Diät-Challenge Wetten gegen die Pfunde

Abnehmen und dabei Geld verdienen? Online-Plattformen wie DietBet ködern Diätwillige mit der Aussicht auf Wettgewinne. Warum das so gut funktioniert - und wann es gefährlich werden kann.

Sport gegen Übergewicht: Motivieren Wettkonkurrenten beim Abnehmen?
Corbis

Sport gegen Übergewicht: Motivieren Wettkonkurrenten beim Abnehmen?


Zunächst hielt ich es für eine abwegige Idee: Ein paar Wochen diszipliniert hungern und schwitzen, um etwas Gewicht zu verlieren, das war das eine. Aber dafür auch noch Geld auf ein ominöses Konto einzahlen? Andererseits, ein wenig abspecken vor dem Beginn der Weihnachtszeit könnte nicht schaden. "Und schließlich kannst du am Ende sogar Profit rausschlagen", sagte mein Freund. Überredet.

Innerhalb der nächsten vier Wochen würde ich bei DietBet, einer Online-Plattform für Abnehmwillige, versuchen, vier Prozent meines Körpergewichts zu verlieren - und dabei in Wettstreit mit Freunden und Bekannten treten.

ZUR AUTORIN
  • Daniela Albat
    Daniela Albat studiert Wissenschafts-Journalismus in Dortmund und schreibt bevorzugt über Medizinthemen. Vom Ruhrpott aus arbeitet sie als freie Autorin für SPIEGEL ONLINE.
Das Prinzip ist einfach. Wer mitmacht, wettet, in einem vorgegebenen Zeitraum einen bestimmten Anteil seines Gewichts abzunehmen. Es gibt zwei Varianten: vier Prozent in vier Wochen oder zehn Prozent in sechs Monaten. Dabei kann man entweder in eine demnächst startende Wette einsteigen oder eine eigene Wette beginnen. Gespielt wird um Geld, jeder Teilnehmer muss einen Wetteinsatz bezahlen. Die Summe wird schließlich unter jenen verteilt, die das Ziel erreicht haben. Verlierer gehen leer aus.

Finanzielle Anreize motivieren

DietBet und vergleichbare Anbieter wie Fatbet oder HealthyWage machen sich dabei gleich zwei Trends zunutze. Zum einen neigen immer mehr Menschen zu Übergewicht. Auch hierzulande ist jeder Zweite zu dick - eine große Zielgruppe also. Gleichzeitig boomt der Markt für Fitness- und Ernährungs-Apps. Wer heutzutage etwas auf sich hält, lässt sich von digitalen Gesundheitshelfern tracken und coachen. Auch ich werde in den nächsten Wochen mit der App von DietBet akribisch mein Gewicht dokumentieren, mich über meine ideale Kalorienzufuhr und die Fortschritte meiner Mitstreiter informieren.

Doch bevor es losgeht, muss ich mich wiegen. Damit niemand schummelt, verlangt DietBet Beweisfotos, die jeden Teilnehmer auf der Waage zeigen. Danach will DietBet auch noch mein Geld. Die Überweisung tätige ich nur widerwillig - auch wenn ich lediglich zehn US-Dollar, also etwa 7,90 Euro, entbehren muss. Ab jetzt liegt es an mir: Sehe ich mein Geld nie wieder oder verdiene ich sogar dazu?

Tatsächlich zeigen Studien, dass finanzielle Anreize extrem motivierend wirken. Wer weiß, dass er Geld gewinnen oder verlieren könnte, nimmt nachweislich erfolgreicher ab. Gleiches gilt etwa für Raucher, die sich ihre Sucht abgewöhnen wollen.

Doch gerade weil Geld ein so starker Motivator ist, sieht der Ernährungsmediziner Hans Hauner Wettbewerbe wie DietBet auch kritisch: "Wenn man um des Geldes willen beim Abnehmen übertreibt, kann das schnell gefährlich werden", sagt der Experte von der Technischen Universität München. Ohne ärztliche Überwachung riskierten insbesondere ältere Menschen oder Patienten mit chronischen Erkrankungen durch extremes Fasten ihre Gesundheit. Die Verlockung, einer Diätwette gleich noch eine und noch eine folgen zu lassen, ist in der Tat groß. Immerhin enthalten manche der Töpfe gleich mehrere Tausend Dollar - und damit die Chance auf üppige Gewinne.

