Mission Marathon Klotzbiers sechs Abnehm-Sportarten

Gewicht verlieren mit Spaß - das war Michael Klotzbiers Auftrag an sich selbst. In nur acht Monaten hat er mehr als 40 Kilo abgespeckt. Hier präsentiert er seine Abnehm-Sportarten.

Michael Klotzbier: "Ich war überrascht, wie viel Spaß mir das Walken macht"
achim-achilles.de

Michael Klotzbier: "Ich war überrascht, wie viel Spaß mir das Walken macht"


Kann man mit weit mehr als hundert Kilo Marathon laufen? Eher nicht. Deswegen möchte Michael Klotzbier abspecken. Anfang des Jahres wog der 35-Jährige noch 160 Kilo, mittlerweile hat er bei seinem Projekt "Unter 100" mehr als 40 Kilo verloren - vor allem durch Sport. Hier verrät er, welche Sportarten ihm bislang wie gut geholfen haben, seinem großen Ziel näher zu kommen: dem Berlin-Marathon 2016.

1. Nordic Walking

Das habe ich gemacht: Nordic Walking wird oft belächelt. Ich war anfangs auch skeptisch, aber nachdem mir mein Arzt das Joggen verboten hatte, habe ich es ausprobiert und siehe da: Walken ist anstrengend. Es ist die Sportart, die ich bislang am regelmäßigsten ausübe.

Trainingsumfang: zwei- bis viermal pro Woche seit acht Monaten

Das hat es gebracht: Für mich war das Walken der Wiedereinstieg in die Fitnesswelt. Mit 160 Kilo Anfangsgewicht war es der ideale, weil gelenkschonende Sport. Ich würde aber vorher Walking-Trainingsstunden empfehlen, da der Sport doch technischer ist, als man denkt. Gerade was Stocklänge und Armeinsatz angeht.

Fun-Faktor (nach Schulnoten): 1

Ich war überrascht, wie viel Spaß mir das Walken macht - vor allem weil ich es draußen in der Natur ausüben kann. In der Stadt, auf Asphalt, würde ich es nicht machen. Seit ein paar Wochen baue ich ein paar Einheiten "Bouncing Walk", Laufen ohne Flugphase, in mein Training ein. Der Spaßfaktor ist hier mit einer 2- etwas geringer, aber es fühlt sich schon fast wie Joggen an.

Das sagt der Arzt, Fernando Dimeo, Zentrum für Sportmedizin Berlin:

Beim Nordic Walking hat man im Unterschied zum Laufen immer einen Fuß auf dem Boden. Das schont die Gelenke. Wenn man aus Alters- oder Gewichtsgründen einen schwachen Halteapparat hat, ist es ein prima Ganzkörpertraining. Am besten auf weichem Boden ausüben.


2. Fahrradfahren

Mit dem Fahrrad unterwegs: Klotzbier zeigt seine Fortschritte vor der Kamera
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Mit dem Fahrrad unterwegs: Klotzbier zeigt seine Fortschritte vor der Kamera

Das habe ich gemacht: Ich habe das Auto gegen das Rad eingetauscht und bin jeden Tag zur Arbeit geradelt - auch bei Regen. Am Anfang habe ich morgens für die rund zehn Kilometer durch den Park zur Arbeit 50 Minuten gebraucht - und es war anstrengend. Jetzt brauche ich nur noch knapp 35 Minuten.

Trainingsumfang: täglich seit acht Monaten, rund hundert Kilometer pro Woche.

Das hat es gebracht: Gute Laune. Man bekommt zwei Stunden geschenkt, die man sonst im Auto gesessen hätte. Ich mache Sport, ohne Zeit zu verlieren. Außerdem spare ich Sprit und Parkgebühren.

Fun-Faktor: 2

Ist noch steigerbar, wenn das Radfahren sportlicher wird.

Das sagt der Arzt Fernando Dimeo:

Der Kalorienverbrauch beim Radfahren ist bei derselben Anstrengung geringer als beim Laufen. Fürs Abnehmen ist es daher weniger effektiv, es schont aber die Gelenke.


3. Schwimmen

Das habe ich gemacht: Mit Schwimmen habe ich erst im Sommerurlaub angefangen. Ich bin Bahnen geschwommen: immer abwechselnd Brust, Kraul, Rücken.

Trainingsumfang: drei- bis viermal ausprobiert, je 60 Minuten

Das hat es gebracht: Abkühlung und Muskelkater. Schwimmen war in den heißen Tagen ideal, auch wenn ich nach dem ersten Training zwei Tage lang Muskelkater hatte.

