Studie zu Übergewicht Schon leichtes Abnehmen fördert die Gesundheit

Abnehmen ist schwer: Ohne große Erfolge verlieren vor allem stark Übergewichtige leicht die Motivation. Eine neue Studie zeigt aber, dass schon kleine Veränderungen viel für die Gesundheit bringen.

Fitnessgerät an einer Bus-Station in Mexiko-Stadt: Schon eine geringe Gewichtsreduktion hat positive Auswirkungen
DPA

Fitnessgerät an einer Bus-Station in Mexiko-Stadt: Schon eine geringe Gewichtsreduktion hat positive Auswirkungen


Bei Menschen mit hohem Übergewicht können schon leichte Gewichtsreduzierungen viel Gutes bringen: Wer es schaffe, fünf Prozent abzuspecken, erweise seiner Gesundheit einen großen Dienst, berichten Forscher im Fachjournal "Cell Metabolism".

Das Risiko für viele gewichtsbedingte Erkrankungen reduziere sich schon bei einer fünfprozentigen Gewichtsabnahme deutlich, heißt es in der Studie. Der Körperfettanteil schrumpfe dabei um rund acht Prozent, auch das besonders ungesunde Bauchfett nehme um sieben Prozent ab. "Das ist ein großer Ertrag für einen kleinen Einsatz", bilanziert Seniorautor Samuel Klein von der Washington University in St. Louis.

Zwar ist die Studie mit 40 Teilnehmern relativ klein, sie liefert aber einen weiteren Beleg für die positiven Auswirkungen der Gewichtsreduktion. Der Body-Mass-Index der teilnehmenden Probanden, die keine weiteren Erkrankungen hatten, lag im Durchschnitt bei knapp 38 - ab 30 gelten Menschen als fettleibig. Ein Teil der Testgruppe wahrte sein Gewicht, die übrigen Männer und Frauen nahmen im Zuge einer sechsmonatigen Diät rund fünf, zehn oder 15 Prozent an Körpergewicht ab. Währenddessen wurden ihre Blutwerte und andere gesundheitlich relevante Daten wie Blutdruck und Herzfrequenz überwacht. 19 der Probanden erreichten eine fünfprozentige Gewichtsreduktion.

BMI-Rechner
Corbis
kg
cm

23,3

Jetzt BMI berechnen!

Gängige Empfehlung in den USA für Übergewichtige sei derzeit eine Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent, heißt es in der Studie. Schon bei einer vergleichsweise kleinen Gewichtsreduktion aber würden verschiedene Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes und koronare Herzerkrankungen deutlich vermindert, schreibt das Forscherteam von der Washington University. Der Stoffwechsel verbessere sich, ebenso die Insulinempfindlichkeit der Organe, auch der Blutzuckerwert nehme ab.

Positive Effekte steigen mit stärkerer Abnahme

Auch deutsche Experten sehen mit der Studie bisherige Erkenntnisse bestätigt. Schon zuvor hätten Analysen gezeigt, dass eine moderate Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent die Stoffwechsellage verbessere, sagt beispielsweise Christina Holzapfel vom Kompetenznetz Adipositas (TU München). "Sie wirkt sich stets auf die Lebensqualität aus, auch auf die Gelenke." Wichtig sei es, sein Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren. Der gesamte Lebensstil - Bewegung, Ernährung, Verhalten - müsse sich ändern, Crash-Diäten seien nicht zu empfehlen, "Ein gesundes Körpergewicht ist eine Lebensaufgabe", so Holzapfel.

Abzunehmen ist für fettleibige Menschen weit schwieriger als allgemein oft angenommen. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Umso wichtiger kann es als Motivationsfaktor sein, dass dabei schon sehr kleine Schritte sehr gut für die Gesundheit sind, sagen Experten. "Das Ziel, fünf Prozent Gewicht zu verlieren, motiviert ungemein", sagt Dirk Müller-Wieland von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Sich kleine Ziele zu setzen, könne vielen Betroffenen das Gefühl des Scheiterns ersparen, schreiben auch die Autoren der aktuellen Studie. Fünf Prozent weniger Gewicht seien weit eher zu erreichen als ein Minus von zehn Prozent.

Bei Probanden, die mehr als zehn Prozent Gewicht abspeckten, profitierten verstärkt auch die Muskeln - und allgemein vergrößerten sich die positiven Gesundheitseffekte etwa beim Fettstoffwechsel und den Entzündungswerten, schreiben die Autoren. "Wir hoffen, dass diese Ergebnisse Menschen mit starkem Übergewicht Mut machen, überschaubare Schritte zu unternehmen", sagt Klein.

brt/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 86 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Msc 23.02.2016
1.
40 Leute? Das ist viel viel zu wenig um belastbare prozentuale Angaben zu machen. Eine Person mehr auf der einen oder anderen Seite sind 2,5%! Da kann man höchstens eine Tendenz ableiten. Übergewichtige profitieren davon, wenn sie abnehmen. Das ist revolutionär.
Spiegelleserin57 23.02.2016
2. abnehmen kann man durchaus einfach!
man kann viel essen. Wer seine Nahrung umstellt auf mehr Gemüse, Obst und zuckerarm wird sehr schnell sehen wie die Kilos purzeln. Es ist auch eine Frage des Willens ob man es wirklich will. Es gibt viele Gerichte die sehr schmackhaft sind weniger Kalorien enthalten. Die Nahrung sollte schon dauerhaft umgestellt werden und die alten Gewohnheiten müssen langfristig geändert werden sonst ist der Effekt gleich null. Genau da liegt das Problem. Viele verfallen nach kurzer Zeit wieder in in die alten gEwohnheiten!
freiheitimherzen 23.02.2016
3. Bildersprache ist eine Frechheit
Die Bildersprache ist ein Frechheit! Der Mann ist weit entfernt von "starkem Übergewicht". Wenn die Redaktionen des Landes schon im wahrsten Sinne des Wortes ein falsches Bild liefern, wie soll dann Lieschen Müller eine vernünftige Vorstellung von einem gesunden Gewicht entwickeln? Viele Grüße
Spr. 23.02.2016
4. BMI im Normalbereich gilt bereits als dick!
Das haben die Werbung und bestimmte TV-Formate bereits erreicht, und das hat auch Auswirkungen auf das Foto, das für diesen Artikel ausgesucht wurde. Frauen mit einer größeren Kleidergröße als Größe 0 gelten als mollig, wobei Größe 0 der Figur eines 12-jährigen Kindes entspricht. Viele bei jungen Leuten beliebte Marken sind stolz darauf, dass bei ihnen alle Größen eine Nummer kleiner ausfallen und alle, die nach einer Damengröße größer als 36 suchen an Modemarken für Dicke verwiesen werden. Männer dürfen da schon eher größere Größen haben, das gilt dann als sportlich. Trotzdem ist auch nach Männermaßstäben der Mann auf dem Bild extrem fett, selbst wenn sein BMI zwar Übergewicht, aber noch lange keine Fettleibigkeit anzeigt. Sie werden in Laufe der Diskussion hier viele Beiträge lesen, in denen diese Meinung geteilt wird.
CancunMM 23.02.2016
5.
Zitat von freiheitimherzenDie Bildersprache ist ein Frechheit! Der Mann ist weit entfernt von "starkem Übergewicht". Wenn die Redaktionen des Landes schon im wahrsten Sinne des Wortes ein falsches Bild liefern, wie soll dann Lieschen Müller eine vernünftige Vorstellung von einem gesunden Gewicht entwickeln? Viele Grüße
Aber übergewichtig finden Sie den Mann auf dem Foto schon, oder ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.