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Abnehmen: Sport allein macht nicht schlank

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Sport auf dem Laufband: Bewegung alleine reicht nicht

Drei Monate dreimal pro Woche laufen: Das muss sich doch aufs Gewicht auswirken. Falsch, stattdessen legten trainierende Frauen in einer Studie sogar noch zu - und zwar nicht nur Muskelmasse.

Wer Pfunde verlieren will, muss einfach nur Sport machen. So lautet eine weitverbreitete Regel, nach der sich täglich Millionen Fitnessjünger richten. Etwas regelmäßige Bewegung, vorzugsweise Ausdauersport wie Laufen oder Radfahren - und schon schmilzt die Fettschicht. Ganz so leicht ist es nicht.

Eine Studie von US-Forschern kommt zu einem anderen Ergebnis: Sport alleine reicht nicht aus, um Gewicht zu verlieren, berichten die Wissenschaftler von der Arizona State University in Phoenix. Das überraschende Ergebnis ihrer Untersuchung: Die Probandinnen waren nach zwölf Wochen regelmäßigem Laufbandtraining überwiegend dicker als zuvor.

Für die Studie hatten Glenn Gaesser und seine Kollegen 81 übergewichtige Frauen rekrutiert - alle hatten jahrelang keinen Sport ausgeübt. Den Frauen wurde gesagt, dass sie an einer Fitnessstudie teilnehmen würden, die ihre Ausdauer verbessern sollte. Ihre Ernährung bräuchten sie nicht umzustellen.

Dicker trotz Sport

Vor dem Programm mussten sie sich einem Gesundheitstest unterziehen - dabei wurden ihr Body-Mass-Index, ihr Körperfettanteil sowie einige weitere Werte zur Bestimmung ihrer Leistungsfähigkeit ermittelt. Anschließend ging es dreimal wöchentlich für jeweils 30 Minuten aufs Laufband. In den zwölf Wochen beobachteten die Forscher, wie die Frauen auf das Training reagierten. Bei einigen hatte sich nicht nur die Leistungsfähigkeit deutlich verbessert, sie hatten zudem leicht abgenommen. 70 Prozent aber waren dicker geworden. Diese Frauen hatten nicht bloß Muskelmasse aufgebaut, die meisten entwickelten hauptsächlich mehr Fettgewebe.

Jede der Frauen schien individuell auf das Programm zu reagieren - egal in welchem Zustand sie zu Beginn der Studie war. Besonders stark Übergewichtige nahmen im Verhältnis nicht unbedingt mehr ab.

"Vermutlich haben die Frauen, die zugenommen haben, sich abseits des Sportprogramms weniger bewegt und mehr gegessen", so Gaesser, der die Essgewohnheiten der Probandinnen nicht erfasst hatte. Er empfiehlt Sportanfängern, die Gewicht verlieren wollen, sich spätestens nach einem Monat auf die Waage zu stellen. Wer dann nicht abgenommen hat, sollte seine Ernährung umstellen und das tägliche Bewegungspensum außerhalb des Trainings überdenken.

Weniger Kalorienzufuhr, mehr verbrennen

Zwar erfasst die sehr kurz angelegte Studie nur die Reaktion von Frauen und besitzt mit knapp 80 Probandinnen begrenzte Aussagekraft. Aber sie belegt eine Binsenweisheit: Wer abnehmen will, muss mehr Kalorien verbrennen als er zu sich nimmt. Dass es dauerhaft nur so geht, wird gerne vergessen - wer mit Sport sein Gewissen beruhigt, nur um im Anschluss durch eine üppige Portion Nudeln große Mengen Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, wird kein Gewicht verlieren. In der Küche wird der Körper gemacht.

Ein 70 Kilogramm schwerer Läufer, der eine halbe Stunde moderat joggt, hat etwa 350 Kilokalorien verbrannt - die Menge von etwa einem Schokoriegel. "Der Verbrennungseffekt von Sport wird oft überschätzt. Wer dauerhaft Gewicht verlieren will, muss an mehreren Stellschrauben drehen - dazu zählt auch die Ernährung", sagt Michael Tuttor, Sportwissenschaftler am Institut für Sportmedizin im Klinikum Nürnberg.