Mich beflügelt am Anfang weniger das Geld, sondern das Risiko, vor den Augen der anderen Gruppenmitglieder zu scheitern - eine Blöße, die ich mir auf keinen Fall geben will. Ich renne also regelmäßig ins Fitnessstudio und verbanne den Begriff Aufzug aus meinem Wortschatz, vermeide Süßes und mixe stattdessen grüne Smoothies. Doch nach der ersten Woche kommt der Durchhänger. Vielleicht liegt es daran, dass mir Getränke, die aus Spinat, Zucchini und Gurke bestehen, einfach nicht schmecken. Vielleicht sind auch die vielen Geburtstagsfeierlichkeiten schuld, bei denen Kuchen statt Crunches auf dem Plan steht.

Zurück auf den Pfad der Motivation bringt mich schließlich der Post eines Mitstreiters: "Marathon geschafft. Puh..." Ein Foto zeigt einen verschwitzten, aber glücklich strahlenden Menschen, der seinen ausgestreckten Daumen in die Kamera hält. Mein Ehrgeiz ist geweckt: Wenn der 42,195 Kilometer laufen kann, dann schaffe ich ja wohl wenigstens ein paar Runden durch den Park. Ich ziehe meine Sportschuhe an und sende meinem Konkurrenten ein wohlwollendes High-Five. Trotz Konkurrenz fühle ich mich mit ihm verbunden - schließlich verfolgen wir mit dem Kampf gegen die Kilos ein gemeinsames Ziel.

Warum die Interaktion mit anderen so positiv wirken kann, weiß Jens Kleinert, Psychologe von der Deutschen Sporthochschule Köln: "Sozialer Anschluss und Einbezogenheit gehören zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen." Das Gefühl, Teil einer Community zu sein, könne einen wichtigen motivierenden Effekt haben. Ob in der virtuellen oder der realen Welt: Um seinen inneren Schweinehund erfolgreich zu überwinden, brauche es vor allem Verbündete.

Das Abspeckziel habe ich am Ende übrigens erreicht. Die meisten meiner Wettpartner auch. Deshalb fällt mein Zuverdienst mager aus: 1,25 US-Dollar, etwa 99 Euro-Cent. Egal. Hauptsache, gewonnen.

Wer steckt hinter DietBet?
Der New Yorker Unternehmer Jamie Rosen hat DietBet 2012 als privates Startup gegründet. Die Inspiration dazu kam von Freunden: Rosen hatte mitbekommen, wie Kollegen bei einem Abnehm-Wettbewerb im Büro top motiviert Gewicht verloren hatten. Daraufhin startete er einen Blog zum Thema Gewichtsverlust. Dieser wurde so erfolgreich, dass Rosen ein Geschäftsmodell daraus machte: DietBet verdient Geld, indem es von den Wetteinsätzen der Verlierer einen Pauschalbetrag einbehält, bevor der Rest an die Gewinner verteilt wird.
Gesund abnehmen – Tipps vom Ernährungsexperten
1. Nicht übertreiben: "Extreme Diätformen können gesundheitsschädlich sein", sagt der Ernährungsmediziner Hans Hauner. Er rät dazu, einen maßvollen Gewichtsverlust anzustreben - die Vorgabe der 4-Wochen Wette von DietBet (vier Prozent des Körpergewichts innerhalb von vier Wochen) hält er für realistisch.
  • 2. Einen Arzt fragen: Auch Gesunde sollten sich vom Hausarzt durchchecken lassen, bevor sie eine Diät starten. Gibt der Mediziner sein OK, kann es losgehen.
  • 3. Mehr Kalorien verbrauchen als aufnehmen: "Entscheidend ist das Energiedefizit", sagt Hauner. Ob man das nun mit Bewegung plus Low-Carb, Mittelmeerkost oder vegetarischer Ernährung erreiche, sei jedem selbst überlassen.
  • 4. Nicht zu einseitig essen: Dem Körper müssen alle wichtigen Nährstoffe zur Verfügung stehen. Sonst drohen unter Umständen gefährliche Mangelerscheinungen - im Extremfall bis hin zu Herzrhythmusstörungen oder Nierenversagen.
  • 5. Sich informieren: Wer unsicher ist, wie eine gesunde Abspeckkur aussieht, kann sich Tipps von Experten holen. Geeignete Anlaufstellen sind laut Hauner beispielsweise die Krankenkassen oder Beratungsstellen, etwa von den Verbraucherzentralen. Auch im Internet gibt es nützliche Hinweise, zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
6. Auf seinen Körper hören: Sendet der Körper im Laufe der Diät Warnsignale wie etwa allgemeines Unwohlsein oder Verstopfung: lieber die Diät abbrechen!