Fun-Faktor: 3-

Ich finde Bahnenschwimmen etwas langweilig. Mit Trainerstunden und einer verbesserten Technik kann man den Spaß sicher noch steigern.

Das sagt der Arzt Fernando Dimeo:

Zunächst: Es gibt einen Unterschied zwischen Schwimmen und Sich-auf-dem-Wasser-treiben-Lassen. Durchs richtige Schwimmen nimmt man zwar nicht besonders schnell ab, aber man baut gelenkschonend und effektiv im ganzen Körper Muskeln auf. Als Alternative zum Gehen oder Laufen sehr empfehlenswert.


4. Aqua Fitness

Aqua Fitness: Klingt nach Seniorensport, ist aber anstrengend
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Aqua Fitness: Klingt nach Seniorensport, ist aber anstrengend

Das habe ich gemacht: Fitnessübungen mit Schwimmnudel und Handflossen im Nichtschwimmerbecken, teilweise ohne Bodenkontakt. Das klingt nach Seniorensport, ist aber mächtig anstrengend. Ich wusste gar nicht, dass man im Wasser so schwitzen kann.

Trainingsumfang: insgesamt drei- bis viermal

Das hat es gebracht: Krämpfe. Ich habe das Training total unterschätzt. Aqua Fitness ist richtig anstrengend.

Fun-Faktor: 2+

Was cool war: Ich bin zum ersten Mal gejoggt, wobei ich durch das Wasser mein Gewicht nicht gespürt habe. Man fühlt sich schwerelos. Idealer Schlechtwetter-Sport. Werde ich weitermachen.

Das sagt der Arzt Fernando Dimeo:

Aqua Fitness kann sehr intensiv sein und eignet sich gut als Abnehmsport. Durch den Wasserauftrieb kann man seine Muskeln gelenkschonend aufbauen.


5. Cross-Trainer

Das habe ich gemacht: Meine Eltern und Schwiegereltern haben einen Cross-Trainer, mit dem man die Bewegungen beim Skilanglauf simuliert.

Trainingsumfang: fünf- bis sechsmal ausprobiert

Das hat es gebracht: Ich habe das Gefühl, dass das Trainieren auf dem Cross-Trainer effektiver und anstrengender ist als Walken. Man schwitzt mehr, und der Puls geht schneller nach oben. Ich bin nach 90 Minuten Cross-Trainer platter als nach zwei Stunden walken.

Fun-Faktor: 4+

Der Spaß hält sich in Grenzen. Man trainiert allein in einem geschlossenen Raum. Keine Natur, keine frische Luft. Vielleicht besorge ich mir trotzdem ein eigenes Gerät, weil es so effektiv sein soll.

Das sagt der Arzt Fernando Dimeo:

Skilanglauf gehört zu den effektivsten Sportarten. Der Energieverbrauch pro Zeiteinheit ist höher als beim Laufen. Das Problem beim Langlauf: Es ist technisch anspruchsvoll und kann nicht immer überall ausgeführt werden. Die Alternative auf dem Cross-Trainer ist auch sehr wirksam und gelenkschonend, aber relativ öde. Man läuft auf der Stelle und kommt nicht vom Fleck. Aber man trainiert Körper und Kreislauf.


6. EMS-Training

Klotzbier bei der Muskelstimulation: Mit Sport hat das nicht viel zu tun
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Klotzbier bei der Muskelstimulation: Mit Sport hat das nicht viel zu tun

Das habe ich gemacht: Ich habe nasse Baumwollunterwäsche getragen und mir mittels Elektroden Stromimpulse auf den ganzen Körper geben lassen. Warum? Weil 15 Minuten Elektrostimulationstraining (EMS-Training) angeblich 20 Stunden Fitnesstraining ersetzen.

Trainingsumfang: ein Mal

Das hat es gebracht: Angeblich werden 500 Muskeln gleichzeitig stimuliert. Die 15 Minuten EMS fühlen sich an wie 20 Stunden Fitnesstraining: Es ist super anstrengend und man kommt ordentlich ins Schwitzen. Der Bauch wird einem zusammengezogen - unangenehmes Gefühl.

Fun-Faktor: 4

Du stehst rum und bewegst dich nicht. Mit Sport hat das nicht viel zu tun. Bis jetzt habe ich mich beim Abnehmen noch nicht quälen müssen, aber diese 15 Minuten EMS waren heftig.