Sportanfänger bauen nicht sofort Fett ab, so Tuttor. "Dafür legen sie bei der Muskelmasse aber schon etwas zu - deshalb kann es zunächst sogar zu einer Gewichtszunahme kommen."

Dennoch ist regelmäßige Bewegung ratsam. Das zeigt nicht nur die aktuelle Studie, bei der alle Frauen ihre Leistungsfähigkeit verbessern konnten. Dass Sport vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und vielen weiteren Krankheiten schützt, ist hinreichend belegt. Das sieht auch Tuttor so. "Die Frauen in der Studie haben sicher etwas Gutes für ihren Körper und ihr Herz-Kreislauf-System getan."

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1.
hubelwutz 17.11.2014
Nach dem Satz hab ich aufgehört zu lesen. Jeder halbwegs informierte weiß inzwischen, auch durch Informationen die hier auf Spiegel.de verfügbar sind, dass Ernährungsumstellung und Bewegung Hand in Hand gehen, beim Versuch, Gewicht zu verlieren.
2. Schmerzfreie Diät ab und an
stefan taschkent 17.11.2014
Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Was bei mir geholfen hat: Grundsätzlich weniger Kohlenhydrate und regelmäßig die General-Motors Diät (einfach mal googeln; der Name klingt bescheuert, ich weiß). Die dann mal alle 1-2 Monate einbauen, grundsätzlich vor allem ab dem Nachmittag keine Kohlenhydrate, Zucker usw. ... und alles wird gut :)
3. Wer sagt denn, dass allein
Motorkopf 17.11.2014
Sport zum abnehmen führt? Man muss und sollte gleichzeitig aufhören, sich abends die Wampe voll zu schlagen! Und am Anfang vor allem nicht joggen gehen! Maximal zum aufwärmen - mehr nicht. Mit Übergewicht sich die Gelenke verschleissen, hat mit "gesundem" Training nicht viel zu tun - auch wenn so manche selbsterklärten Fachmänner dies behaupten. Besser Fahrrad fahren oder schwimmen - viel laufen geht man erst, wenn die Pfunde gepurzelt sind.
4.
bekkawei 17.11.2014
Du liebe Zeit, das habe ich schon vor ueber 10 Jahren behauptet und alle sind ueber mich hergefallen. Sport und Bewegung sind WICHTIG und LEBENSNOTWENDIG, aber nur fuer die Gesundheit. Aber als Abnehmprogramm vollkommen ungeeignet. Das sieht man doch daran, wenn man vergleicht, wieviel Sport man machen muss, um einen Cheeseburger, oder eine Pizza, oder zwei Rippen Schokolade, oder einen Nachschlag beim Sonntagsessen, usw. zu verbrauchen. Und dann ganz realistisch zu Grunde legt, wieviel Zeit man ueberhaupt hat nach Job und Familie, um Sport zu machen, und wieviel Energie man dafuer aufbringen muss, um Abend fuer Abend die knapp zwei Stunden zu joggen. Das entspricht naemlich in etwa einem Burger mit ein paar Pommes dazu. Zum Abnehmen fuehrt nur eine kontrollierte Nahrungsaufnahme durch eine Umstellung der Ernaehrung. LEBENSLANG! Und fuer dier Gesundheit ausserdem taeglich etwas Bewegung, aber zwischendrin mal so richtig ausser Atem kommen.
5. Was soll denn das?
Wunderläufer 17.11.2014
"Vermutlich haben die Frauen, die zugenommen haben, sich abseits des Sportprogramms weniger bewegt und mehr gegessen", so Gaesser, der die Essgewohnheiten der Probandinnen nicht erfasst hatte" Unseriöser geht's doch wohl nicht mehr. Dabei gehört es doch zum Standard: Reduktion des Gewichts funktioniert auf die Dauer nur durch das unzertrennliche Paar Sport PLUS Umstellung der Ernährung
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ZUM AUTOR
  • Jörg Römer (Jahrgang 1974) ist freier Journalist in Hamburg. Er schreibt über Gesundheitsthemen, Sport und ist KarriereSPIEGEL-Autor.
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