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Herr Hold 02.11.2014
1. Weight Watchers
Da kann man auch einfach zu Weight Watchers gehen oder sich anderen Abnehm-Gruppen anschließen. Oder selbst eine starten. "Beweisfoto" , Nachtigall....
Sekronom 02.11.2014
2.
Zitat von Herr HoldDa kann man auch einfach zu Weight Watchers gehen oder sich anderen Abnehm-Gruppen anschließen. Oder selbst eine starten. "Beweisfoto" , Nachtigall....
Naja :) Wer so etwas wie einen gesunden Verstand hat, braucht das alles nicht. Ich habe mehr oder weniger zum Spaß seit 2-3 Monaten die reinen Kohlenhydrate(Alle Weizen/Roggen/Sonstiges Getreide => Nudeln, Reis, Kartoffeln(wobei die eigentlich gehen) und Süßigkeiten mit massivem Fett/Zuckerbestandteilen) weggelassen. Lediglich morgens gibts noch leckere Haferflocken mit etwas gepufften Amaranth(schmeckt echt gut^^) in das Müsli mit Obst. Abgesehen vom Klettersport habe ich sonst keinen Sport betrieben(vorher aber auch schon und 0kg abgenommen) und problemlos knapp 8kg abgenommen(von 77kg auf 69kg konstant). Mitlterweile esse ich auch manchmal etwas Nudeln und wenig Süßigkeiten(meistens weil es andere sonst wegschmeißen würden), das geht auch noch aber eben Maßen. Statt Süßigkeiten kann man problemlos Obst essen, einfach das kaufen was einem schmeckt, da ist jeder anders. Aufgeschrieben habe ich gar nichts. Gemerkt habe ich mir lediglich wieviel ich am Anfang wog. Hülsenfrüchte(Bohnen/Linsen) mit Gemüse, Fleisch, Fisch und Salat soviel man Lust hat und die Pfründe purzeln von ganz alleine :) Vielleicht habe ich den Vorteil, das mir das Zeug auch so schmeckt, da ist das keine wirkliche Anstrengung, allerdings vermute ich das jeder einige Sachen finden kann, die ihm schmecken und gut ins Schema passen. Nebenbei ist die Ernährung noch Spottbillig. 1kg ungekochte Bohnen kosten ~2,5€. Davon kann ich fast 10mal ein Essen zubereiten(noch etwas Gemüse hinzu aber nicht viel). Eigentlich hat es nur Vorteile. Mittlerweile frage ich mich, warum ich überhaupt Reis/Nudeln früher gegessen habe. Wenn jemand einem die Wette motiviert, ist das sicherlich eine gute Sache. Nur was ist nach der Wette? Man kann kaum permanent Wetten. Eine dauerhafte langsame Umstellung auf Gesunde Ernährung ist (wie ich finde) einfacher und eine bessere langfristige Investition.
zomik 02.11.2014
3. Luxus Problem
Es zeugt eindeutig von einem gestörtem Geist - Körper Verhältnis wenn Mensch zu viel Gewicht hat und dieses dann wieder abbauen muss. Eine einfache lebenslange Disziplin im Umgang mit sich selbst verhindert dies - trotzdem kann man alles mit Lust genießen.
Quirlequast 02.11.2014
4. Darauf noch einen Schokoriegel!
kwT
gehmlich 02.11.2014
5. Nudging
Das ganze passiert auf einer sogenannten nudging Theorie. Kann man in Toronto oder auf edx.org studieren.
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