Das sagt der Arzt Fernando Dimeo:

EMS ist kein sportliches Training, sondern eine lokale Aufbaumaßnahme für einzelne Muskeln. Es ist meiner Ansicht nach nur nach Verletzungen oder Krankheiten sinnvoll. Der Kalorienverbrauch ist minimal, und man trainiert weder Gelenke noch Muskelgegenspieler oder das Zusammenspiel ganzer Muskelgruppen. Aus ästhetischer Sicht kann EMS durchaus einen Effekt haben. Aber was nützt ein schöner Sixpack, wenn nichts dahintersteckt?

Wie es mit Michael Klotzbiers Marathon-Vorhaben weitergeht, lesen Sie in regelmäßigen Abständen auf SPIEGEL ONLINE und auf Michas Abnehm-Blog bei achim-achilles.de.

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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
crma 18.08.2015
1. Ems
Danke für die Wahrheit über den neuen teuren Hype!
ernstl1704 18.08.2015
2. Alles richtig gemacht, denke ich
Wobei man sehen muss wo der Mann her kommt. Kaum ein Mensch wiegt 160kg. Die letzten 10 kg zum (angeblichen) Traumgewicht, das sind die schwersten. Bei richtig viel Übergewicht hilft ein gelenkschonendes Sportaufbautraining natürlich ideal. Schön finde ich, dass er sagt, geht raus in die Natur und lasst die Karre stehen, auch auf dem Weg zur Arbeit, das sehe ich genauso. Wenn man den Arbeitsweg durch Radfahren ersetzt bekommt man wirklich Geld und Zeit geschenkt und hat Spass dabei. Und schlechtes Wetter ist viel seltener als man denkt. Ich fahre selber jeden Tag zur Arbeit und Regen kann man im Jahr fast an 2 Händ abzählen.
hschmitter 18.08.2015
3. Mission Marathon?
Geht es auch einfacher? Ziel Marathon z.B. Oder erwartet mich dann demnächst auch noch eine Challenge Marathon? Man kriegt ja richtig Angst, daß jemand zwanghaft ein Ziel verfolgt und fanatisch wird. Pilates wäre sicher effektiver als mit EMS irgendwas zu stimulieren
Rubyconacer 18.08.2015
4. EMS ein Hype?
Kenne ich schon lange. Mein Tens-Gerät kann auch EMS und hat 15? gekostet (B e u r e r). Ich benutze es nur kaum im EMS-Mode. Der Tensmode ist bei Rückenschmerzen höchst wirksam.
axel_roland 18.08.2015
5. Einfach vernünftig an die Sache rangehen
Ich bin 1,84m und Wiege knapp 90kg. Eigentlich noch "ok" aber 10 kg weniger hätte ich trotzdem gerne. Für mich war klar: Ich will keine Diät, ich will etwas, mit dem ich auf Dauer gut leben kann: Die ersten paar Kilos habe ich damit bereits runter, ohne große Trickserei. Ein paar "Geheimtipps", für die man sonst gerne das Geld aus der Tasche gezogen bekommt: * Kohlenhydrate - v.a. schnell zu verstoffwechselnde (Mehl, Nudeln, Brötchen und v.a. Zucker (also Cola, Nutella und co.)) verringern und durch Proteine ersetzen: Einfach das Stake oder die Gemüseportion größer machen und dafür weniger Nudeln! Ganz weglassen wirkt am besten, ist aber für mich auf Dauer aber nicht erstrebenswert, denn ich mag Brötchen und co. * Aufhören wenn man satt ist (klingt einfach, bedarf aber einiges an Übung). Rest kann man in jedem Restaurant einpacken lassen. Das ist mir nirgends mehr peinlich. * "Bewegung im Alltag": Alle Aufzüge weglassen, Zu Fuß gehen oder mit Fahrrad fahren. Nicht immer, aber eben öfter * Ab und zu mal Sport (Muskelaufbau UND Ausdauer - z.b. moderat Joggen). Dafür habe ich mein Leben absolut null umstellen müssen und ich muss auf nichts verzichten. 20-30 Minuten Joggen sind alle paar Tage in jedem Fall drin - da muss man halt mal ein Folge seiner TV-Serie nach hinten verschieben. 5 Kilo sind damit schon unten (das hat zwar etwa 4 Monate gedauert, aber ich will ja auch nicht schlagartig abnehmen und dann einen Jojo-Effekt kassieren) und ich mach einfach so weiter, denn es geht mir völlig unabhängig vom Gewicht jetzt irgendwie besser. Ich fühle mich wacher und gehe am Wochenende auch wieder öfter feiern. Alkohol ist natürlich kontraproduktiv, aber wie gesagt: Ich will ja kein Abnehmweltmeister werden :-D
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