich während des Laufs durch Selbsthypnose in Trance-Zustände zu versetzen. Wenn ich merke, dass eine Krise im Anmarsch ist, stelle ich mir ein Bild vor, welches ich einstudiert habe. Das kann zum Beispiel ein Eiswind sein, den ich dann mit all meinen Sinnen spüre, rieche, schmecke und höre. Somit lenke ich meine Gedanken von den Strapazen ab.

SPIEGEL ONLINE: Woran denken Sie noch in der Einsamkeit der Wüste?

Flammersfeld: Ich führe Selbstgespräche, feuere mich an. Ich rufe mir Sätze zu wie "Hopp Deutschland, Hopp Schwiiz" oder ich sage mir monoton den Satz vor: "Mit jedem Schritt kommt Energie zurück." Vor allem aber muss ich sehr konzentriert sein. Ich muss aufpassen, dass ich keinen Wegweiser verpasse. Und auf meine Schritte muss ich achten, denn die Gefahr des Umknickens in dem Gelände ist groß. Ein falscher Tritt könnte das Aus bedeuten. Von der Landschaft um mich herum kriege ich kaum etwas mit.

SPIEGEL ONLINE: Wie ernähren Sie sich während des Rennens?

Flammersfeld: Ich habe einen acht, neun Kilo schweren Rucksack dabei, darin sind unter anderem Energieriegel, Gels, Cashewnüsse, Gummibärchen. Zudem eine warme Trekkingmahlzeit pro Tag, die im Schnitt 800 Kalorien hat. Hauptsache, das Essen ist vom Gewicht her leicht und sehr kalorienreich. Der Veranstalter verpflichtet jeden Läufer dazu, jeden Tag mindestens 2000 Kalorien im Gepäck zu haben.

SPIEGEL ONLINE: Wo schlafen Sie?

Flammersfeld: Wir Läufer schlafen gemeinsam in großen Beduinenzelten, die der Veranstalter aufbaut. Da jeweils acht bis neun Personen in einem Zelt untergebracht sind, muss man sich arrangieren und Rücksicht nehmen. Ohrenstöpsel sind quasi ein "must have".

SPIEGEL ONLINE: Was ist das für ein Typ Mensch, der bei solch einem Rennen mitmacht?

Flammersfeld: Es sind zu 80 Prozent Männer - aber nicht unbedingt nur Abenteurer, sondern ganze normale, sympathische Menschen aus der ganzen Welt. Einige haben auch gar nicht so große sportliche Ambitionen. Die packen am Start ihre Stöcke aus, und dann sieht das eher nach Wandertag aus.

SPIEGEL ONLINE: Sie dagegen liegen in der Frauenwertung derzeit vorne, man nennt Sie respektvoll "Desert Queen". Schaffen Sie den Gesamtsieg?

Flammersfeld: Das Wichtigste ist, dass ich die vier Wüsten überhaupt bewältige. Daher möchte ich es zunächst mal gesund durch die Sahara schaffen. Ansonsten wäre mein Traum geplatzt. Und wenn ich durchkomme, bin ich die erste Deutsche, die alle vier Wüsten in einem Jahr durchquert hat - wie es aussieht sogar in neuer Rekordzeit.

SPIEGEL ONLINE: Waren Sie eigentlich schon immer so sportlich?

Flammersfeld: Ich habe früher viel Handball gespielt. Vor sechs Jahren bin ich nach St. Moritz gezogen - und weil es hier keine Handballvereine gibt, begann ich mit dem Laufen.

SPIEGEL ONLINE: Und inzwischen sind Sie laufsüchtig geworden?

Flammersfeld: Süchtig klingt mir zu negativ. Wer mit Fieber oder verletzt läuft, der ist in meinen Augen wirklich laufsüchtig. Aber bei mir ist das Laufen eher eine Art Gewohnheit. Solange ich mich wohlfühle, wenn ich laufen gehe, ist doch alles in Ordnung. Aber wenn ich mal zwei, drei Tage nichts mache, merke ich schon, dass meine Beine unruhig werden.

Das Interview führte Wendelin Hübner



insgesamt 6 Beiträge
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Otto Extremverbraucher 18.10.2012
1. Falsche Rubrik?
Mit dem Thema "Gesundheit" hat der Artikel ja nun wirklich nichts zu tun.
sackpfeife 18.10.2012
2.
Zitat von Otto ExtremverbraucherMit dem Thema "Gesundheit" hat der Artikel ja nun wirklich nichts zu tun.
Wieso? In dieser Rubrik wird doch regelmäßig über Krankheiten berichtet. Und ein bisschen krank muss man ja schon sein, wenn man das mitmacht... Aber Scherz beiseite. Mich würde mal interessieren, was einen Teilnehmer der Spaß so kostet.
Torfkopp 18.10.2012
3. Die gute Frau ist
Zitat von sysopAPDas Leben als Personal Trainerin in St. Moritz ist Anne-Marie Flammersfeld nicht aufregend genug: Die 33-Jährige startet dieses Jahr beim 1000-Kilometer-Lauf "4 Deserts Race" durch vier Wüsten. Dafür trainiert die Wüstenkönigin mit ungewöhnlichen Methoden. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/4-deserts-race-interview-mit-wuesten-laeuferin-anne-marie-flammersfeld-a-861854.html
mit Sicherheit "Rocky" geschädigt...... Hoffentlich kommen die Krankenkassen nicht auf die Idee, so etwas als bonuswerte Vorsorgebetätigung in den Raum zu stellen - dann fangen die Wüsten bald an nach Moder und Fäulnis zu stinken...... a propos : vdL hat im Rahmen ihrer Rentenbetrachtungen nicht etwa vor, mit den Krankenkassen Lösungen auszuarbeiten ??
sunguru 18.10.2012
4. Coole Sache - kommt mal lose in meine Bucket List
Das klingt wirklich nach einem inspirierendem Projekt. Was man haette erwaehnen koennen, ist dass es sich nicht primaer um ein Rennen im klassischen Sinne handelt und dass ueblicherweise die Teilnehmer dieses Rennen nutzen, um Spenden fuer wohltaetige Organisationen zu sammeln - und dass man mindestens zwei Wuesten durchquert haben muss, bevor man fuer die Antarktis zugelassen wird - um die 100 Leute haben bisher alle vier Wuesten durchquert. Ich kann mir vorstellen, dass es ein unvergleichliches und unvergessliches Erlebnis ist - nachts unter dem Himmel in der Wueste Gobi - Wow. Warum man "krank" sein sollte, um das zu machen, verstehe ich nicht ganz. Ein bisschen Typ A sollte man aber wahrscheinlich schon sein :)
spon-facebook-10000059743 19.10.2012
5. sackpfeife
Die Kosten sind auf der Webseite nachzulesen. Neben dem vier- bis fünstelligen Dollarpreis kommen natürlich noch Ausrüstung, Anreise u.ä. dazu.
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